Reaktion auf Cyberangriff: USA verhängen Sanktionen gegen Nordkorea

Reaktion auf Cyberangriff: USA verhängen Sanktionen gegen Nordkorea

Die USA machen ihre Drohung wahr und belegen Nordkorea wegen der jüngsten Cyberattacke auf Sony mit Strafen. Doch nicht wenige fragen sich, was das bringen soll: Das Land ächzt bereits unter massiven Sanktionen.

Die USA haben Nordkorea wegen der Cyberattacke auf die Filmproduktionsfirma Sony Pictures Entertainment mit Sanktionen belegt. Präsident Barack Obama unterzeichnete am Freitag eine Anordnung, die drei nordkoreanischen Institutionen den Zugang zum US-Finanzsystem verweigert. Ins Visier genommen wurden zudem zehn Vertreter der kommunistischen Führung in Pjöngjang. Die Maßnahmen sei nur der Anfang der US-Reaktion, warnte das Weiße Haus in einer Mitteilung.

Das FBI hat Nordkorea als Drahtzieher eines Hackerangriffs auf Sony ausgemacht, bei dem Zehntausende vertrauliche Emails und Dokumente der Firma publik wurden. In der Folge gab es Terrordrohungen gegen US-Kinos, die die Sonys-Satire über ein fiktives Attentat auf den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zeigen wollten. Der Film wurde schließlich zurückgezogen, kam aber nach massiver Kritik doch in mehreren Hundert unabhängigen US-Kinos auf die Leinwand. Nordkorea wies eine Verwicklung in den Fall zurück, hatte aber erbost auf „The Interview“ reagiert.

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Noch nie zuvor haben die USA als direkte Vergeltung für Cyberattacken eines anderen Landes Sanktionen verhängt. Doch zweifelten Beobachter an Sinn und Wirksamkeit der jüngsten Maßnahmen, da Nordkorea wegen seines Atomprogramms bereits unter massiven Wirtschaftssanktionen ächzt. Die US-Regierung bezeichneten ihr Vorgehen trotzdem als prompte und entschiedene Antwort auf ein Verhalten, das eine Linie überschritten habe.

„Die Anordnung zielt nicht auf das nordkoreanische Volk, sondern ist gegen die Regierung Nordkoreas und deren Aktivitäten gerichtet, die die Vereinigten Staaten und andere bedrohen“, schrieb Obama in einem Brief an beide Kammern des Kongresses in Washington.

Fünf spannende Fakten über Nordkorea

  • Wirtschaft

    Nordkorea produziere kaum wettbewerbsfähige Güter. Außerdem herrsche ein Mangel an Devisen und somit auch Investitionsgütern. Die Infrastruktur ist marode, zahlreiche Industrieanlagen sind seit Jahren nicht mehr in Betrieb, schreibt das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite. Allerdings entstanden unter Kim Jong Un 13 neue Sonderwirtschaftszonen.

  • Innenpolitik

    Das Land ist streng zentralistisch organisiert und betreibt einen intensiven Personenkult, um mittlerweile drei Führer. Nordkorea wurde 1948 gegründet, und verfügt formal über Verfassungsorgane wie Parlament, Gerichtsbarkeit und Regierung. Allerdings übt vor allem ein übermächtiger Führer mit einem kleinen Kreis an Vertrauten die Macht aus.

  • Medien, Internet, Handy

    Die Medien sind durchgängig staatlich kontrolliert. Die meisten Nordkoreaner haben keine Möglichkeit auf Internet zuzugreifen, teilweise wissen sie nicht einmal, was es ist. Von den knapp 25 Millionen Nordkoreaner haben gerade mal eine Million Menschen ein Handy: Es gibt lediglich einen einzigen Mobilfunkbetreiber, der zwar ein 3G-Netz anbietet, aber keine Datendienste.

  • Menschenrechte

    Anfang 2014 stellten die Vereinten Nationen einen Bericht über Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Nordkorea vor. Darin heißt es: Nordkorea ist ein totalitärer Staat, in dem als politisch unzuverlässig eingestufte Menschen systematisch ermordet oder als Arbeitssklaven missbraucht werden.

  • Beziehungen zwischen Deutschland und Nordkorea

    Grundsätzlich bestehen zwischen Nordkorea und Deutschland politische Beziehungen, diese sind allerdings auch durch die von der EU und der UN verhängten Sanktionen belastet. Für die ehemalige DDR war Nordkorea einer der wichtigsten Partner des Landes im Ostblock.

Die Maßnahmen zielen auf die staatliche nordkoreanische Berbau-, Entwicklungs- und Handelsgesellschaft, die mit Waffen handelt und Ausrüstungen für ballistische Raketen und konventionelle Waffen exportiert. Betroffen sind auch die Handelsgesellschaft Tangun, die Technologien für Nordkoreas Militärforschung besorgt, sowie das Allgemeine Erkundungsamt, die wichtigste Geheimdienstorganisation des Landes. Diese organisiert auch die digitale Kriegführung Nordkoreas.

Die zehn sanktionierten Nordkoreaner müssen nicht unbedingt etwas mit dem Cyberangriff auf Sony zu tun gehabt haben, wie ranghohe US-Beamte später klarstellten. Vielmehr sei jeder, der für die Regierung in Pjöngjang arbeite oder sie unterstütze, Freiwild. Das gelte vor allem für Funktionäre im Verteidigungs- und Geheimdienstsektor des Landes.

Die US-Strafmaßnahmen treffen unter anderen Nordkoreaner, die die Interessen ihres Landes im Iran, Russland und Syrien vertreten. Ihre Vermögenswerte in den USA werden eingefroren, der Zugang zum amerikanischen Finanzsystem wird ihnen verwehrt. US-Bürger dürften keine Geschäfte mit ihnen machen, hieß es aus dem Finanzministerium.

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Vor Reportern bekräftigten US-Regierungsvertreter noch einmal die Vorwürfe gegen Nordkorea. Damit reagierten sie auf Einwände vieler Internetexperten, die es für möglich halten, dass gewöhnliche Hacker oder sogar Sony-Insider für die Attacke auf die Produktionsfirma verantwortlich sein könnten.

Anders als unabhängige Fachleute habe das FBI bei seinen Ermittlungen Zugriff auf geheime Informationen, hielten die US-Beamten dagegen. „Wir stehen fest hinter unserer Aussage, dass die Demokratische Volksrepublik Nordkorea hinter den Attacken auf Sony steckt.“

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