Proteste in Kairo: Verwirrung um Zahl der Opfer

Proteste in Kairo: Verwirrung um Zahl der Opfer

In Kairo sind nach Angaben der Muslimbrüder mehr als 70 Protestierende durch einen Angriff der Sicherheitskräfte getötet worden. Ein Sprecher der Muslimbrüder sagte, die Zahl der Opfer könne noch viel höher sein.

Im ägyptischen Programm des TV-Senders Al Dschasira hieß es, 120 Menschen seien bei dem Vorfall am Rande einer 24-Stunden-Wache von Mursi-Anhängern nahe einer Moschee getötet und etwa 4500 weitere verletzt worden. Der Sprecher der Muslimbrüder sagte weiter, die Sicherheitskräfte hätten gezielt auf Anhänger des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi geschossen. "Sie schießen nicht, um zu verletzen, sie schießen, um zu töten", sagte der Sprecher. Von den ägyptischen Behörden lagen zunächst keine Angaben zum Hergang vor.
Nach Angaben der Mursi nahestehenden Muslimbrüderschaft wurden Demonstranten in Kopf und Brust geschossen. Zunächst habe die Polizei in der Nacht mehrfach Tränengas eingesetzt. Dann hätten Sicherheitskräfte aus nächster Nähe auf Menschen geschossen, sagte El-Haddad. Reporter vor Ort sagten, auch Stunden nach Beginn der heftigen Unruhen seien noch Schüsse zu hören gewesen.

Aber die Angaben über die Zahl der Todesopfer ist widersprüchlich: Die amtliche Nachrichtenagentur MENA meldete allerdings nur zehn Tote und etwa 500 Verletzte. Opfer gab es auch in anderen Landesteilen. Offizielle Angaben über die Zahl der Toten gab es zunächst nicht.

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Bereits am Freitag war es zu erneuten Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis gekommen. Dabei hatte es neun Tote und 200 Verletzte gegeben. Die meisten Toten gab es in Alexandria, der zweitgrößten Stadt des Landes.

Machtkampf in Ägypten Countdown für Mohammed Mursi

Tag der Entscheidung: In Ägypten läuft das Ultimatum des Militärs ab. Präsident Mursi hält an seinem Posten fest. Derweil gehen die blutigen Proteste weiter. Auch in der Nacht gab es wieder Tote und unzählige Verletzte.

In einer TV-Ansprache an das ägyptische Volk pochte Mohammed Mursi auf sein Recht als demokratisch gewählter Präsident. Quelle: AP

Am Freitag waren im ganzen Land Hunderttausende dem Aufruf von Armeechef Abdel Fattah al-Sissi zu Demonstrationen gegen die Islamisten gefolgt, die ihrerseits in großer Zahl auf die Straße gingen. Angeheizt wurden die Proteste von dem Haftbefehl gegen den Islamisten Mursi, dem die Staatsanwaltschaft Mord an Soldaten und Zusammenarbeit mit der radikal-islamischen Hamas vorwirft. Das Militär hatte Mursi Anfang Juli nach Massenprotesten gegen dessen Politik der Islamisierung abgesetzt.

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