Republikanische Partei: Wer Trump vom Thron stoßen könnte

Republikanische Partei: Wer Trump vom Thron stoßen könnte

, aktualisiert 02. September 2017, 11:29 Uhr
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Noch am Tag seines Amtsantritts unterzeichnete der US-Präsident die Unterlagen für eine erneute Kandidatur im Jahr 2020 – Slogan der neuen Kampagne: „Keep America great!“

Quelle:Handelsblatt Online

In Reihen der US-Republikaner wird zunehmend über einen parteiinternen Herausforderer von Donald Trump bei den Vorwahlen zur Präsidentschaft 2020 spekuliert. Die Hürden, den Amtsinhaber auszubooten, sind hoch.

New YorkSeinen Hut in den Ring werfen will Mark Cuban nicht. Noch nicht zumindest. Der Milliardär aus Texas, der sich politisch als „entschlossen unabhängig“ positioniert, bringt sich nicht als Herausforderer gegen Donald Trump in Stellung. Aber er setzt auf die Möglichkeit, dass der bei den nächsten parteiinternen Vorwahlen zur Präsidentschaft 2020 vom Spitzenplatz der Republikaner verdrängt werden kann.

„Seine Basis wird sich nicht gegen ihn mobilisieren“, erklärt Cuban im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. „Aber wenn es jemanden gibt, mit dem sie gut auskommen und dem sie vertrauen, dann könnten sie sich von ihm abwenden“, sagt er über die Anhängerschaft Trumps. Die Tür könne aufgestoßen werden. Frage sei nur, wer sich so gegen eine zweite Amtszeit Trumps stelle.

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Sieben Monate nach seinem Amtsantritt ist der US-Präsident in Umfragen abgesackt. Laut einer Gallup-Erhebung von Mitte August waren nur noch rund 34 Prozent der erwachsenen Amerikaner mit Trump einverstanden. Unter den Republikanern waren es 79 Prozent. Beides sind Rekordtiefs für Trump.

Zudem teilt der Präsident weiter kräftig gegen Parteikollegen aus, die ihm gegen den Strich gehen. Und zuletzt gaben Trumps Äußerungen zu den Protesten von Charlottesville vielen zu denken: Dass ihr Präsident bei dem Aufmarsch von nationalistischen Rechten inklusive Neonazis und Anhängern des Ku-Klux-Klans, die Gegendemonstranten gegenüberstanden, von „sehr feinen Menschen“ auf beiden Seiten sprach, mache etwa Republikanern in New Hampshire Sorgen, sagt der republikanische Politikstratege Tom Rath.

„Der Präsident hat zwar die Unterstützung seiner Leute, aber die Partei an sich ist nicht mit ihm verheiratet“, betont Rath. New Hampshire gehört traditionell zu den Auftakt-Staaten der Vorauswahl für die Präsidentschaftskandidatur.

Noch nie seit 1852 - damals traf es Franklin Pierce - wurde ein ins Weiße Haus gewählter amtierender Präsident von einem Gegenkandidaten aus seiner eigenen Partei entmachtet. Dass seine Republikaner Trump eine zweite Amtszeit verwehren, bezeichnen manche denn auch als Utopie, andere zumindest als Herkulesaufgabe. Dennoch denken Parteimitglieder und nach rechts tendierende Unabhängige inzwischen laut über des einst Undenkbare nach.


Trump spaltet Land und Partei

Es sei noch „zu früh, um sagen zu können“, ob Trump 2020 Präsidentschaftskandidat der Republikaner sein werde, ließ etwa die Senatorin Susan Collins aus Maine am Montag vergangener Woche verlauten. Am Mittwoch erklärte Senator Jeff Flake aus Arizona, Trumps spaltender Regierungsstil rufe geradezu nach einer Herausforderung bei den Vorwahlen. Und am Donnerstagabend kritisierte Exsenator John Danforth aus Missouri Trump in der „Washington Post“ als „am stärksten spaltende Präsident in unserer Geschichte“.

Die Liste möglicher Herausforderer bleibt indes überschaubar. Der Gouverneur von Ohio, John Kasich, der schon 2016 angetreten war, hat einen weiteren Anlauf 2020 nicht ausgeschlossen. Im Gespräch sind weiter Senator Ben Sasse aus Nebraska und eine Handvoll wohlhabender Interessenten von außerhalb, wie Mark Cuban.

Auch der Wrestler und Schauspieler Dwayne „The Rock“ Johnson erhält Zuspruch, sich in Stellung zu bringen. Einst Republikaner, jetzt Unabhängiger, ist „The Rock“ von Trump enttäuscht. Er wünschte sich „eine bessere Führung“, verriet er im Mai dem Magazin „Vanity Fair“.

Die Reaktion des Präsidenten auf die Proteste von Charlottesville, bei denen ein mutmaßlicher Neonazi in eine Gruppe von Gegendemonstranten fuhr und dabei eine Frau tötete und mehrere Menschen verletzte, sei für so manchen mit Blick auf 2020 ein Wendepunkt gewesen, sagt der Politikberater Kenton Tilford aus West Virginia. Trump sei angreifbar geworden.

Die Hürden sind jedoch hoch. Einerseits halten die überzeugtesten Anhänger nach Aussagen von Beobachtern loyal zum Amtsinhaber. Zudem sind wichtige Gremien wie das Republican National Committee (RNC), das für die Nominierungsregeln zuständig ist, mit Trump-Leuten besetzt. Er habe noch nichts von einer ernsthaften Herausforderung bei den ersten Vorwahlen gehört, sagt RNC-Mitglied Steve Duprey aus New Hampshire. Und wenn schon, ergänzt RNC-Vertreterin Tamara Scott aus Iowa: „Ich stehe fest hinter meinem Präsidenten.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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