Romney-Biograf Scott: "Deutschland sollte hoffen, dass Romney gewinnt"

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Romney-Biograf Scott: "Deutschland sollte hoffen, dass Romney gewinnt"

von Tim Rahmann

Der Republikaner habe viele Gemeinsamkeiten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, sagt Romney-Biograf Ronald B. Scott. Romney stünde enger an der Seite Berlins als Obama – auch bei der Bekämpfung der Schuldenkrise.

WirtschaftsWoche Online: Herr Scott, die überwältigende Mehrheit der Deutschen hofft, dass Barack Obama die US-Präsidentschaftswahlen am Dienstag gewinnt. Sie fürchten sich regelrecht vor Mitt Romney, der vielen als Hardliner, Staatsfeind und Rechtsaußen erscheint. Ist die Sorge berechtigt?

Ronald B. Scott: Nein, überhaupt nicht. Romney ist der politischen Mitte zuzuordnen, er steht programmatisch dicht neben US-Präsident Barack Obama, höchsten einen Schritt weiter rechts als der Amtsinhaber – aber weit entfernt von der Rechtsaußen-Position. Romney ist liberal eingestellt und ich bin überzeugt, dass er sich als US-Präsident sehr viel moderater geben wird als im Wahlkampf. Im Moment ist viel Getöse dabei.

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Ronald B. Scott kennt Mitt Romney seit über 25 Jahren. Quelle: WirtschaftsWoche Online

Ronald B. Scott kennt Mitt Romney seit über 25 Jahren.

Bild: WirtschaftsWoche Online

Selbst viele US-Bürger sind aber nicht davon überzeugt, dass Romney einen abgeklärten Staatsmann geben wird. Im Notfall würden sie lieber Obama am Schreibtisch im Weißen Haus sehen als den Herausforderer?

Das stimmt. Romney hat es bisher im Wahlkampf nicht geschafft, als Staatsmann herüberzukommen. Dabei würde er deutlich analytischer agieren als Obama. Romney ist ein Zahlen- und Datenfreak. Er liebt Nummern und Fakten. Er trifft Entscheidungen nicht aus dem Bauch heraus, sondern hat in jeder brenzligen Situation in seinem Leben – egal ob als Organisator der Olympischen Winterspiele von Salt Lake City oder als Gouverneur von Massachusetts – immer alle möglichen Informationen eingeholt, ehe er vorpreschte. Ich bin davon überzeugt: Wenn ein Minister unter Romney einen anderen Weg einschlägt als die Datenlage vermuten ließe, würde Romney sofort eingreifen und sich nach den Fakten richten.

350 Millionen Dollar groß soll das Privatvermögen des Präsidentschaftskandidaten der Republikaner sein. Aber wie hat er sein Geld gemacht?

Das erinnert an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die als Wissenschaftlerin, auch lieber den Zahlen vertraut, als Stimmen und Meinungen.

Absolut. Es gibt eine ganze Reihe von Gemeinsamkeiten zwischen der Bundeskanzlerin und dem Republikaner. Der analytische Blick gehört definitiv dazu.

Die Wege von Mitt Romney

  • 12. März 1947

    Willard Mitt Romney wird in Detroit als jüngstes von vier Kindern einer ehemaligen Schauspielerin und eines Konzernmanagers geboren. Der Vater wird in den sechziger Jahren Gouverneur von Michigan

  • 1969

    Der gläubige Mormone heiratet Ann Davis, das Paar zieht fünf Söhne groß

  • 1975

    Romney startet seine Karriere als Unternehmensberater und Firmensanierer

  • 1994

    Erster, erfolgloser Versuch, Gouverneur in Massachusetts zu werden

  • 1999

    Der Multimillionär übernimmt den Vorsitz des skandalgeschüttelten Organisationskomitees der Winterspiele von Salt Lake City, die Spiele werden ein Erfolg

  • 2003–2007

    Gouverneur von Massachusetts

  • Februar 2007

    Romney unterliegt im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur dem Republikaner John McCain

  • April 2011

    Romney kündigt an, sich erneut um die Präsidentschaftskandidatur in seiner Partei zu bewerben

Welche anderen Parallelen sehen Sie?

Merkel und Romney scheinen beide, den Kräften des freien Marktes zu vertrauen. Beide kämpfen für den Freihandel, für unternehmerfreundliche Politik. Das heißt nicht, dass man sich alles gefallen lässt und etwa die Banken einen Freifahrtsschein für Spekulationen ausstellt oder Chinas Patente-Klau wortlos hinnimmt. Ich spreche hier etwa vom Freiheits-Begriff, von flexiblen Arbeitszeitmodellen und der Lockerung des Kündigungsschutzes.

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