Putsch in Burkina Faso: Präsident Compoaré will nicht zurücktreten

Putsch in Burkina Faso: Präsident Compoaré will nicht zurücktreten

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Demonstranten haben in Burkina Faso das Parlament gestürmt und drängen gewaltsam auf einen Machtwechsel

Er sorgte in einem der ärmsten Länder der Welt für relativ viel Stabilität. Nun demonstrieren Tausende dafür, dass Burkina Fasos Präsident Compaoré abdankt. In der Hauptstadt spielen sich dramatische Szenen ab.

Trotz der Rücktrittsforderungen gegen ihn und daraus resultierenden gewalttätigen Unruhen will Burkina Fasos Präsident Blaise Compoaré nicht als Staatsoberhaupt zurücktreten. Der Langzeitherrscher des westafrikanischen Staates erteilte dieser Forderung am Donnerstag eine Absage, wie er in einer im Fernsehen und Radio übertragenen Ansprache sagte. Stattdessen wolle er eine Übergangsregierung anführen, nachdem das derzeitige Kabinett sowie das Parlament aufgelöst worden waren.

Tausende stürmten das Parlament

Tausende waren am Donnerstag auf die Straßen der Hauptstadt Ouagadougou gegangen. Sie hatten unter anderem das Parlament gestürmt und es wie weitere Gebäude in Brand gesteckt. Die Demonstranten wollten mit dem Angriff verhindern, dass die Abgeordneten den Weg für eine fünfte Amtszeit Compaorés in Burkino Faso - einem der ärmsten Länder der Welt - frei machen. Dieser zog als Zugeständnis an die Demonstranten die Gesetzesvorlage über eine entsprechende Verfassungsänderung schließlich zurück.

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„Ich bin verfügbar für offene Diskussionen mit allen Parteien“, sagte Compoaré in der aufgezeichneten Ansprache. Demnach soll eine Übergangsregierung aus Vertretern aller Seiten bestehen und daran arbeiten, dass Wahlen innerhalb von zwölf Monaten stattfinden können. Es war am Freitag zunächst unklar, ob die Opposition diesem Vorschlag zustimmen wird.

Militär übernimmt Kontrolle

Generalstabschef Honoré Traoré berichtete am Donnerstag, das Militär habe die Kontrolle über Burkina Faso übernommen, während Regierung und Parlament aufgelöst worden seien. Zudem wurde zwischen 19.00 Uhr am Donnerstagabend und 6.00 Uhr am Freitagmorgen eine Ausgangssperre verhängt. Präsident Compaoré rief den Notstand aus, löste diesen in der Nacht zum Freitag aber wieder auf.

Mindestens eine Person kam nach Behördenangaben in dem Tumult ums Leben, die Büros des nationalen Fernsehsenders wurden geplündert. „Es ist vorbei für das Regime“ und „Wir wollen ihn nicht noch einmal“ skandierte die Menge. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Beteiligten zu einem Ende der Gewalt auf.

In dem westafrikanischen Staat, der unter Compaoré als vergleichsweise stabil galt, hatten sich die Spannungen in den vergangenen Monaten immer mehr aufgebaut. Die Demonstranten fordern, dass der Staatschef, der bei einem Putsch im Jahr 1987 die Macht übernahm und seitdem an der Macht ist, sein Amt abgibt. Für Compaoré sind es die massivsten Proteste, mit denen er sich je konfrontiert sah.

Lage gerät außer Kontrolle

Aus dem Parlamentsgebäude schlugen am Nachmittag Flammen. Viele Abgeordnete flüchteten in ein nahe gelegenes Hotel. „Ich war drinnen, als die Demonstranten hineinstürmten“, sagte der oppositionelle Abgeordnete Ablasse Ouedraogo. „Jetzt ist es schwierig zu sagen, was als Nächstes passiert. Aber die Lage ist außer Kontrolle und die Demonstranten hören auf niemanden.“ Auch Häuser von Ministern wurden attackiert und in Bobo Dioulasso, der zweitgrößten Stadt des Landes, kam es zu Plünderungen, wie Augenzeugen berichteten.

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Compaoré galt nach seiner Machtergreifung als Staatschef, der sich in der gesamten Region politisch betätigte - nicht immer zum Wohlgefallen der Nachbarstaaten. Der Präsident unterstützte den Rebellenführer und späteren Präsidenten Liberias, Charles Taylor, und wurde auch beschuldigt, Aufstände in der Elfenbeinküste und in Angola unterstützt zu haben. In den vergangen Jahren versuchte er aber auch, bei Wahlstreitigkeiten zu vermitteln und Geiselfreilassungen auszuhandeln.

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