Rex Teillerson beim G20-Außenministertreffen: Ist er ein „Putin-Versteher“?

Rex Teillerson beim G20-Außenministertreffen: Ist er ein „Putin-Versteher“?

, aktualisiert 16. Februar 2017, 14:19 Uhr
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Der Ex-Exxon-Mobil-Chef bei einem Treffen am Rande des G20-Außenministertreffens.

von Mathias BrüggmannQuelle:Handelsblatt Online

Das Rätselraten um Donald Trumps Kurs geht weiter. Sein Außenminister soll in Bonn Klarheit schaffen. Doch noch immer steht auch die Weltöffentlichkeit vor einer Nebelwand. Wie hält er es mit Russland?

BonnSeine erste Reise ins Ausland als neuer US-Außenminister führte Rex Tillerson nach Deutschland. Zum Ärger der mitgereisten Journalisten wählte der frühere ExxonMobil-Boss einen Nachtflug über den Atlantik für ein gutes Schläfchen über den Wolken. Am Abend hatte Tillerson wichtige Termine in Washington seinem Stellvertreter überlassen und auf dem Flug war er für die mitreisende Presse nicht ansprechbar, klagten US-Kollegen. In Bonn sollte der 64-Jährige dann mit seinen neuen Kollegen aus den G20-Staaten ohne festgelegte Tagesordnung über alle anstehenden Probleme reden.

Als eine „Art Speed-Dating“ hatten Diplomaten im deutschen Auswärtigen Amt die Zeit nach der Landung für Tillerson beschrieben: Kurze Treffen zuerst mit dem Außenminister Saudi-Arabiens, Adel bin Ahmed Al-Jubeir, dann mit Russlands „Mr. Njet“ – Moskaus Außenminister Sergej Lawrow.

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Die russische Regierung hatte im Vorfeld schon Druck aufgebaut. Denn die Russen wollen wissen, woran sie sind: Gilt Donald Trumps Zusage verbesserter Beziehung zwischen den USA und Russland, oder haben seine jüngsten Äußerungen wie die Forderung nach der Rückgabe der annektierten Halbinsel Krim an die Ukraine und Vorwürfe des Bruchs von Rüstungskontrollabkommen durch Moskau in Washington die Oberhand gewonnen? Das Tillerson, der als Exxon-Chef für die großen Investments des US-Ölkonzerns zwischen Petersburg und Pazifik mit dem russischen Orden der Freundschaft ausgezeichnet wurde, als „Putin-Versteher“ gilt, ist das eine. Doch in seiner Anhörung im Kongress zu seiner Ernennung vor zwei Wochen, äußerte Tillerson Kritik an Russlands aggressiver Politik.

Auch die anderen G20-Außenminister wollen nicht nur Tillerson zunächst erst einmal kennenlernen – vor allem aber wollen sie wissen, wohin Trump die größte Volkswirtschaft der Welt steuert. Sigmar Gabriel, der Tillerson gleich an dessen ersten Arbeitstag in Washington traf, begrüßte als neuer deutscher Außenminister seinen US-Kollegen am Rhein herzlich. Doch aus seinem Umfeld heißt es: „Auf den ersten Blick steht Tillerson fest auf dem Boden und er hat klare republikanische Positionen. Aber es ist unklar, wie er zum Präsidenten steht im Verhältnis zu dessen Vizepräsidenten, dem Verteidigungsminister und dem Nationalen Sicherheitsberater.“ Auch aus anderen G20-Staaten war die Sorge zu hören, ob Tillerson wirklich die Stimme Trumps in der Welt ist.

Dass es um das Verhältnis Trump – Tillerson nicht zum Besten steht, ist offensichtlich: Zwar hat der Heißsporn im Weißen Haus, dem vorgeworfen wird, seine Wahl auch mit russischer Hilfe via Internet gewonnen zu haben, den Russland-Freund Tillerson berufen, weil dieser als logisch für Trumps bisherigen Pro-Moskau-Kurs galt. Doch seither verlauten aus dem Oval Office zunehmend kritische Töne in Richtung Moskwa, auch wurde Tillersons auserwählter Vize-Außenminister öffentlich von Trump abgelehnt und der Secretary of State somit düpiert: Trump hatte nicht verwunden, dass Elliott Abrams, ein republikanischer Außenpolitik-Veteran, der schon Ronald Reagan und George W. Bush zu Diensten war, Kritik an Trumps nationalistischen und außenpolitisch unbedachten Wahlkampf-Äußerungen geübt hatte. Nun wird es für Tillerson schwer, einen Vize zu finden bei den Republikaner, denn von deren Außenpolitikern sind die meisten Trump-kritisch.

Bislang ist Tillerson eher der große Schweiger: Nickerchen statt Hintergrundrunde im Flieger. Keine Pressekonferenzen des State Departments, die früher täglich üblich waren, keine öffentlichen Auftritte des Außenministers an der Seite des Staatschefs bei Besuchen der Oberhäupter anderer Länder in Washington. Nach München, auf die Sicherheitskonferenz, kommt er denn auch erst gar nicht und lässt US-Vizepräsident Mike Pence und Verteidigungsminister James Mattis den Vortritt.

In Bonn soll Tillerson sein Schweigen nun brechen, hofft Noch-SPD-Chef Gabriel. Er und seine Außenministerkollegen aus den 20 wirtschaftskräftigsten Staaten der Erde wollen erfahren, wie der bisherige Weltpolizist USA künftig global agieren wird. Doch ob Tillerson das überhaupt selbst schon weiß?

Quelle:  Handelsblatt Online
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