Preisentwicklung: Verfrühte Euphorie bei den Ölpreisen

Preisentwicklung: Verfrühte Euphorie bei den Ölpreisen

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Ölförderung in den USA: Mittwochmittag ist ein wichtiger Termin für den Ölpreis

Gestern fiel der Ölpreis unter 120 Dollar pro Barrel - und sorgte für gute Stimmung unter Anlegern. Für Euphorie ist es aber zu früh. Zwar ging es mit dem Erdölpreis in den letzten Wochen rapide bergab – ob das aber mehr ist als eine vorübergehende Erleichterung, ist keineswegs ausgemacht. Die Veröffentlichung der US-Lagerbestände heute Mittag sorgt deshalb für besondere Spannung.

Seit vielen Jahren reagieren jeden Mittwochmittag die großen Erdölmärkte ganz vorhersehbar auf die kurz zuvor in Washington veröffentlichten offiziellen Zahlen über die Lagerbestände an Erdöl und Benzin in den USA. Fallende Bestände heißt: Nachfrage sinkt vielleicht, Preis steigt bestimmt. Umgekehrt gilt dasselbe, wobei die Märkte die Daten vor allem an den Erwartungen bekannter Analysten messen.

Derzeit trauen die Händler aber offenbar den Analysten nicht mehr. Vergangenen Mittwoch meldete Washington einen minimalen Rückgang der Erdöl-Vorräte, 81.000 Barrel statt der erwarteten 1,3 Millionen. Worauf der Rohölpreis aber nicht etwa sank, sondern an den beiden folgenden Tagen um fast fünf Prozent kletterte.

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Wie immer waren Experten um Begründungen nicht verlegen. Die einfachste: Es handele sich um eine Korrektur der Korrektur. Seit Mitte Juli war der Barrelpreis in New York von ungefähr 147 auf 123 Dollar gesunken – also war eine Gegenbewegung fällig: „Bei 120 Dollar kommt eine Menge Kaufinteresse in den Markt und treibt den Preis nach oben“, verriet ein Sprecher der Erdöl-Beratungsfirma Purvin & Gertz.

Viele Daten sprechen für Ende des Preisanstiegs

Dabei sprechen viele Daten immer noch für ein Ende des jahrelangen Preisanstiegs. Dora Borbély von der DekaBank in Frankfurt verweist darauf, dass Mitte Juli zum ersten Mal seit Februar 2007 Öl-Futures-Händler in New York mehrheitlich auf fallende und nicht mehr auf steigende Preise setzten. Aus vielen zweifelhaften Gründen und einem einleuchtenden:

Zweifelhaft ist die Hoffnung auf Entspannung im Nahen Osten. Gewiss: Ein Diplomat aus Washington hat erstmals an den Verhandlungen seiner europäischen Kollegen mit der potenziellen Nuklearmacht Iran teilgenommen. Das Ergebnis der überraschenden Begegnung: bislang Fehlanzeige. Nicht weniger merkwürdig ist der Verweis auf die neu entdeckte Harmlosigkeit der Karibik-Stürme. Bisher ist dieses Jahr zwar nichts passiert, aber die gefährlichste Jahreszeit – der Spätsommer – hat noch nicht angefangen. Seltsam ist auch die Euphorie über Erdölfunde in aller Welt. Das riesige Feld vor der brasilianischen Atlantikküste bringt – wenn überhaupt – frühestens in fünf Jahren Erträge. Die viel beredeten Vorkommen in der Arktis sind seit Jahren bekannt. Und wohl jedes neu entdeckte Vorkommen wird nur mit größeren wirtschaftlichen, ökologischen oder politischen Kosten nutzbar sein, als es bei den derzeit ausgebeuteten großen Ölfeldern der Fall ist. Ein Faktor aber kann wirklich die Preisexplosion beenden: die trübe Konjunktur in Amerika mit ihren weltweiten Folgen. Das bestimmte auch die Entwicklung im Juli.

Bernanke schickte Ölpreis auf Talfahrt

Denn am Freitag, dem 11. Juli, hatte der Barrelpreis noch seine Rekordmarke von mehr als 147 Dollar erreicht. Zwei Werktage darauf beichtete Fed-Chef Ben Bernanke vor dem Bankenausschuss des Senats in Washington, die amerikanische -Wirtschaft sehe sich „gegenwärtig mit zahlreichen Problemen konfrontiert“ und stellte „signifikante Abwärtsrisiken“ fest. Auch die Inflation, so der Notenbankchef, bleibe wegen des weltweit kräftigen Rohstoffpreisanstiegs weiterhin hoch.

Gerade mit dieser Äußerung aber schickte Bernanke den wichtigsten aller Rohstoffpreise auf Talfahrt. Nicht nur, weil eine schwache Konjunktur in den USA dort den Ölverbrauch mindert. Vielmehr verfeuern die öldurstigen Schwellenländer, allen voran China und Indien, das importierte Erdöl zum großen Teil in ihren Exportindustrien. Haben die weniger Aufträge aus Amerika, sinkt ihre Produktion – mit entsprechenden Folgen für den Energieverbrauch.

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