Risiken für deutsche Firmen in China: Bremsspuren in Chinas Wirtschaft bergen Gefahren

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Risiken für deutsche Firmen in China: Bremsspuren in Chinas Wirtschaft bergen Gefahren

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Chinas Wirtschaftswachstum flaut ab. Doch was bedeutet das für uns?

von Malte Fischer, Mario Brück, Matthias Kamp, Philipp Mattheis, Rebecca Eisert und Rüdiger Kiani-Kreß

Die Blase am chinesischen Aktienmarkt platzt, die Wirtschaft verliert an Dynamik. Das hat Folgen für die Weltwirtschaft – und birgt Risiken für Deutschlands Exportunternehmen. Noch sind sie optimistisch.

Obwohl Ying Meifeng in den vergangenen drei Wochen fast ein Viertel ihrer Ersparnisse verloren hat, sitzt die 83-Jährige lächelnd in einem der vielen Wertpapierhandelshäuser in Shanghai. Der jüngste Crash am chinesischen Aktienmarkt hat ihr die Laune nicht verdorben – noch nicht. „Die Regierung wird die Kurse schon wieder steigen lassen“, sagt sie. So denken viele Chinesen, die die Achterbahnfahrt an der Börse in den vergangenen Monaten mitgemacht haben. Seit Mitte Juni sind die Aktienkurse der 300 größten Unternehmen in der Volksrepublik um rund 30 Prozent abgestürzt – nachdem sie in den zwölf Monaten zuvor um 145 Prozent in die Höhe geschossen waren.

Zunehmende Eingriffe des Staates

Reales Bruttoinlandsprodukt in China

China Wachstumsraten seit 2005 (zum Vergrößern bitte anklicken)

Der Crash hat die Regierung auf den Plan gerufen. Ohne lange zu zögern, hat die Zentralbank die Zinsen gesenkt, dann lockerte Peking die Anforderungen an die Sicherheiten für Broker, gründete einen staatlichen Fonds, um Stützungskäufe zu tätigen, und als das alles nicht half, setzte sie die Hälfte aller Aktien vom Handel aus. Vom Vertrauen in die Kräfte des Marktes, die Chinas Präsident Xi Jinping und sein Premier Li Keqiang so gern beschwören, ist plötzlich nichts mehr zu spüren. Stattdessen greift der Staat – ganz in alter planwirtschaftlicher Manier – in das Börsengeschehen ein, um die Kurse wieder nach oben zu hieven.

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Die Nerven der Anleger mag das beruhigen. Doch für den langfristigen Wachstumstrend der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind die zunehmenden Staatseingriffe in die Märkte ein schlechtes Omen.

Seit Jahren gehen die Wachstumsraten der chinesischen Wirtschaft zurück, im zweiten Quartal legte das reale Bruttoinlandsprodukt nur um sieben Prozent zu (siehe Grafik). Der stürmische Aufholprozess gegenüber dem Westen, der China in den vergangenen Jahrzehnten mit zweistelligen Raten wachsen ließ, geht zu Ende.

Das sind die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

  • Platz 10

    Während Deutschland im Vorjahr noch auf Rang sechs lag, schafft es die Bundesrepublik in diesem Jahr nur noch auf den zehnten Platz. Der mitteleuropäische Staat steht 2015 vor vielen Herausforderungen. Dazu gehört der Druck, die Energiewende zu meistern, die digitale Transformation der Industrie voranzutreiben und private und öffentliche Investitionen zu fördern.

    Bauen kann Deutschland auf seine hoch qualifizierten Arbeitskräfte und eine Politik der Stabilität und Vorhersehbarkeit.

  • Platz 9

    Schweden fällt im Vergleich zu 2014 um vier Ränge von Platz fünf auf Platz neun. Das nordeuropäische Königreich kann besonders mit qualifizierten Arbeitskräften, den stabilen politischen Verhältnissen, einem wirksamen Rechtssystem und einem starken Fokus auf Forschung und Entwicklung glänzen. Auch das Bildungsniveau ist sehr hoch und die Infrastruktur sehr verlässlich.

  • Platz 8

    Auch Dänemark konnte sich im Vergleich zum Vorjahr verbessern, von Platz neun geht es hoch auf Platz acht. Gut schneidet das nordeuropäische Königreich bei Managementpraktiken, Gesundheit und Umwelt sowie Arbeitsstandards ab. Auf dem ersten Rang landet Dänemark in der Kategorie der Regierungseffizienz gleich fünf Mal, denn es zeichnet sich nicht nur durch eine besonders große Rechtstaatlichkeit aus, sondern auch dadurch, dass Bestechung und Korruption kaum eine Chance haben.

