Räumung von Protestlagern: ElBaradei tritt nach blutigen Unruhen als Vizepräsident zurück

Räumung von Protestlagern: ElBaradei tritt nach blutigen Unruhen als Vizepräsident zurück

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Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden bei Straßenkämpfen landesweit mindestens 95 Menschen getötet und 874 verletzt.

In Ägypten eskaliert die Gewalt nach der Räumung von zwei Protestlagern: Der Nobelpreisträger Mohammed ElBaradei hat nach den blutigen Unruhen in Ägypten sein Amt als Vizepräsident niedergelegt.

„Ich habe meinen Rücktritt eingereicht, weil ich nicht die Verantwortung für Entscheidungen, mit denen ich nicht einverstanden bin, tragen kann“, sagte er nach Angaben des Nachrichtensenders Al-Arabija. In Ägypten ist nach der Eskalation der Gewalt der Notstand ausgerufen worden. Dieser gelte im ganzen Land ab 16.00 Uhr für einen Monat, hieß es in einer am Mittwoch im Fernsehen verbreiteten Erklärung des Präsidenten. Die Armee wurde aufgefordert, das Innenministerium bei der Wiederherstellung der Sicherheit zu unterstützen. Die islamistischen Muslimbrüder hatten ihre Anhänger zu Protesten aufgerufen, nachdem das Militär die beiden Camps der Demonstranten in der Hauptstadt erstürmte. Armee und Polizei rückten im Morgengrauen mit einem Großaufgebot an. Sie setzten Tränengas ein, es wurde scharf geschossen. Bulldozer walzten unzählige Zelte auf dem Rabaa-al-Adawija-Platz im Nordosten der Hauptstadt nieder, wo Tausende Demonstranten seit sechs Wochen ausharrten und mit Mahnwachen und Sitzblockaden die Wiedereinsetzung Mursis gefordert hatten. Die EU und Deutschland mahnten zur Zurückhaltung. Die Türkei forderte die UN auf, sich in den Konflikt einzuschalten.
Internationale Vermittlungsbemühungen waren jüngst gescheitert. Immer wieder kam es in den vergangenen Wochen zu schweren Ausschreitungen seit der Entmachtung Mursis Anfang Juli durch das Militär. Mursi war im Juni 2012 als erster frei gewählter Präsident Ägyptens an die Macht gekommen. Gegner warfen ihm jedoch vor, gemeinsam mit den Muslimbrüdern eine Islamisierung des Landes voranzutreiben. Sie sahen die Ideale der Revolution von 2011 verraten, die zum Sturz des jahrzehntelangen Machthabers Husni Mubaraks geführt hatte. Gleichzeitig gelang es Mursi nicht, die Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen, was den Unmut in großen Teilen der Bevölkerung zusätzlich schürte.

42 Tote in Kairo Salafisten ziehen sich nach Blutbad aus Regierunsgbildung zurück

Noch immer sucht Ägypten nach einem Übergangspräsidenten. Doch nachdem zahlreiche Mursi-Anhänger erschossen worden sind, ziehen sich die radikalislamischen Salafisten aus den Gesprächen zur Zukunft Ägyptens zurück.

Verwirrspiel um ElBaradei (links im Bild): Jetzt ist seine Ernennung doch noch nicht erfolgt. Die Bildung einer neuen Regierung in Ägypten ist damit vorerst gescheitert. Zunächst hatte es geheißen, der Friedensnobelpreisträger werde eine Übergangsregierung leiten. Quelle: dpa

Binnen weniger Stunden griff die Gewalt auf zahlreiche andere Städte und Regionen über. Tote wurden unter anderem aus Suez und der südlich von Kairo gelegenen Provinz Fajum gemeldet. Zu den Opferzahlen in Kairo lagen unterschiedliche Angaben vor. Eine Krankenschwester sagte, in ihrer Klinik lägen 60 Leichen. Es sei damit zu rechnen, dass die Totenzahl noch steigen werde. Die meisten Opfer seien am Kopf oder in die Brust getroffen worden. Das Gesundheitsministerium erklärte, 13 Menschen seien bei dem Einsatz am Rabaa-Platz gestorben, darunter acht Zivilisten und fünf Polizisten. Der britische Fernsehsender SkyNews teilte mit, einer seiner Kameramänner sei in Kairo erschossen worden.

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