Publizist Löpfe: "Die Schweiz ist selbst schuld"

Publizist Löpfe: "Die Schweiz ist selbst schuld"

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Die Schweizer Flagge weht auf dem Dach der Schweizer Botschaft. Der Kauf der CD mit den Daten von deutschen Steuerhinterziehern hat für großen Aufruhr gesorgt.

von Daniel Schönwitz

Der Schweizer wirft seinem Land "mythische Verklärung" des Bankgeheimnisses vor. Letztlich habe es sich die Schweiz selbst zuzuschreiben, dass die Banken noch immer viele Kunden haben, die Steuern hinterziehen.

Die Schweiz ist wegen ihrer mythischen Verklärung des Bankgeheimnisses selbst dafür verantwortlich, dass viele Bankkunden Steuern hinterziehen und der internationale Druck auf die Schweiz wächst, ihr Bankgeheimnis zu lockern. Mit dieser Kritik an seinem Heimatland unterstützt der Schweizer Publizist und frühere Chefredakteur des Tages-Anzeigers, Philipp Löpfe, auch das Vorhaben von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, die umstrittene Daten-CD mit Finanzdaten deutscher Steuerhinterzieher zu kaufen.

„Ich kann nachvollziehen, dass Schäuble die Daten kaufen will“, sagte Löpfe der WirtschaftsWoche. „Und letztlich hat sich die Schweiz selbst zuzuschreiben, dass die Banken noch immer viele Kunden haben, die Steuern hinterziehen. Wir haben viel zu lange am strengen Bankgeheimnis festgehalten.“ Die Schweizer Regierung habe erst gehandelt, als der internationale Druck zu hoch wurde. „Es war doch schon lange absehbar, dass die Nachbarstaaten nicht ewig tatenlos zuschauen, wie Steuerhinterzieher ihr Geld in der Schweiz verstecken.“

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Grund für das Zögern der Schweiz sei, dass „das Bankgeheimnis mythisch verklärt wird“, so Löpfe. „Ich höre in den aktuellen Debatten immer wieder, es sei in den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts eingeführt worden, um jüdische Vermögen vor dem Zugriff der Nazis zu bewahren – also sozusagen aus humanitären Gründen. Das ist schlicht falsch.“ Von Anfang an habe das 1934 eingeführte Bankgeheimnis den Sinn gehabt, den Banken zu nutzen. „Ziel des Bankgeheimnisses war von Anfang an, einheimischen Banken einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen – und Bankkunden vor dem Fiskus zu schützen.“

Seinem Land rät Löpfe, das Bankgeheimnis aufzugeben. „Die Schweiz ist längst nicht mehr aufs Bankgeheimnis angewiesen. Statt Zeit damit zu verschwenden, ein unzeitgemäßes Instrument zu verteidigen, sollte die Regierung lieber die Vorzüge des Standortes in den Vordergrund der Debatte stellen. Davon gibt’s genug, etwa die politische Stabilität, die niedrigen Staatsschulden und das attraktive Steuersystem.“

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