"Rio+20": Verkehrte Welt beim Klimagipfel in Rio

"Rio+20": Verkehrte Welt beim Klimagipfel in Rio

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Protest am Badestrand. Umweltschützer demonstrieren an der Copacabana

von Cordula Tutt

Die Politik hat sich beim Nachhaltigkeitsgipfel "Rio+20" einmal mehr als nicht handlungsfähig gezeigt. Nun übernehmen Unternehmen die Führungsrolle hin zum nachhaltigeren Wirtschaften.

Hier ist nicht Davos – und doch spielt das tropische Rio für Jochen Zeitz eine ähnliche Rolle wie das illustre Forum in den verschneiten Schweizer Bergen. Der Puma-Aufsichtsratschef und Verwaltungsrat beim Luxusgüterkonzern PPR hat gleich sechs Tage in seinem Terminkalender freigeräumt, um zum Mammutkongress der UNO zu reisen. Bei "Rio+20" kann er Geschäftspartner und Vertreter anderer Unternehmen zuhauf treffen. „Dafür müsste ich sonst mehrmals um die halbe Welt fliegen“, sagt Zeitz zwischen dem ersten und zweiten Geschäftsfrühstück an diesem Morgen. In Hotellobbys, Konferenzräumen und auf Podien trifft er seinesgleichen. Vier bis fünf Termine absolviert er jeden Tag.

Wie kommt’s? Der Nachhaltigkeitsgipfel der Weltgemeinschaft, 20 Jahre nach dem ersten Erdgipfel in der brasilianischen Metropole, gilt gemeinhin als Podium für geschäftige Regierungsdelegationen und Nichtregierungsorganisationen, die sich der Rettung des Klimas oder der Meere verschrieben haben oder sich für sozialere Arbeitsbedingungen oder bescheideneren Konsum einsetzen.

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Doch neue Mitspieler sind angekommen. Wirtschaftsvertreter bilden diesmal in Rio wohl die größte Nichtregierungsgruppe. Schon vor dem Gipfel organisierten sie ein viertägiges Nachhaltigkeitsforum, zu dem sich rund 2000 Unternehmensleute, Wissenschaftler und Aktivisten trafen.

Ein Grund für die neue Rolle der Wirtschaft ist die schwerfällige Politik. Es bewegt sich kaum etwas im UNO-Gefüge; Einigkeit der 190 Staaten gibt es nur für einen wolkigen Vertragstext. Denn Europa ist schwach und demonstriert mit seiner Schuldenkrise, wie wenig nachhaltig es selbst gewirtschaftet hat. In den USA verhindert der aufkommende Präsidentschaftswahlkampf Zugeständnisse. Die Schwellenländer, allen voran Gastgeber Brasilien, sind mächtiger als zuvor und zu wenigen Kompromissen bereit.

Zeitz hält solche Blockaden auch in Zukunft für unvermeidlich. „In einer globalisierten Welt ist es kaum noch möglich, allgemein akzeptierte und bindende Rahmenbedingungen für Nachhaltigkeit zu schaffen.“ Also zieht er den Schluss: „Da müssen Unternehmen dann durch Innovationen neue Lösungen finden.“

Puma vertritt eine Branche, die den schlechten Ruf abstreifen will, sie nehme es weder mit der Umwelt noch mit den Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben sonderlich ernst. Der Sportartikelhersteller hat deshalb im vergangenen Jahr erstmals eine Bilanz veröffentlicht, die offenlegt, wie schicke Lederschuhe und bunte Sportleibchen die Umwelt belasten – über die gesamte Zulieferkette von der Herstellung bis zum Verkauf.

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