Rohstoffe: Industrieländer verkaufen Erdöl-Reserven

Rohstoffe: Industrieländer verkaufen Erdöl-Reserven

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Ölförderung im Irak

von Hans Jakob Ginsburg

Sechzig Millionen Barrel Erdöl wollen die westlichen Staaten und Japan im kommenden Monat aus ihren eisernen Notreserven auf die Märkte bringen – als Ausgleich für die Produktionsausfälle im Bürgerkriegsland Libyen und zur Eindämmung des Ölpreis-Anstiegs. Prompt fielen die Preise um etwa fünf Prozent: für einen Tag. Heute ging es schon wieder nach oben.

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) in Paris ist sozusagen die Gegenveranstaltung zum Produzentenkartell Opec: ein Zusammenschluss der Verbraucherländer, die Mitglieder die gleichen wie in der Industrieländer-Organisation OECD, gewöhnlich nicht besonders wirkungsvoll. Die IEA hat eigentlich nur zwei Möglichkeiten, das Weltgeschehen zu beeinflussen: Sie kann durch Veröffentlichung bestens recherchierter Studien uns alle über die Vorgänge auf den Energiemärkten informieren.

Das tut sie regelmäßig, fast jeden Monat kommen neue Studien aus Paris. Und sie kann ihre Mitgliedsländer dazu bringen, koordiniert ihre so genannten strategischen Reserven auf den Markt zu bringen, damit die Ölpreise nicht unkontrolliert durch die Decke gehen. Das hat sie bisher höchst selten gemacht: Nur 1991, nachdem der Irak Kuwait besetzt hatte, und 2005, nachdem der Wirbelsturm Kathrina Ölförderung und –verarbeitung rund um den Golf von Mexiko lahm gelegt hatte.

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Kein OPEC-Land hält sich an die Regeln

Warum passiert so etwas nicht häufiger? Die strategischen Reserven aller IEA-Länder zusammen machen derzeit 1,6 Milliarden Barrel aus (teils Rohöl, teils Benzin und andere verarbeitete Produkte). Das entspricht knapp zwei Prozent des jährlichen Erdölverbrauchs der Welt, oder anders ausgedrückt der Menge, welche die Menschheit in einer Woche verbraucht. Wollten die Industriestaaten wirklich den Produktionsausfall in Libyen aus ihrern Reserven ersetzen, wären sie in weniger als einem Jahr am Ende.

Das wäre sinnlos, und es ist auch unnötig: Die drei Monate seit Beginn des libyschen Bürgerkriegs haben gezeigt, dass die Welt vergleichsweise mühelos den libyschen Produktionsausfall verkraften kann, schon weil sich kein Opec-Land an die Regeln des eigenen Kartells hält.

Der Faktor Politik

Was also sollte das Ganze? Und wenn überhaupt, warum erst jetzt und nicht etwa vor einem Monat? Im Mai hatte der Rohölpreis in London immerhin 125 Dollar erreicht, während er Anfang dieser Woche schon wieder auf 115 Dollar gesunken war? Mit Libyen kann das nichts zu tun haben. „Der entscheidende Faktor für diese Maßnahme ist die Politik", sagt der Erdöl-Analyst Michael Wittner von der französischen Bank Société Générale.

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