Risiko USA: Macht uns Amerika den Aufschwung kaputt?

Risiko USA: Macht uns Amerika den Aufschwung kaputt?

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Arbeitslosigkeit in den USA

von Andreas Henry und Malte Fischer

Ein Jahr nach dem Ende der großen Rezession droht der US-Konjunktur schon wieder die Puste auszugehen. Die Langzeitarbeitslosigkeit steigt, ein Rückfall in die Rezession droht. Bremst Amerika die globale Erholung aus?

Für Chrystal Smith kam der soziale Abstieg wie für viele Amerikaner, die ihren Job verlieren: rasend schnell. Vor zweieinhalb Jahren arbeitete sie noch bei einem New Yorker Verlagshaus. Dann kam die Entlassungswelle. Praktisch ohne Vorwarnung verlor sie ihren Job. Seither muss sie mit 360 Dollar Stütze pro Woche auskommen.

„Meine Ersparnisse waren schnell aufgebraucht. Dann habe ich meinen Pensionsplan plündern müssen, bald konnte ich mir die Krankenversicherung nicht mehr leisten, und jetzt kann ich die Miete nicht mehr bezahlen“, erzählt sie. „Ich bin pleite, total pleite.“ Rund 150 Vorstellungsgespräche habe sie seitdem geführt, und „es macht mich krank, immer wieder zu hören, dass ich für alles Mögliche überqualifiziert bin“. Chrystal hat nun Angst, bald auf der Straße zu sitzen: In New York sind die Vermieter schnell dabei mit Räumungen, wenn die Miete nicht kommt.

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Mehr als zehn Millionen US-Bürger teilen das Schicksal von Chrystal und suchen verzweifelt nach einem Job. Viele haben in der Rezession ihren Arbeitsplatz verloren, andere tun sich nach Schule und Ausbildung schwer, eine erste Anstellung zu finden. Obwohl die US-Wirtschaft seit Mitte 2009 wieder wächst, fühlt sich der Aufschwung für viele Amerikaner an wie ein Abstieg. Denn die durchgreifende Erholung am Arbeitsmarkt, die Aufschwüngen üblicherweise folgt, ist bisher ausgeblieben. Die Zahl der Beschäftigten hat seit Anfang 2010 im Schnitt nur um mickrige 80.000 pro Monat zugenommen, die Arbeitslosenquote ist auf 9,5 Prozent geklettert.

Für Amerika, das Arbeitslosenquoten von unter fünf Prozent gewöhnt war, ist das eine Katastrophe. Denn das Land ist hoch verschuldet, die Bürger ebenso wie der Staat. Der Immobilienmarkt liegt im Koma, der Finanzsektor ist zerrüttet. Um seine Probleme in den Griff zu bekommen, benötigt Amerika vor allem eines: Wachstum. Doch dazu muss der Konsum anspringen, der für rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung steht.

Das setzt voraus, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt entspannt und die Unternehmen wieder ausreichend Jobs schaffen. Geschieht dies nicht, wird der Aufschwung zur Zitterpartie. „Wie bei einem Fahrrad, bei dem eine zu langsame Fahrt das Risiko des Umfallens erhöht, birgt ein schwaches Konsumwachstum das Risiko einer Rezession“, sagt Jan Poser, Chefökonom der Bank Sarasin.

Manche Ökonomen fürchten daher, die US-Wirtschaft könnte bald wieder den Rückwärtsgang einlegen. Robert Shiller, Professor an der US-Eliteuni Yale, taxiert das Risiko eines solchen „double dip“ auf über 50 Prozent. Wird die ehemalige Konjunkturlokomotive USA damit zum Risiko für die Weltwirtschaft – und für den Aufschwung in Deutschland? Immerhin verkauften deutsche Exporteure selbst im Rezessionsjahr 2009 noch Waren im Wert von knapp 53 Milliarden Euro in die USA. Und ein im Gefolge der US-Krise abstürzender Dollar könnte ihnen schon bald die Geschäfte verhageln.

Korrektur nach unten

Doch wie ernst ist die Lage wirklich? Die US-Wirtschaft, die überraschend stark aus der Rezession gekommen war, hat inzwischen deutlich an Dynamik verloren. Im zweiten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur noch um 0,6 Prozent zum Vorquartal zu. Experten fürchten, dass die Statistiker die Rate wegen des hohen Defizits in der Handelsbilanz sogar noch auf 0,3 Prozent korrigieren müssen.

Die schlechten Nachrichten von der Konjunkturfront haben Politiker und Notenbanker gleichermaßen alarmiert. US-Präsident Barack Obama weiß, dass eine erneute Rezession seiner Demokratischen Partei bei den Kongresswahlen im Herbst eine herbe Niederlage bescheren dürfte. Und alle Versuche, die Wirtschaft mit weiteren staatlichen Programmen zu stützen, sind bisher am Widerstand der Republikaner im Senat gescheitert.

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