"Rauchen ist schlimmer als Smog“ : Chinas Kampf gegen Zigaretten

"Rauchen ist schlimmer als Smog“ : Chinas Kampf gegen Zigaretten

China hat dem Smog den Krieg erklärt. Aber Rauchen könnte noch gesundheitsschädlicher sein. Getrieben von der WHO geht Peking nun gegen das Laster vor. Höhere Steuern sind das jüngste Mittel der Kampagne.

Es wird gelacht und viel geraucht. Das Lokal in der Pekinger Innenstadt wird von dichtem Qualm durchflutet. Männer haben sich in der stickigen Luft die Unterhemden bis unter die Achselhöhlen hochgerollt. Auf kleinen Plastikhockern sitzen sie um die Tische. Auf unzähligen Tellern türmen sich Essensberge. Zu einem gelungenen Abend gehören für die waschechten Pekinger blanke Bäuche, viel Bier und natürlich reichlich Zigaretten. Aber Pekinger Funktionäre wollen nun den Bürgern ihr giftiges Laster austreiben.

Der Kampf gegen die Glimmstängel ist älter als die Kommunistische Partei in China. Aber angetrieben von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) soll die Kampagne gegen die gesundheitsschädliche Gewohnheit dieses Mal zum Erfolg geführt werden. Der Pekinger WHO-Chef Bernhard Schwartländer gehört zu den schärfsten Kritikern der Zigarettenkultur.

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Schwartländer packt die Pekinger Politiker bei einem zentralen Thema ihrer politischen Agenda: dem Kampf gegen die Umweltverschmutzung. Premier Li Keqiang hatte einen Krieg gegen den gesundheitsschädlichen Feinstaub ausgerufen. „Rauchen ist schlimmer als Smog“, sagt Schwartländer und rechnet vor: An schlimmen Tagen liege der gefährliche Feinstaub, der kleiner als 2,5 Mikrometer (PM 2,5) ist, in Peking bei etwa 500 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Mit fünf Rauchern in einem Raum liege der Wert schnell bei 1200 Mikrogramm und mit 20 Rauchern sogar bei 5000 Mikrogramm.

In vielen öffentlichen Gebäuden Pekings ist Rauchen bereits verboten. Auch in Gaststätten herrscht eigentlich ein Rauchverbot. Aber das stört viele Raucher wenig. Deshalb haben sich die Beamten der Zentralregierung eine neue Maßnahme vom Ausland abgeschaut: höhere Steuern. Nun wurden die Steuern auf Zigaretten von fünf auf elf Prozent mehr als verdoppelt. Das soll die riesige Zahl von derzeit 300 Millionen Rauchern reduzieren.

Gleichzeitig hoffen die Behörden auf weniger Gesundheitskosten. Denn die Behandlung von Rauchern geht ins Geld. Jedes Jahr sterben in China 2,2 Millionen Männer und Frauen an Krebs. Diese Zahl ließe sich laut WHO deutlich reduzieren. „Mit dem Rauchen aufzuhören, ist der beste Schritt zu einem gesünderen Leben“, sagt Schwartländer.

Ob mahnende Worte und höhere Steuern reichen, um hartgesottenen Rauchern ihr Laster abzugewöhnen, bleibt abzuwarten. Zigaretten gehören zu den beliebtesten Geschenken in China. Bei traditionellen Hochzeiten muss das Brautpaar oft jedem Gast Zigaretten zustecken. Manche chinesische Forscher behaupten sogar, die Fluppe sei in China erfunden worden, und erheben die Glimmstängel zum Kulturgut.

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