Proteste in Hongkong: Mit dieser App organisieren sich die Demonstranten

Proteste in Hongkong: Mit dieser App organisieren sich die Demonstranten

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Die Demonstranten beginnen andere Technik zu nutzen.

von Nora Jakob und Thomas Kuhn

Die Demonstranten in Hongkong nutzen eine besondere App, um die Proteste zu organisieren und sich vor staatlicher Überwachung zu schützen. Die Technik geht auf die Anfänge des Internets zurück.

Sie demonstrieren für eine freie Wahl des neuen Regierungschefs 2017 - vor den großen Einkaufszentren der Stadt, vor den Bürogebäuden, lautstark und für alle Welt sichtbar. Das macht die chinesische Führung nervös.

Deshalb ließ China am Sonntag die Plattform Instagram und einige Suchbegriffe beim Twitter-Pendant Weibo sperren - zumindest in der Volksrepublik. Ein Zusammenhang zu den Studierendenprotesten in Hongkong liegt nahe, wurden doch über die Plattform unter den Hashtags #OccupyHK und #OccupyCentral Fotos veröffentlicht.

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Ein simpler Trick

Es ist allerdings nur noch eine Frage der Zeit, bis verschiedene Seiten auch in der Sonderverwaltungszone Hongkong nicht mehr zu erreichen sind. Denkbar ist vor allem das Abschalten des Mobilfunknetzes. Deshalb suchen sich die Demonstranten andere Wege und nutzen dafür einen simplen Trick: Statt über den normalen Mobilfunk tauschen sie Nachrichten über die App "FireChat" aus, die den Bluetooth-Kurzstreckenfunk nutzt - und der ist in fast allen Handys integriert.

Regionen, die China Probleme machen könnten

  • Taiwan

    Die Regierung in Taiwan beobachtet die Proteste in Hongkong sehr genau: Taiwans Präsident sagte in einem Interview mit Al Dschasira, dass er hoffe, dass China und Hongkong zu einer akzeptablen demokratischen Lösung finden werden. Seit 1949 hat sich in der Republik China eine Demokratie entwickelt; Peking betrachtet Taiwan bis heute als "untrennbaren Bestandteil" des eigenen Territoriums.

  • Hongkong

    Die Sonderverwaltungszone Hongkong gehört seit 1997 zu China. Bereits 2003 kam es zu Protesten, als Peking ein Gesetz einführen wollte, dass die Pressefreiheit abschaffen sollte und freie Religionsgruppen verboten hätte. Die Proteste nun treten für mehr Demokratie in Hongkong ein.

  • Macau

    Auch Macau ist eine Sonderverwaltungszone, in der es momentan allerdings noch relativ ruhig zu sein scheint. 2007 gab es da den letzten großen Aufstand. Damals gingen 2400 Arbeiter auf die Straße, die sich gegen Korruption einsetzen wollten.

  • Xinjiang

    Seit Jahren schon dauern die Auseinandersetzungen zwischen Bürgern und der Polizei in der Region Xinjiang schon an. Das Problem: Die Uiguren wehren sich gegen die Repressionen der chinesischen Regierung, die sie aufgrund ihrer Religion und ihrer Sprache diskriminieren.

Die Sendeleistung der Telefone reicht zwar nicht für Übertragungen, die über 60 Meter hinausgehen. Aber gerade in großen Menschenansammlungen wie Demonstrationen, wo Menschen nah beieinander stehen, ist sie sehr hilfreich. Hinzu kommt, dass sich dieser Radius mit jedem weiteren Gerät verlängert.

Damit greift FireChat auf den technischen Grundgedanken zurück, der schon bei der Konzeption des Internets selbst Pate stand: Dessen Entwickler hatten bei "Arpanet" in den Sechzigerjahren ein System vielfach verbundener Computer ohne zentralen Leitrechner geschaffen.

So wäre die Kommunikation auch im Kriegsfalle noch möglich gewesen, wenn einer oder mehrere Rechner ausgefallen wären. Genauso funktioniert heute auch FireChat. Während bei den meisten sozialen Netzwerken – von Twitter über Google+ bis Facebook – die Kommunikation zwischen einzelnen Nutzern immer über zentrale (und damit für Zensoren leicht zu blockierende) Austauschknoten verläuft, senden und empfangen FireChat-Teilnehmer Nachrichten über das gesamte Netzwerk.

Die Apps auf den Smartphones fungieren dabei fortlaufend als Relais-Stationen, die den Informationsfluss an andere Nutzer weiterleiten. Das funktioniert sogar, wenn einzelne Telefone gar keinen Online-Zugang haben, etwa weil der Funkempfang zu schlecht ist - oder auch, weil staatliche Zensoren den Online-Zugriff über die Mobilfunknetze unterbrochen haben. Das geschah beispielsweise während der Proteste in Kairo beim Arabischen Frühling vor gut zwei Jahren.

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