Reichtumsentwicklung in China: Vermögen in der Schinkenwurst versteckt

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Reichtumsentwicklung in China: Vermögen in der Schinkenwurst versteckt

von Nora Jakob

Chinas Präsident Xi Jinping persönlich hat der Korruption den Kampf angesagt. Deshalb verstecken Funktionäre ihr Schmiergeld teils abenteuerlich oder geben es für geschmacklose Dinge aus.

Das chinesische Wort "Tuhao" steht für die neureichen Chinesen, die mehr Geld als Geschmack haben und es für unnötige Dinge ausgeben. Frei nach dem Motto: "Je auffälliger desto besser": Goldene Armsessel mit einer Adlerfigur, pinkfarbene Porsche oder tief ausgeschnittene Glitzerkleidchen - keines der protzigen Güter ist den Chinesen mit Geld zu teuer und damit haben sie einen Begriff geprägt, den das Oxford English Dictionary erwägt in die Ausgabe 2014 aufzunehmen. Dem aktuellen Reichtumsbericht der Credit Suisse zufolge ist der Vermögensbestand in der Volksrepublik seit 2000 um 350 Prozent gestiegen. In den folgenden fünf Jahren, so prophezeien es die Experten, wird Asien reicher sein als Nordamerika. In China übersteigt die Zahl der Millionäre bereits eine Million, 2005 gab es im ganzen Land lediglich zwei Milliardäre. Viel Geld in kurzer Zeit in den Händen der Neureichen, die ihren Reichtum auch zeigen möchten. Der Aufstieg, schreibt das Handelsblatt, von einem armen Entwicklungsland zur Nummer zwei der Reichen-Rangliste habe sich innerhalb von nur einer Generation vollzogen. Die Folge: Weder Kultur noch Lebensart hatten Zeit da mitzuhalten. Mittlerweile gibt es in China über 70 Milliardäre - Tendenz steigend. Die schlimmsten Tuhao, was ursprünglich Großgrundbesitzer bedeutete, sollen übrigens aus der Provinz kommen. Ihr Geld haben sie als Inhaber einer Kohlegrube oder als Chef eines staatlichen Bauunternehmens gemacht. Benehmen sucht man vergeblich: Es zählt nichts anderes als: Hauptsache teuer.

Während die Menschen ihr Geld ausgeben, hatte der chinesische Präsident Xi Jinping mit Beginn seiner Amtszeit im vergangenen März der Korruption den Kampf angesagt: Er gefährde den Fortbestand der Kommunistischen Partei China, und deshalb müsse gegen Verstöße auf allen Hierarchieebenen dagegen vorgegangen werden. 36.907 Personen wurden zwischen Januar und November 2013 verurteilt - einige hatten zuvor noch, auf teils abenteuerliche Art und Weise versucht, ihr Geld zu verstecken, etwa in einer ausgehöhlten großen Schinkenwurst, die in einem Tiefkühlfach versteckt war oder im doppelten Innenbauch einer noch funktionstüchtigen Propangasflasche. Aufgefallen wäre das den Kontrolleuren nicht, hätte ein Verwandter ihn damals nicht verraten.

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Prominentester Fall ist der des Politikstars Bo Xilai, der mittlerweile eine lebenslange Haftstrafe wegen Bestechlichkeit und Amtsmissbrauch verbüßt. Fünf Jahre lang war er Parteichef der 28-Millionen-Einwohner-Stadt Chongqing und kämpfte dort gegen Korruption. Bis er von der Staatsanwaltschaft aus den selben Gründen angeklagt wurde: Sie warf dem ehemaligen Politbüromitglied „Bestechlichkeit, Unterschlagung und Machtmissbrauch“ vor. Er habe Bestechungsgelder in Höhe von 20,44 Millionen Yuan (2,4 Millionen Euro) angenommen, meldete die Staatsagentur Xinhua damals. Auslöser des Polit-Thrillers waren Enthüllungen seines engen Vertrauten und Polizeichefs Wang Lijun über den Mord seiner Frau Gu Kailai an dem befreundeten britischen Geschäftsmann Neil Heywood. Sie war bereits im August 2012 zu einer Todesstrafe auf Bewährung verurteilt worden, was meist in lebenslange Haft umgewandelt wird.

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