Pro Olympia-Boykott: Warum Politiker von den Spielen wegbleiben sollten

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KommentarPro Olympia-Boykott: Warum Politiker von den Spielen wegbleiben sollten

von Christian Schlesiger

Ich bin begeistert. Endlich zeigt Deutschland dem menschenfeindlichen Regime in Russland die rote Karte - und dann gleich noch das Staatsoberhaupt. Danke, Herr Bundespräsident!

Bundespräsident Joachim Gauck boykottiert nicht den Sport, sondern das russische Prestigeprojekt Sotschi 2014. Ginge es bei Olympischen Spielen tatsächlich nur um den Sport, könnte man sie auch jedes Mal am gleichen Ort stattfinden lassen oder abwechselnd in bereits existierenden Wettkampfstätten.

Stattdessen investiert Russland zig Milliarden in den Bau protziger Sportstätten am falschen Platz (für Sonntag werden in dem Kurort am Schwarzen Meer Sonne und 13 Grad vorhergesagt). Das damit verbundene Prestige will Machtmensch Putin für sich nutzen. Ein Boykott führender Staatsleute kann das Prestige zumindest teilweise schmälern. Das tut dem Regime weh und wirkt deshalb hoffentlich.

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Kontra Olympia-Boykott Alle Augen auf Russland!

Je mehr sich ein Land der Welt öffnet, desto offener wird seine Gesellschaft. Daher ist ein Boykott der Olympischen Spiele in Sotschi falsch – plumpe Empörungsrhetorik lässt Putin nicht zum Demokraten werden.

Vladimir Putin Quelle: AP

Denn Grund für internationale Kritik gibt es in Russland massenhaft. Putin tritt die Menschenrechte in seinem Land mit Füßen. Die Diskriminierung von Homosexuellen etwa hat inzwischen fürchterliche Ausmaße angenommen. Auslöser war das vom Präsidenten unterzeichnete Gesetz aus dem vergangenen Jahr, das jegliche positiven Äußerungen über Homosexualität in Anwesenheit von Minderjährigen oder über Medien unter Strafe stellt. Homophobe Schläger mit nationalsozialistischer Gesinnung machen seitdem Jagd auf Schwule und Lesben - und die Polizei schaut zu. Wer es immer noch nicht mitbekommen hat, hier ein Video, das solche brutalen Übergriffe in viereinhalb Minuten zusammenfasst.

Deutschland will kein Zauderer mehr sein

Gegner eines Boykotts argumentieren mit den wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder, die durch einen Boykott gefährdet seien. Aber das darf nicht dazu führen, moralische Integrität über Bord zu werfen. Sie sagen, Protest könnten die Politiker ja schließlich auch vor Ort äußern. Aber wer heute von den Spielen wegbleibt, kann sich morgen immer noch mit Vertretern der Minderheit treffen. Medial wirksam wegbleiben plus medial wirksam hinfahren. Das sticht doppelt.

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Der Einzige, der zu den Spielen hin kann, ist der Minister, der zuständig ist für den Sport in Deutschland. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) fällt international kaum ins Gewicht, aber für die Unterstützung der Sportler spielt er eine bedeutende Rolle. Der Rest des Kabinetts hat gute Gründe, in Berlin zu bleiben.

Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) haben ja schon deutlich gemacht: Deutschland will nicht mehr der Zauderer sein. Dann kann die Bundesregierung ab heute in Sotschi schon mal damit anfangen.

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