Rezessionsangst: IWF plädiert für Konjunkturspritzen

Rezessionsangst: IWF plädiert für Konjunkturspritzen

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IWF-Chefin Christine Lagarde

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds Christine Lagarde rät zu Konjunktur stützenden Maßnahmen in Europa und den USA, Weltbank-Präsident Robert Zoellick sieht eine wachsende Rezessionsgefahr.

Zur Abwehr einer neuen Krise der Weltwirtschaft macht sich der Internationale Währungsfonds (IWF) für Konjunkturprogramme stark. "Mit Blick auf Europa empfehlen wir, dass die Länder ihren Sparkurs an die veränderte Lage anpassen und wachstumsfördernde Maßnahmen ins Auge fassen", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Auch in den USA gebe es womöglich Spielraum dafür, die kurzfristigen Sparpläne auszusetzen und die Wirtschaft anzuschieben. In Deutschland seien unter Umständen ebenfalls Konjunkturhilfen denkbar. "Wenn der Export, auf dem das deutsche Wirtschaftsmodell beruht, einbricht, dann könnte die Bundesregierung gegensteuern", sagte die Französin.

Der IWF habe über den Sommer festgestellt, dass sich eine neue Vertrauenskrise entwickele, die die wirtschaftliche Lage weltweit verschlechtere, sagte Lagarde. Diese Vertrauenskrise habe einen Höhepunkt erreicht, als die USA ihre Top-Bonitätsnote verloren hätten. "Deshalb müssen Maßnahmen ergriffen werden, um eine drohende Abwärtsspirale abzuwenden." Dazu gehöre auch, dass die europäischen Banken ihr Eigenkapital verstärkt aufstockten, bekräftigte Lagarde ihre Forderung, mit der sie in der vergangenen Woche in der europäischen Politik und bei Banken auf Kritik gestoßen war. Dies sei nötig, damit die Banken den Risiken der Staatsschuldenkrise und des schwachen Wachstums widerstehen könnten und um eine weitere Ansteckung zu vermeiden. "Diesen Teufelskreis müssen wir durchbrechen", sagte sie.

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"Neue Rezession kann noch vermieden werden"

Eine neue Rezession hält die IWF-Chefin noch für vermeidbar. "Die Möglichkeiten der Regierungen und Notenbanken sind zwar geringer als 2009, weil sie einen großen Teil ihres Pulvers schon verschossen haben", sagte sie. Mit internationaler Zusammenarbeit sei sie aber noch zu verhindern. Spielraum für eine Belebung der Konjunktur in Deutschland sieht Lagarde vor allem, weil "die Gesundung der deutschen Staatsfinanzen unter den gegenwärtigen Umständen bestens läuft". Wenn Deutschland seine Binnennachfrage belebe, sei das gut für die deutsche Wirtschaft und für die der Nachbarländer. Im zweiten Quartal hatte der erste Rückgang der Konsumausgaben seit dem Krisenjahr 2009 den deutschen Aufschwung überraschend gestoppt. Die Wirtschaft wuchs nur noch um 0,1 Prozent.

Weltbank warnt vor neuer Gefahrenzone für die Wirtschaft

Auch Weltbankchef Robert Zoellick warnte am Wochenende davor, dass die Wirtschaft angesichts der Konjunkturabkühlung und der Börsenturbulenzen in eine neue Gefahrenzone abzurutschen drohe. "Die Finanzkrise in Europa ist zu einer Staatsschuldenkrise geworden, mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die Währungsunion, Banken und die Wettbewerbsfähigkeit einiger Länder", sagte Zoellick in Peking. Auch die USA müssten ihr Schuldenproblem angehen und das Vertrauen der Finanzmärkte in die Politik wieder stärken. Aus diesem Grund ermahnte auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet Italien an seinen Sparzusagen festzuhalten. Der von Ministerpräsident Silvio Berlusconi angekündigte Ausgleich des Haushalts bis 2013 sei äußerst wichtig, um Italiens Kreditwürdigkeit und Glaubwürdigkeit an den Finanzmärkten zu stärken, sagte Trichet. Berlusconi ringt derzeit mit dem Parlament um ein milliardenschweres Sparprogramm, das er unter dem Druck steigender Zinsen am Kapitalmarkt nachgebessert hat.

Zuletzt kamen aber Zweifel an dem Sparwillen der konservativen Regierung auf, nachdem eine Reichensteuer und ein Teil der Rentenreform aus dem Paket gestrichen worden war. Die Befürworter von Euro-Bonds im Kampf gegen die Schuldenkrise erhielten am Wochenende einen Dämpfer. Die Ratingagentur S&P würde gemeinsame Anleihen der Euro-Staaten mit der Note des schwächsten Mitgliedslandes bewerten. "Wenn wir einen Euro-Bond haben, bei dem Deutschland 27 Prozent garantiert, Frankreich 20 und Griechenland zwei Prozent, dann läge das Rating des Euro-Bonds bei 'CC', was der Kreditwürdigkeit Griechenlands entspricht", sagte der Leiter des Länderbereichs Europa bei S&P, Moritz Krämer, am Samstag. Dies sei der Fall, wenn es eine gemeinsame Garantie und keine einzelne Gewährleistung der Mitgliedsländer gebe. Allerdings könnte dies vielleicht auf eine andere Art strukturiert werden. Die Bundeskanzlerin lehnt Euro-Bonds ab. Euro-Sorgenkinder wie Italien und Griechenland hingegen werben dafür.

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