Russland: Beam mich hoch, Putin!

Russland: Beam mich hoch, Putin!

, aktualisiert 22. Juni 2016, 18:28 Uhr
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Russland will innerhalb von 20 Jahren Hochtechnologien wie Quanteninformatik und Teleportation entwickeln. Vor allem aber geht es ums Abkapseln.

von André BallinQuelle:Handelsblatt Online

Wie bei Star Trek will der Kreml Hochtechnologien entwickeln, die den meisten bisher eher aus Science-Fiction-Filmen bekannt sind: Quanteninformatik und Teleportation. Aber Russland geht es eigentlich um etwas anderes.

MoskauFantastisch: Russland wandelt auf den Spuren von Star Trek und will innerhalb von 20 Jahren Hochtechnologien entwickeln, die den meisten Menschen bisher allenfalls aus Science-Fiction-Filmen bekannt sind. Darunter sind Quanteninformatik und – laut einem Zeitungsbericht – sogar Teleportation. Vor allem aber geht es ums Abkapseln.

Das Programm steht unter dem Namen „Nationale technologische Initiative“ (NTI) und wurde auf Anweisung von Präsident Wladimir Putin von der „Agentur für strategische Initiativen“ ausgearbeitet. Am Mittwoch hat sich eine Regierungskommission unter Leitung von Vizepremier Arkadi Dworkowitsch mit den Perspektiven der nächsten russischen Revolution – einer technologischen – beschäftigt.

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Obwohl die Pläne bis in das Jahr 2035 reichen, geht es in der Diskussion zunächst um die Finanzierung bis 2018. Und die ist mit 10,8 Milliarden Rubel (umgerechnet 150 Millionen Euro) angesichts der hochfliegenden Pläne noch relativ bescheiden.

Immerhin geht es um den Aufbau und die Verschlüsselung von Informationstechnologien und cyber-physischen Systemen (CPS). CPS bezeichnet die Fusion von Software mit mechanischen Elementen, laut NTI-Dokument fallen darunter „Roboter, medizinische Implantate, fahrerlos gesteuerte Autos und Flugzeuge“. Angesichts des teilweisen Rückstandes, den Russland im Bereich Maschinen-, Fahrzeugbau und Medizintechnik aufweist, ist das ein durchaus ambitioniertes Ziel.

Als erster Schritt soll in einer Reihe von russischen Regionen ein Mobilfunknetz der nächsten Generation (5G) aufgebaut werden, das Datenübertragungen von bis zu einem Gigabit pro Sekunde ermöglicht. Daneben sollen russische Programmierer in den nächsten zehn Jahren einen eigenen Code „zur sicheren und effizienten parallelen Programmierung“ entwickeln und ein Netz gegen Cyberkriminalität aufbauen.

Cyberkriminalität ist heute in Russland eigentlich noch kein großes Thema – im Gegensatz zur westlichen Welt, wo oft das Schreckgespenst des „russischen Hackers“ heraufbeschworen wird. Experten schätzen den Verlust für das russische BIP derzeit auf 0,1 Prozent (zum Vergleich: Deutschland verliert dadurch 1,6 Prozent). Bis 2035 soll der Einfluss der Cyberkriminalität auf das russische BIP auf die Hälfte gedrückt werden.


Abschottung des russischen Internets?

In der Welt der Globalisierung setzt Moskau dabei auf eine eigenständige Programmiersprache und die Speicherung persönlicher Daten und biometrischer Erkennungsmerkmale in nationalen Datenbanken. Es besteht der Verdacht, dass diese Schritte am Ende in die gleiche Richtung gehen wie die jüngst von Alexander Bastrykin, dem Chef des russischen Ermittlungskomitees, erhobene Forderung nach einer Abschottung des russischen Internets.

Nach dieser Abkapselung vor mutmaßlichen äußeren Gefahren ist dann der technische Durchbruch mit der Einführung von Quantencomputern, Schnittstellen zwischen menschlichem Gehirn und Computern und, wie die Tageszeitung „Kommersant“ aus dem Dokument zitiert, sogar Teleportation geplant.

Nachdem die Meldung über Teleportation durch alle russischen Medien gegangen war, sah sich Dmitri Peskow, ein Mitarbeiter der Agentur für strategische Initiativen (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Kremlsprecher), am Mittwochnachmittag zu einer Präzisierung genötigt: Es gehe dabei nicht um den Transport von Körpern oder Energie, gemeint sei vielmehr „Quantenteleportation. Sie können eine Meldung von Punkt A nach Punkt B weiterleiten, ohne dass diese gehackt werden kann“, sagte Peskow.

Gebeamt werden also keine Personen, sondern Nachrichten und Befehle. Wichtig sei dies bei der Fernsteuerung unbemannter Objekte, erläuterte Peskow. „Stellen Sie sich vor, dass über einer Megacity wie Moskau gleichzeitig 100.000 Drohnen schweben. Sie alle müssen miteinander und mit der Erde koordiniert werden und die Verbindung muss sicher. Ansonsten kommt so ein junger Hacker und alle Drohnen fliegen in die Richtung, die er bestimmt“, sagte er. Laut Peskow gibt es bereits erste erfolgreiche Modelle. Derzeit ist die Reichweite solcher Quantenteleportationen aber noch stark begrenzt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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