Ratingagenturen: So arbeitet Fitch - ein Analyst packt aus

Ratingagenturen: So arbeitet Fitch - ein Analyst packt aus

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Guido Bach, Ratinganalyst bei der Agentur Fitch in seinem Büro

Die Analysten der Ratingagenturen bringen Staaten in Finanznot und lassen weltweit die Börsen erzittern. Wer sind die Menschen, vor denen sich Anleger und Regierungschefs fürchten? Ein Analyst aus Frankfurt packt aus.

Guido Bach wirkt so gar nicht wie ein gefährlicher Mann, im Gegenteil: Mit seinen rötlichen Pausbacken und dem rheinischen Akzent kommt der 39-Jährige gemütlich und eher harmlos daher. Angst vor ihm sollten allenfalls Hirsche und anderes Wild haben, denen der Freizeitjäger am Wochenende mit der Flinte auflauert, begleitet von seinem schokobraunen Labrador. Aus Kalendern abgerissene Fotos künden an seinem ansonsten aseptisch aufgeräumten Arbeitsplatz von seinem Hobby.

Doch jetzt stehen Bach und seine Kollegen selbst unter Beschuss. Das liegt an ihrem Beruf als Ratinganalysten bei der Agentur Fitch. Bach ist zuständig für öffentliche Schuldner. Seit die mit der Bewertung der Kreditwürdigkeit betrauten Schuldenwächter einen Staat nach dem anderen herabstuften und die Agentur Standard & Poor’s (S&P) zuletzt auch den USA die Höchstnote entzog, reißen weltweit die Vorwürfe nicht ab. Die Ergebnisse der Analysten seien nicht nachvollziehbar, ihr Zustandekommen intransparent, die Folgen verheerend und die Agenturen ohnehin viel zu mächtig.

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Die großen Drei

Bach sitzt gelassen in seinem Frankfurter Büro und hält das alles für ziemlich grundloses Bohei. Auch wenn er sich gegenüber Unbekannten derzeit lieber als "analytisch arbeitenden Ökonomen" bezeichnet, macht er aus seiner Sicht einen Bürojob wie Millionen andere auch, erledigt ordentlich eine Aufgabe, für die er sich leidlich, aber nicht leidenschaftlich interessiert.

Wer Bach zuhört, vergisst schnell die Mythen über undurchschaubare Geheimzirkel, die in Hinterzimmern nach schwer verständlichen Modellen den Daumen über ganze Staaten senken. Trotzdem ist die Arbeit von Bach und seinen Kollegen nicht zu unterschätzen: Ihre Entscheidungen könnten zuweilen Beben auf den Finanzmärkten auslösen, die rund um die Welt zu spüren sind.

Drei große Agenturen haben das Geschäft unter sich aufgeteilt:

1909 gründete John Moody das New Yorker Unternehmen Moody’s, um Eisenbahnanleihen zu bewerten. Die Ratingagentur ist eine Aktiengesellschaft und damit selbst vom Klima an den Börsen abhängig. Die US-Investorenlegende Warren Buffett hält zwölf Prozent der Anteile.1913 gründete der Geschäftsmann John Knowles Fitch die nach ihm benannte Agentur. In den Achtzigerjahren stotterten die Geschäfte, Fitch wurde neu strukturiert und 1997 mit dem Londoner Unternehmen IBCA zusammengeführt. Die Fäden zog der französische Milliardär Marc Ladreit de Lacharrière, der über seine Pariser Holding Fimalac die US-Agentur kaufte und noch heute 88 Prozent der Stimmrechte besitzt.

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