Raketentest: Machtprobe in Nordkorea erschreckt die Region

Raketentest: Machtprobe in Nordkorea erschreckt die Region

, aktualisiert 19. Dezember 2011, 16:40 Uhr
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Der Unbekannte: Kim Jong Un.

Quelle:Handelsblatt Online

Es wirkt wie eine Machtdemonstration: Kurz nach dem Tod des nordkoreanischen Diktators testet das Land eine Mittelstreckenrakete. Zeigt sein Sohn Kim Jong Un bereits Stärke - oder entbrennt gar ein Kampf um die Macht?

SeoulWenn es wirklich die erste Amtshandlung des designierten neuen Machthabers Kim Jong Un ist, dann lässt sie nichts Gutes hoffen: Nur wenige Stunden nach dem Tod seines Vaters Kim Jong Il erschrecken Berichte über den Abschuss einer nordkoreanischen Kurzstreckenrakete die Region. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter in Seoul berichtete, erfolgte der Start an der Ostküste zu Testzwecken.

Das südkoreanische Verteidigungsministerium wollte den  Bericht nicht kommentieren. Der Raketentest sei von Südkoreas Militär genau beobachtet worden, sagte der Regierungsvertreter in Seoul weiter. Offenbar versuche der Norden, die Waffe mittels Tests zu verbessern. Demnach hatte die Rakete eine geschätzte Reichweite von 120  Kilometern.

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Beobachtern fällt es aber schwer zu glauben, dass das zeitliche Zusammentreffen des Raketentests mit dem Tod des langjährigen Diktators ein Zufall ist. An den asiatischen Aktienmärkten hatte die Sorge vor einem Machtvakuum oder einem Streit an der Staatsspitze bereits für Unsicherheit gesorgt. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es in Nordkorea zu einem Machtkampf an der Spitze kommt“, sagte Nordkorea-Experte
Chung Young Tae vom südkoreanischen Institut für Nationale Wiedervereinigung. Damit könnte der Raketentest eine Demonstration des Stärke des designierten neuen Staatschefs Kim Jong Un sein.

Seine Altersgenossen in anderen Ländern verdienen sich ihre ersten beruflichen Sporen oder liegen in den letzten Zügen ihres Studiums. Bis ganz nach oben auf der Karriereleiter ist es noch ein langer, beschwerlicher Weg. Für Kim Jong Un gilt dies nicht: Der jüngste Sohn von Nordkoreas nun verstorbenem Staatschef Kim Jong Il ist Ende 20 und auf dem Sprung an die Spitze des kommunistisch geführten Staates. Nur wenige Stunden nach der Todesmeldung bezeichnete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA ihn als „großartigen Nachfolger“. Damit deutet alles daraufhin, dass die Geschicke Nordkoreas auch in dritter Generation vom Kim-Clan gelenkt werden.


Triumvirat an der Staatsspitze?

Über Kim Jong Un ist selbst für nordkoreanische Verhältnisse wenig bekannt - was auch ein Grund dafür war, dass die Länder in der Region und die Aktienmärkte weltweit am Montag mit großer Verunsicherung auf die Todesnachricht aus Nordkorea reagierten. Die Sorge ist groß, dass es zu einem Machtvakuum kommen könnte, in dessen Folge das Militär die Muskeln spielen lässt. Selbst das genaue Alter von Kim Jong Un ist unbekannt, er wird auf 27 Jahre geschätzt. Der Diktatorensohn soll in der Schweiz studiert haben, weshalb er neben Englisch angeblich auch Deutsch sprechen kann. Darüber hinaus verfügt er über eine große äußere Ähnlichkeit mit seinem Großvater und Staatsgründer Kim Il Sung, der von der nordkoreanischen Propaganda immer noch als „geliebter Führer“ bezeichnet wird. Kim Il Sung starb 1994, woraufhin dessen Sohn Kim Jong Il die Zügel in die Hand nahm.

Dass Kim Jong Ils jüngster Sohn in dessen Fußstapfen tritt, gilt seit langem als ausgemachte Sache. Seine Legitimation als Kronprinz ist allerdings nicht ganz unumstritten: Schließlich waren sein Vater und seine Mutter - die in Japan gebürtige Tänzerin Ko Young Hui - nie verheiratet. Doch im Korea des Kim-Clans gilt das wenig: „Die rechtmäßige Ehefrau erkennt einzig und allein der oberste Führer an, der über dem Gesetz steht“, beschreibt der Angehörige einer Geliebten Kim Jong Ils die Machtfülle des Staatsoberhaupts. Aus früheren Beziehungen hat der verstorbene Staatsführer noch zwei weitere Söhne. Der älteste Sohn Kim Jong Nam ist allerdings in Ungnade gefallen: Er lebt im Ausland und sprach sich im vergangenen Jahr gegen die Machtübergabe innerhalb der Familiendynastie aus. Dem dritten Sohn Kim Jong Chol wurde dagegen nachgesagt, Interesse an der Nachfolge seines Vaters zu haben.

Seit einem Schlaganfall 2008 galt der am Wochenende mit 69 Jahren verstorbene Kim Jong Il als geschwächt. Um seine Machtbasis zu erhalten und auszubauen, hievte er in den vergangenen Jahren ergebene Funktionäre in Schlüsselstellungen im einflussreichen Komitee für nationale Verteidigung. So machte er seinen Schwager Jang Song Theak im Juni zum Vizepräsidenten des Komitees und bedachte auch seine Schwester mit einflussreichen Posten. Auch deshalb wird spekuliert, dass beide zusammen mit dem vergleichsweise noch unerfahrenen Kim Jung Un eine Art Triumvirat an der Staatsspitze bilden könnten.

Experten zufolge verfügt der junge Kim aber auch allein über die Intelligenz und den Machtinstinkt, die ihn für die Spitze qualifizieren. Auch soll er über das erforderliche Maß an Skrupellosigkeit verfügen. Beobachter gehen deshalb davon aus, dass auch unter Kim Jung Un das Militär eine wichtige Rolle in der Politik spielen und Nordkorea sein umstrittenes Atom- und Raketenprogramm vorantreiben wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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