Rohstoffe: Warum eigentlich bleibt der Ölpreis unten?

Rohstoffe: Warum eigentlich bleibt der Ölpreis unten?

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Anderung der Opec-Förderquoten und Entwicklung des Ölpreises (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Ein erfolgreiches Kartell sieht anders aus. 43 Prozent des weltweit gehandelten Rohöls kam vergangenes Jahr aus den elf Mitgliedstaaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), die seit 48 Jahren durch gemeinsame Festlegung von Förderquoten den Weltmarktpreis in ihrem Sinne steuern wollen.

Dessen Entwicklung hat bekanntlich lange die schlimmsten Ängste der Verbraucher übertroffen – bis zu der Rekordmarke von 137 Dollar im Welt- und Wochendurchschnitt Anfang Juli 2008 (am Handelsplatz London wurden ein paar Stunden lang sogar 147 Dollar notiert). Dann ging es bergab, im Einklang mit der Weltkonjunktur. Um die Jahreswende war der Tiefpunkt erreicht.

Seitdem geht es wieder nach oben, im vergleichsweise gemächlichen Tempo und im Einklang mit den Hoffnungen – oder Spekulationen – auf ein glimpfliches Ende der weltwirtschaftlichen Krise. In den beiden legendären Ölkrisen der Siebzigerjahre hat das Opec-Kartell die Weltkonjunktur ins Wanken gebracht. Heute ist es umgekehrt: Die Weltkonjunktur bestimmt den Preis des Erdöls.

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Tagesproduktion um zwei Millionen Barrel gesenkt

Die Nachfrage nach Erdöl ist in der internationalen Krise gesunken – nach einer Prognose der Pariser Internationalen Energieagentur IEA um etwa zwei Millionen Barrel pro Tag, ungefähr 2,5 Prozent des durchschnittlichen Verbrauchs von 81,5 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2007. Natürlich hat die Opec darauf reagiert: Ihre offizielle Förderquote, Ende 2007 noch bei fast 29,7 Millionen Barrel pro Tag, wurde im September 2008 um ungefähr 0,8 Millionen gesenkt, zwei Monate später um weitere zwei Millionen Barrel. Und weil der Weltmarktpreis darauf nicht reagierte, haben die Ölminister der elf Kartell-Staaten Mitte Februar die Förderhähne noch einmal um zwei Millionen Barrel Tagesproduktion gesenkt. Der Preis stieg daraufhin tatsächlich, aber das war eine Entwicklung, die schon Wochen zuvor eingesetzt hatte. Kann es wirklich egal sein, was die Ölminister der großen Förderländer auf ihren reglemäßigen Konferenzen in Wien beschließen?

Die Interessen der Opec-Mitglieder sind nicht mehr unter einen Hut zu bringen. Algerien und Libyen mit ihren eher begrenzten Reserven wollen möglichst schnell möglichst viel verkaufen, um mit den Einnahmen in wenigen Jahren den Ausbau anderer Industrien – dazu gehört auch der Erdgassektor – zu finanzieren. Beide nordafrikanischen Länder überziehen nach Schätzungen der Commerzbank derzeit ihre jeweiligen Opec-Quoten um ungefähr sieben Prozent, was für sie auch den erfreulichen Nebeneffekt hat, dass sie derzeit in den Hauptstädten ihrer europäischen Abnehmerstaaten besser gelitten sind denn je.

Der Iran schert sich wenig um internationales Prestige, hat auch noch stattliche Reserven, braucht aber angesichts seiner besonders schweren internen Wirtschaftskrise jeden Cent aus dem Ölgeschäft – mit der Folge, dass das Land seine Förderquote um elf Prozent überschreitet. Zum Ärger der Saudis, die ihre Förderung wirklich gedrosselt haben, aber auch noch drei Prozent über der Quote bleiben. Solange das so bleibt, brauchen die Verbraucher vor der nächsten Sitzung der Opec-Minister im Mai keine Angst zu haben.

Brüchiges Ölkartell ohne Sanktionsmöglichkeiten

Verteilung der nachgewiesenen Rohölreserven auf die Mitgliedstaaten der Opec

Verteilung der nachgewiesenen Rohölreserven auf die Mitgliedstaaten der Opec (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Das Kartell ist tatsächlich viel zu brüchig geworden, um noch wie im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts das Marktgeschehen in New York und London zu bestimmen. Eigentlich war das schon so, als ständig steigende Preise Verbraucher und Unternehmen in den Industrieländern plagten und den Reichtum der Produzenten vermehrten: 2007 hätten die zehn Opec-Partner bei Vertragstreue insgesamt höchstens 29.673 Barrel pro Tag produzieren dürfen (das elfte Mitgliedsland Irak ist seit vielen Jahren von der Quotenregelung ausgenommen).

In Wirklichkeit waren es nach Feststellung der zuverlässigen Forscher des britischen Energiekonzerns BP genau 33.059 Barrel, elf Prozent mehr: Die Ölminister beschließen und veröffentlichen in Wien Förderquoten und rühren zu Hause kaum einen Finger, um die durchweg staatseigenen Ölgesellschaften an möglichen Exportgeschäften zu hindern. Solange der Ölpreis stieg und stieg, war diese zur Routine gewordene Heuchelei angenehm für die Verbraucher und unwichtig für die wenigen Kartellmitglieder, die sich an die Kartellabsprachen mehr oder weniger hielten. Bei Preisen unter 70 oder gar unter 50 Dollar sieht das anders aus. Doch Sanktionsmöglichkeiten gegen tricksende Iraner, Algerier oder Libyer gibt es nicht.

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