Rezession: Japan versinkt in der Krise

Rezession: Japan versinkt in der Krise

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Glückloser Taro Aso. Japans Premierminister macht bei der Krisenbewältigung keine gute Figur.

Einbrechende Exportzahlen, düstere Konjunkturprognosen, Massenarbeitslosigkeit – die schlechten Nachrichten aus Japan reißen nicht ab. Der angekündigte Rücktritt von Finanzminister Shoichi Nakagawa verschärft auch die politische Krise im Land.

Es war kein guter Tag für Japans Finanzminister Shoichi Nakagawa. Schwer angeschlagen nahm Nagakawa am Samstag an einem Treffen der G7 in Rom teil und katapultierte sich damit ins politische Aus. Fragen auf der Pressekonferenz konnte er nur lallend beantworten, sprach er nicht, schien er zu schlafen. Starke Medikamente gegen eine Erkältung seien der Grund für seine schlechte Verfassung gewesen, versicherte Nakagawa und dementierte damit das Gerücht, er habe beim Mittagessen ein wenig zu tief ins Glas geschaut.

Als Konsequenz aus seinem peinlichen Auftritt bot Nakagawa seinen Rücktritt von seinem Amt als Finanzminister an. Einen genauen Zeitpunkt für seinen Rücktritt nannte Nakagawa jedoch nicht, er wolle noch die Budget-Beratungen im Unterhaus abwarten. Wirtschaftsminister Kaoru Yosano soll Nakagawas Amt zusätzlich übernehmen.

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Für Japans Premierminister Taro Aso kommt Nakagawas Rücktritt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die schlechte konjunkturelle Lage im Land schlägt sich auch in sinkenden Popularitätswerten der Regierung nieder. Politische Beobachter gehen davon aus, dass die seit nunmehr 50 Jahren regierende Liberal-Demokratische Partei (LDP) bei den nächsten Wahlen ihre Mehrheit im japanischen Unterhaus verlieren wird. „Japan ist reif für eine Revolution“, sagt Jesper Koll, Chef des privaten Wirtschaftsforschungsinstituts Tantalon in Tokio. Neuwahlen finden voraussichtlich im September statt.

Stärkster Einbruch der Wirtschaft seit 1974

Japan ist von der weltweiten Wirtschaftskrise besonders stark betroffen. Das Bruttoinlandsprodukt war im vierten Quartal 2008 um 12,7 Prozent zurückgegangen. Im Vergleich zum dritten Quartal sank das japanische BIP damit nochmals um 3,3 Prozent, der stärkste Einbruch der Wirtschaftsleistung seit der ersten Ölkrise 1974.

Grund für die schlechte Lage ist vor allem Japans starke Exportabhängigkeit. Im vierten Quartal brachen die Exporte um fast 14 Prozent ein. Während die großen japanischen Unternehmen für 2007 noch deutliche Gewinne verzeichnen konnten, stehen heute bei Toyota, Honda, Sony und Toshiba Betriebsschließungen, Kurzarbeit und Massenentlassungen auf der Tagesordnung.

Zusätzlich wird der Niedergang der Exportwirtschaft durch die starke Aufwertung des Yen beschleunigt. Im Vergleich zum US-Dollar stieg der Yen seit dem Sommer um fast 20 Prozent an, gegenüber dem Euro fiel der Anstieg mit 40 Prozent noch weit höher aus.

Damit verkehrt sich der jahrelange Wettbewerbsvorteil Japans durch die Niedrigzinspolitik jetzt ins Gegenteil. Internationale Anleger hatten in den vergangenen Jahren niedrigverzinsliche Kredite in japanischer Währung aufgenommen, das Geld in Dollar oder andere Währungen getauscht und in Ländern mit hohen Zinsen wie den USA und Australien wieder angelegt. Mit den sinkenden Zinsen auch in diesen Ländern lohnen sich die Anlagen nicht mehr, das Geld wird wieder in Yen getauscht, um die Kredite zu tilgen. Diese sogenannten Carry Trades sorgen seit einigen Wochen für eine erhöhte Nachfrage nach Yen. Für die exortorientierte Autoindustrie bedeutet der starke Yen, dass sie für ihre in Dollar oder Euro verkauften Waren weniger bekommen. Allein für Toyota macht ein Yen Kursunterschied mehr als 400 Millionen Dollar Jahresgewinn aus.

Auch die lahmende Binnennachfrage schwächt die Wirtschaft zusätzlich. Mit Konsumgütern bereits überversorgt, halten die Japaner jetzt ihr Geld beisammen. Eine von der Regierung in Aussicht gestellte Einmalzahlung an alle Japaner, um die private Konsumnachfrage wieder anzukurbeln, stößt dementsprechend auf wenig Gegenliebe bei Opposition und Bevölkerung. Rund zwei Drittel der Japaner halten diese Maßnahme für wenig sinnvoll.

Neues Konjunkturpaket schon in Arbeit

Trotzdem plant Regierungschef Aso, der anhaltenden Rezession im Land jetzt mit frischem Geld entgegenzusteuern. Bis zum G20-Gipfel Anfang April in London will die Regierung ein neues bis zu 169 Milliarden Euro schweres Konjunkturprogramm ausarbeiten.

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