Russland: Das ist Putins neuer Chef-Gardist

Russland: Das ist Putins neuer Chef-Gardist

, aktualisiert 06. April 2016, 17:35 Uhr
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Der frühere Leibwächter des russischen Präsidenten, Viktor Solotow, wird Chef der neuen Nationalgarde. Auch er war früher beim KGB. (Archivbild)

von André BallinQuelle:Handelsblatt Online

Der Putin-Vertraute Viktor Solotow soll die neue russische Nationalgarde führen. Der einstige KGB-Mitarbeiter war früher Leibwächter von Russlands Präsidenten – und er ist mit einem weiteren mächtigen Mann befreundet.

MoskauIn Russland entsteht eine neuer Sicherheitsapparat: Präsident Wladimir Putin hat die Gründung einer Nationalgarde angekündigt. Leiter der künftigen Elite-Truppe wird sein Ex-Leibwächter Viktor Solotow, der Mann also, der Putin jahrelang körperlich am nächsten stand. Interessant ist, dass Solotow zugleich als Bindeglied im Kreml zum tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow gilt, den Oppositionsführer Ilja Jaschin als „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ Russlands bezeichnet hat.

Die Nationalgarde solle „Terrorismus und organisierte Kriminalität“ bekämpfen und die öffentliche Ordnung sicherstellen, sagte Putin bei einem Treffen mit Innenminister Wladimir Kolokolzew und anderen Vertretern der Sicherheitsbehörden.

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Für Aufsehen sorgte in Russland die Meldung, dass Beamte der Nationalgarde im Notfall ohne Vorwarnung schießen dürfen. Außerdem soll es den Streitkräften erlaubt sein, physische Gewalt anzuwenden, um illegale Demonstrationen aufzulösen. Mehrere politische Beobachter werten die Gründung der Nationalgarde als zusätzliche Absicherung des Kremls vor den bevorstehenden Parlamentswahlen im Herbst. Vor fünf Jahren, nach der Duma-Wahl 2011, war es in Russland zu massiven Protesten gekommen. Die Opposition sprach von grober Wahlfälschung, nachdem die Kremlpartei „Einiges Russland“ sich nur knapp die Mehrheit der Stimmen im Parlament sichern konnte.

Wer ist also dieser Viktor Solotow, von dem im Westen so gut wie nichts bekannt ist? Solotow stammt wie Putin aus den Reihen des Geheimdienstes KGB. Der 62-Jährige, im Gebiet Rjasan unweit von Moskau geborene General, fand nach dem obligatorischen Wehrdienst zum KGB. Seit den 1970er-Jahren arbeitete er dort in der so genannten 9. Verwaltung, die für den Personenschutz hochrangiger Partei- und Staatsfunktionäre verantwortlich ist. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion fand er in St. Petersburg eine neue Anstellung als Leibwächter von Bürgermeister Anatoli Sobtschak – und dessen Stellvertreter Wladimir Putin.

Als letzterer dann in Moskau Karriere machte, nahm er Solotow in den Kreml mit. Als „Schatten“ Putins bezeichnen ihn einige Medien daher auch. Von 2000 bis 2013 leitete er den Sicherheitsdienst Putins, sowohl während dessen Präsidentenzeit, als auch während seines vierjährigen Intermezzos als Premier. Diese Rochade verdeutlicht, dass Solotow mehr als ein Präsidentenleibwächter war. Er war der persönliche Leibwächter Putins.


Solotow hat von der Nähe zu Putin profitiert

Solotow leitet seit 2014 die bewaffneten Truppen des Innenministeriums, auf deren Basis nun die Nationalgarde aufgebaut werden soll. Eine Zeitlang war Solotow als neuer Innenminister oder gar Direktor des Geheimdienstes FSB gehandelt worden. Daraus wurde nichts – wegen Rivalitäten zum so genannten Patruschew-Clan, zu dem auch der aktuelle Geheimdienstchef Alexander Bortnikow zählen soll. Nikolai Patruschew, FSB-Direktor von 1999 bis 2008, ist seither Sekretär des nationalen Sicherheitsrats.

So bekommt Solotow nun stattdessen seine eigene Einheit. Mit einer Stärke von bis zu 400.000 Mann besitzt sie durchaus Einflusspotenzial. Zu deren Aufgaben zählt nicht nur die Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit, z.B. bei Protestdemonstrationen, sondern auch mögliche Kampfeinsätze im Innern des Landes. So wurden die Innenministeriumstruppen in beiden Tschetschenienkriegen eingesetzt.

Solotow hat – laut der kremlkritischen „Nowaja Gaseta“ – vom Vertrauen Putins durchaus profitiert. Solotows Sohn Roman verbindet erfolgreich einen Leitungsposten in einem staatlichen Personen- und Objektschutzunternehmen mit der Tätigkeit als privater Bauunternehmer. Viele Grundstücke Solotows liegen in auffälliger Nähe zu offiziellen Residenzen, sei es in Sotschi, in Waldai auf halber Strecke zwischen Moskau und St. Petersburg oder nahe Gelendschik am Schwarzen Meer, wo vor wenigen Jahren der Skandal um einen angeblichen Palast Putins auftauchte. Der Wert der Solotow-Immobilien beträgt mehrere Millionen Euro.

Auch mit Tschetscheniens Oberhaupt Ramsan Kadyrow verbindet Solotow eine enge Freundschaft. Solotow soll für Kadyrow nach dem Anschlag auf dessen Vater Achmat Kadyrow 2004 in Grosny ein Treffen mit Putin im Kreml organisiert haben. Dieses Treffen gilt nicht wenigen als Unterpfand für Kadyrows späteren politischen Aufstieg, der schließlich die Nachfolge seines Vaters in Tschetschenien antrat.

Während Kadyrow nach der Ermordung des Oppositionspolitikers Boris Nemzow im Februar 2015 unter Druck der Ermittlungsbehörden geriet, weil mehrere tschetschenische Sicherheitsbeamte als Tatverdächtige gelten, besuchte Solotow kurz darauf Grosny zu einer offiziellen Inspektion der Sicherheitskräfte in Tschetschenien und wurde dabei von Kadyrow auch im Familienkreis empfangen. Der Besuch galt als Signal dafür, dass Kadyrow weiterhin das Vertrauen Putins genießt.


Quelle:  Handelsblatt Online
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