Rede im Kreml: Putin wirft Westen Abkehr von konservativen Werten vor

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Rede im Kreml: Putin wirft Westen Abkehr von konservativen Werten vor

Am 20. Jahrestag der russischen Verfassung präsentiert Präsident Putin das Riesenreich als Verteidiger traditioneller Werte. Die Ansprache passt zum umstrittenen Verbot von Homosexuellen-Propaganda.

Kremlchef Wladimir Putin hat dem Westen vorgeworfen, mit seiner Abkehr von traditionellen Werten Stabilität und Frieden in der Gesellschaft zu gefährden. In vielen Ländern werde von den Menschen heute verlangt, „Gut und Böse“ als gleichberechtigt anzuerkennen, kritisierte der 61-Jährige bei seiner Rede an die Nation im Großen Kremlpalast am Donnerstag. Die Zerstörung etwa von Familienwerten führe zu „negativen Folgen“ in der Gesellschaft. Putin hatte in diesem Jahr unter anderem per Gesetz verbieten lassen, in Gegenwart von Minderjährigen positiv über Homosexualität zu sprechen.
„Wir wissen, dass es in der Welt immer mehr Menschen gibt, die unsere Position beim Schutz traditioneller Werte unterstützen“, sagte Putin vor rund 1100 Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion. Patriarch Kirill von der russisch-orthodoxen Kirche verfolgte die rund 70 Minuten lange Rede in der ersten Reihe. Vertreter anderer Glaubensrichtungen saßen weiter hinten.

Zahlen und Fakten zu Russland

  • Fläche

    Russland ist mit einer Fläche von 17.075.400 km² das größte Land der Erde.

  • Einwohner

    Mit 141,85 Millionen Einwohnern liegt Russland auf Rang 9. Durch die Größe des Landes ergibt sich allerdings eine sehr dünne Besiedlung. Auf einem Quadratkilometer leben umgerechnet nur 8,3 Menschen.

  • Hauptstadt

    Die Hauptstadt Russlands ist Moskau (Moskwa). Mit 11.514.300 Einwohnern ist Moskau die mit Abstand bevölkerungsreichste Stadt Russlands.

  • Bruttoinlandsprodukt

    Das Bruttoinlandsprodukt lag im Jahr 2010 bei 1.480 Milliarden US-$. 59 Prozent der Leistung erwirtschaftet der Dienstleistungs-Sektor, 37 Prozent die Industrie, vier Prozent am BIP steuert die Landwirtschaft bei. Der reale Zuwachs lag im vergangenen Jahr bei 4,0 Prozent.

  • Import und Export

    Russland importierte 2010 Waren im Wert von 229 Milliarden US-Dollar. Den größten Anteil haben die chemische Erzeugnisse (14 Prozent). Der Export lag bei 396 Milliarden US-Dollar. Größter Exportschlager sind Erdöl und -produkte, Erdgas und Kohle.

  • Verwaltung

    Russland ist in acht Föderationsgebiete mit insgesamt 83 Territorialeinheiten eingeteilt. Diese gliedern sich auf in 21 Republiken, neun Regionen, 46 Gebieten, einem autonomen Gebiet, vier autonomen Kreisen sowie zwei Städten mit Subjekt-Status (Moskau und St. Petersburg).

  • Religion

    Russland ist größtenteils christlich geprägt, über 70 Prozent der Einwohner sind orthodoxe Christen, 14 Prozent Muslime, 1,4 Prozent Protestanten, 0,6 Prozent Katholiken sowie 0,5 Prozent Juden.

Russland habe heute eine „historische Verantwortung“, die jahrtausendealten Grundlagen menschlichen Zusammenlebens in der Welt zu verteidigen. „Natürlich ist das eine konservative Position“, betonte Putin. Doch könne so Chaos verhindert werden. „In vielen Ländern werden heute die Normen von Moral und Sittlichkeit umgekrempelt, nationale Traditionen und die Unterschiede zwischen den Nationen und Kulturen verwaschen“, beklagte der Präsident. Kommentatoren kritisierten Putins inzwischen zehnte Programmrede an die Nation als Ansprache voller unverbindlicher Worte. Es fehlten konkrete Impulse und Ziele für seine bis 2018 dauernde dritte Amtszeit. Zudem bemängelten sie, dass sich viele Themen wiederholten, ohne dass sich das Riesenreich insgesamt weiterentwickle.

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Putin betonte, dass sich das Land nach Jahren der wirtschaftlichen Stabilisierung nun wieder auf seine Werte besinnen müsse: auf gegenseitige Verantwortung und Mitgefühl. „Wir waren immer stolz auf unser Land - wir streben aber nicht an, eine Supermacht zu sein, die etwa Anspruch auf Weltherrschaft erhebt“, sagte der Kremlchef.
Der krisengeschüttelten Ukraine bot Putin „Partnerschaft“ an. Er lud das Land erneut ein, sich der von Russland angeführten Zollunion anzuschließen. „Wir zwingen niemandem etwas auf. Aber wenn unsere Freunde den Wunsch zur gemeinsamen Arbeit haben, sind wir bereit.“
Zudem forderte Putin die Nato zur Aufgabe ihrer Pläne für einen Raketenschild in Europa auf. Nach der Einigung im Atomstreit mit dem Iran entfalle das wichtigste Argument für das Abwehrsystem. Moskau lehnt den Schutzschild als Bedrohung für seine Sicherheit ab.

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