Reserven deutlich höher: Öl ist real so billig wie 1981

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Reserven deutlich höher: Öl ist real so billig wie 1981

Aus dem Preisverfall der vergangenen Monate zieht die Ölindustrie eine Lehre: Öl ist nur scheinbar knapp, tatsächlich aber reichlich vorhanden.

Nach dem Preissturz im zweiten Halbjahr 2014 ist Öl in Deutschland so billig wie seit 1981 nicht mehr, wenn die Geldentwertung einberechnet wird. Das teilte der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) am Freitag in Berlin mit. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent habe im Durchschnitt des vergangenen Jahres 73,79 Euro gekostet und damit real weniger als 1981 mit 79,60 Euro. Zum Jahresende 2014 sei der Preis auf 49 Euro gefallen.

Der Verfall des Ölpreises kommt beim Verbraucher an

  • Warum werden Benzin und Diesel plötzlich billiger

    Das liegt im wesentlichen am Preisrutsch für Rohöl. Der Ölpreis hat sich jahrelang weitgehend in einem Preisband zwischen 100 und 115 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent bewegt. Diesen Korridor hat der Preis Anfang September verlassen und ist im Oktober nochmals kräftig abgestürzt, auf nur noch 85 Dollar. Die subjektive Wahrnehmung der Autofahrer, dass Benzin und Diesel immer teurer werden, wird von den Daten seit 2012 nicht mehr gedeckt.

  • Wie konnte es zu dem Preisrückgang beim Rohöl kommen?

    Auf der Angebotsseite ist reichlich Öl vorhanden. „Die Reaktion der Produzenten lässt auf sich warten“, sagt der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold. Saudi-Arabien, das innerhalb des Opec-Kartells sonst die Feinsteuerung des Marktes übernommen hat, will nicht allein seine Produktion kürzen. Dahinter steht ein Kampf um Marktanteile in Asien, wo für die Opec-Staaten die einzig wachsenden Absatzmärkte für ihr Öl liegen. Die Nachfrage nach Öl verläuft wegen der verhaltenen Weltkonjunktur zudem flau und kann den Preis nicht stützen.

  • Werden wegen des niedrigen Ölpreises nun Ölförderanlagen abgestellt?

    Das ist mittelfristig denkbar, geht aber nicht so schnell. Manche Förderanlagen könnten unrentabel werden, wenn der Ölpreis noch weiter fällt und dauerhaft niedrig bleibt. Ob es dazu kommt, ist noch nicht absehbar. Zudem bekommen viele Förderländer - auch Russland - bei einem Ölpreis deutlich unter 100 Dollar ein Problem mit der Finanzierung ihres Staatshaushalts. Bislang allerdings liegt der durchschnittliche Ölpreis für 2014 immer noch bei 106 Dollar, nach 109 im Vorjahr. Das ist für die Ölländer noch kein schlechtes Jahr.

  • Ist der gesunkene Rohölpreis voll bei den Endverbrauchern angekommen?

    Nach dem Energiepreis-Monitor der European Climate Foundation sind die Preise für Energierohstoffe währungsbereinigt im September um 1,2 Prozent gefallen und gleichzeitig die Verbraucherpreise für Kraft- und Schmierstoffe um 0,4 Prozent gestiegen. Anders als in Frankreich und Italien. „Ein Teil des Anstiegs ist nur so zu erklären, dass fallende Rohstoffpreise nicht eins zu eins auf Verbraucherebene weitergegeben wurden“, heißt es in der Mitteilung der Stiftung. Die Branche bestreitet das: „Der harte Wettbewerb der Tankstellen in Deutschland sorgt dafür, dass der gesunkene Ölpreis über niedrigere Benzin- und Dieselpreise auch bei den Verbrauchern ankommt“, sagte ein Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Berlin.

  • Werden Ölprodukte in der nächsten Zeit noch billiger?

    Das kann niemand sagen. Schon bislang ist der Preisrückgang gebremst worden, weil der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verloren hat. Für einen Euro bekommt ein Ölimporteur nur noch 1,28 Dollar, das sind 10 Cent weniger als vor ein paar Monaten. Deshalb braucht er mehr Euro, um die gleiche Menge Dollar für den Ölkauf aufzubringen. Fällt der Euro noch weiter, ist das schlecht für den Autofahrer. Der Ölpreis selbst hat nach unten vielleicht weniger Luft als nach oben. Gibt die Opec bei ihrer nächsten Sitzung im November ein klares Signal, dann kann der Preis auch schnell wieder in den alten Preiskorridor oberhalb von 100 Dollar zurückkehren, meint Ölexperte Bukold.

„Damit sind die Prognosen widerlegt, wonach der Rohstoff Öl immer knapper und teurer werden muss“, sagte MWV-Hauptgeschäftsführer Klaus Picard. Die bestätigten Ölreserven seien seit dem Jahr 2000 um 70 Prozent auf 240 Milliarden Tonnen gestiegen. Grund sei der technische Fortschritt sowohl beim Auffinden als auch bei der Förderung aus zuvor schwer erschließbaren Ölfeldern. „Öl ist reichlich vorhanden. Das hohe Angebot hat dazu geführt, dass Öl inflationsbereinigt nicht mehr kostet als vor drei Jahrzehnten“, sagte Picard.

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Quelle: Getty Images

Noch deutlich niedriger waren die Ölpreise zwischenzeitlich allerdings in den späten 80er und in den 90er Jahren. Damals schwankte der Preis real zwischen 20 und 30 Euro.

Öl blieb auch im Jahr 2014 der wichtigste Energieträger in Deutschland. Der Öl-Anteil am Primärenergieverbrauch erhöhte sich sogar von 33,7 auf 35,0 Prozent.

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Der Energieverbrauch ist insgesamt - auch wegen des milden Winters - um 4,8 Prozent auf 446,5 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten (SKE) zurückgegangen. Das sei der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung, meldete die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen.

Der Ölverbrauch ging jedoch nur um 1,3 Prozent auf 156,2 Millionen Tonnen SKE zurück. Der Absatz von Kraftstoffen stieg um vier Prozent beim Diesel und zwei Prozent beim Benzin. Das sei zu erklären mit einem hohen Dieselkonsum im Transportgewerbe sowie zunehmender Nachfrage von privaten Autofahrern in den letzten Monaten des Jahres, als die Preise schon niedrig waren.

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