  • Platz 7

    Norwegen kann im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von drei Plätzen verzeichnen und landet damit auf dem siebten Platz. Die skandinavische Halbinsel kann vor allem mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aufwarten, mit denen sie im internationalen Vergleich auf Platz eins landet. Weitere Faktoren, mit denen Norwegen punkten kann, sind im Bereich der Regierungseffizienz zu finden. Chancengleichheit, Transparenz sowie Rechtstaatlichkeit sind nur einige der besonders effektiven Maßnahmen der öffentlichen Hand.

  • Platz 6

    Für Luxemburg ging es von Platz elf im Jahr 2014 hoch auf Platz sechs. Sehr gut schneidet das Großherzogtum im Bereich der politischen Stabilität, der wettbewerbsfähigen Besteuerung, des unternehmerfreundlichen Umfeldes und der qualifizierten Arbeitskräfte ab.

  • Platz 5

    Kanada hat es in diesem Jahr auf Platz fünf geschafft. Im Vorjahr landete der nordamerikanische Staat noch auf Platz sieben des IMD World Competitiveness Ranking. Die gute Platzierung hat Kanada vor allem der Stabilität und Vorhersehbarkeit in der Politik, dem hohen Bildungsniveau, qualifizierten Arbeitskräften und einem wirksamen Rechtssystem zu verdanken. Ganz gut schneidet Kanada auch aufgrund einer unternehmerfreundlichen Umgebung und einer offenen und positiven Haltung ab.

  • Platz 4

    Der vierte Platz geht in diesem Jahr an die Schweiz. Unternehmen aus aller Welt wissen vor allem die sehr gute Infrastruktur des kleinen Alpenstaates zu schätzen. Die hohe Bildung und der Umweltschutz landen gar im Vergleich zu 2014 nicht mehr nur auf Platz drei, sondern gleich auf der Eins. Auch die robuste Wirtschaft, Arbeitsstandards, geringe Entlassungs- sowie Kapitalkosten sind im internationalen Vergleich so gut wie unschlagbar.

  • Platz 3

    Unter die ersten drei schafft es in diesem - wie auch schon im vergangenen Jahr - der Insel- und Stadtstaat Singapur. Besonders punkten konnte das asiatische Land bei Unternehmen in diesem Jahr mit seinem institutionellen Rahmen, der im weltweiten Vergleich auf Rang eins landet. Außerdem liegt Singapur bei der technologischen Infrastruktur sowie der Bildung ganz weit vorne.

  • Platz 2

    Platz zwei geht an die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. Im Vergleich zum Vorjahr hat die chinesische Metropole zwei Plätze gut gemacht. Unternehmen aus aller Welt schätzen Hongkong insbesondere aufgrund der betriebswirtschaftlichen Gesetzgebung, der Managementpraktiken, der unternehmerischen Einstellungen und Werte und der technologischen Infrastruktur. Ganz gut steht Hongkong auch bei internationalen Investitionen, der Fiskalpolitik und bei den Betriebsfinanzen da.

  • Platz 1

    Die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Das hat das IMD World Competitiveness Center in seiner aktuellen Vergleichsstudie bekannt gegeben.

    Besonders attraktiv finden Firmen in den USA - laut Ranking - die dynamische Wirtschaft (66,2 Prozent), den guten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten (55,1 Prozent), den starken Fokus auf Forschung und Entwicklung (49,3 Prozent) sowie das unternehmensfreundliche Umfeld (43,4 Prozent).

    Punkten können die USA zudem als attraktiver Forschungsstandort. Nachholbedarf gibt es im Bereich der Schulbildung.

„Das alte Wachstumsmodell der staatlich gesteuerten Industrialisierung hat keine Zukunft mehr“, sagt Patrick Franke, China-Experte der Hessischen Landesbank. Will das Land weiterhin erfolgreich in der Weltwirtschaft mitmischen und seinen Wohlstand steigern, muss es sich auf der Wertschöpfungsleiter nach oben bewegen. Statt einfache Industrie- und Technologiegüter muss China innovationsintensive Güter und Dienstleistungen anbieten. Das aber wird nur gelingen, wenn sich die Machthaber in Peking aus der Wirtschaft zurückziehen und auf die Marktkräfte und das private Unternehmertum setzen.

Für China wäre das eine Zäsur. Denn in den vergangenen Jahrzehnten lautete der implizite Deal der Regierung mit dem Volk: Wohlstand gegen politische Kontrolle. Das erklärt auch, warum die Regierung panisch versucht, den Aktienmarkt zu stützen. Bleibt der Wohlstand aus, etwa weil die Kurse einknicken, könnte das Volk die Herrschaft der Partei infrage stellen, fürchten die Machthaber. Im festen Glauben an die Steuerbarkeit der Wirtschaft drehen sie daher an den Stellschrauben des ökonomischen Räderwerks – mit negativen Konsequenzen für den langfristigen Wohlstand.

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