Putins Ansprache im Kreml: Russlands Präsident sammelt sein Volk

AnalysePutins Ansprache im Kreml: Russlands Präsident sammelt sein Volk

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Wladimir Putin

von Florian Willershausen

Putin nutzt die Ansprache an sein Volk, um seine Syrien-Intervention als Kampf gegen den Terrorismus zu begründen. Die wirtschaftliche Krise zuhause begründet er auch mit der Instabilität der Welt. Eine Analyse.

Ganz in schwarz betritt Wladimir Putin am Donnerstagmittag den großen Kremlpalast. In den Tiefen des Georgssaals, unter dessen pompösen Kronleuchtern die russische Elite andächtig lauscht, finden die Worte des Staatschefs Widerhall wie in einer Kathedrale. Putins jährliche Ansprache wirkt nicht nur wie eine Trauerfeier – sie beginnt auch so: Der Präsident startet seinen Auftritt mit einer Gedenkminute an zwei Soldaten, die in Syrien gefallen sind.

Die Ansprache fällt in eine Zeit voller Sorgen: Die Wirtschaftskrise wütet und beschert den Russen zweistellige Einbußen bei Realeinkommen. In der Ukraine schwelt weiter der Krieg, und weil Moskau daran einen gehörigen Anteil hat, wird die EU wohl noch vor Weihnachten ihre Sanktionen um sechs Monate verlängern.

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Putin spricht...

  • über Krieg und Frieden

    „Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
    am 4.3. in einer Pressekonferenz

    „Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
    in einem am 01.09. bekanntgewordenen Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso

  • über Rüstung

    „Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
    am 10.09. in einer Pressekonferenz

  • über die Zukunft der Ostukraine

    „Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
    am 4. 3. in einer Pressekonferenz

    „Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
    am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

    „Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
    am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

  • über die Führung der Ukraine

    „In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
    am 18. 3. in der Rede an die Nation

    „Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
    am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

  • über den Westen

    „In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
    am 18.3. in der Rede an die Nation

    „Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
    am 18.3. in der Rede an die Nation

  • über Russen im Ausland

    „Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
    am 18.3. in der Rede an die Nation

    „Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
    am 18.3. in der Rede an die Nation

Und zu allem Übel ist der Terror nach Russland zurückgekehrt, seit der Kreml im Syrien-Krieg gegen Regimegegner und manchmal gegen den IS schießt: Der Bombenanschlag auf einen russischen Urlaubsflieger zeigt dies deutlich. Der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe wirkt auf viele Russen ebenso.

In solchen Zeiten ist wichtig, dass ein Volk zusammenhält – auch im Sinne innenpolitischer Stabilität. Zumal es beileibe nicht so ist, dass die Russen geschlossen hinter den Großmacht-Spielen des Kremls in Syrien stehen. Warum schickt der Kreml russische Soldaten in den Krieg in einer Region, die die meisten Russen lange auf der Karte suchen müssen?

Kampfjet-Abschuss In Syrien bleibt Krieg - mit und ohne Russland

Der Kreml zieht den Syrien-Krieg zusätzlich in die Länge. Der Abschuss eines Kampfjets durch türkische Truppen verstärkt die Tendenz noch. Aber ohne Moskau ist der Krieg nicht zu lösen. Eine Analyse.

Quelle: dpa

Es klingt wie eine historisch begründete Selbstverpflichtung: Russland habe „schon immer an vorderster Front“ gegen den internationalen Terrorismus gekämpft, sagt Putin. Es habe fast zehn Jahre gedauert, die Terroristen aus dem eigenen Land zu vertreiben. Und auch Syrien werde ein langer Krieg, sagt Putin. „Es ist schwer, ihn allein zu bekämpfen, wenn alle Grenzen offen sind.“ Dass der Kreml in Syrien vorwiegend Gegner des mit Moskau verbündeten Diktators Baschar al-Assad bombardiert, erwähnt Putin nicht.

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