Russland: Ende einer Hoffnung

Russland: Ende einer Hoffnung

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Das von RWE und anderen Konzernen geplante Pipeline-Projekt ist zunächst geplatzt.

Der Krieg in Georgien hat die Abhängigkeit der europäischen Energieversorgung von Russland dramatisch erhöht.

Der Fünftagekrieg im Kaukasus war auch ein Pipelinekrieg, obwohl alle Transportwege für Öl oder Gas unbeschädigt blieben.

Das fing mit einer Pipeline an, die in Westeuropa keiner beachtet hat: Wie die oppositionelle Moskauer Journalistin Julia Latynina herausfand, hat die russische Regierung dem abtrünnigen georgischen Gebiet Südossetien 570 Millionen Dollar spendiert. Mit dem Geld wurden die 70.000 bettelarmen Einwohner der Provinz an das russische Erdgasnetz angeschlossen: einer der Gründe für das unbedachte kriegerische Abenteuer des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili.

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Europa muss jetzt eine Hoffnung auf mehr Unabhängigkeit vom russischen Energiegiganten abschreiben. Denn Georgien ist der einzige Durchgangsweg von Öl- und Gaslieferungen aus den Lieferländern rund um das Kaspische Meer, wenn Russland umgangen werden soll und solange der Iran aus politischen Gründen ausfällt. Damit rückt Europas klassische Ölquelle wieder in weite Ferne.

Denn Baku am Kaspischen Meer war schon vor über Hundert Jahren eine Weltmetropole der Ölproduktion. Seit dem Ende der Sowjetunion ist der britische Konzern wieder in der aserbaidschanischen Hauptstadt und fördert Öl und Gas, heute vor allem unter dem Boden des großen Binnenmeers. Chevron aus den USA, StatOil aus Norwegen und viele andere sind gefolgt. Gefördert und exploriert wird auch immer mehr auf der Ostseite des Meeres, in Kasachstan und Turkmenistan.

Projekt Nabucco hat seinen Reiz verloren

Seit zwei Jahren transportiert die neue Pipeline von Baku nach Ceyhan Tag für Tag ungefähr ein Prozent des weltweiten Erdölbedarfs Richtung Mittelmeer.

Größter Anteilseigner nach BP ist der aserbaidschanische Staatskonzern Socar, dem auch die Anlagen im georgischen Schwarzmeerhafen Kulevi gehören. Die russische Armee hat während des Krieges Kulevi angegriffen und den benachbarten Hafen Poti bombardiert. Batumi, der dritte georgische Ölhafen, mehrheitlich im Besitz des Staatskonzerns KazMunayGaz, blieb unversehrt.

Wie Öl und Gas vom Kaspischen Meer den Weltmarkt erreichen sollen - und warum Georgien so wichtig ist (zum Vergrößern der Grafik klicken Sie bitte auf das Lupen-Symbol unten rechts)

Wie Öl und Gas vom Kaspischen Meer den Weltmarkt erreichen sollen - und warum Georgien so wichtig ist (zum Vergrößern der Grafik klicken Sie bitte auf das Lupen-Symbol unten rechts)

Nur zwei Tage war die BTC-Pipeline während des Krieges unterbrochen, aber von sicheren Transportwegen durch Georgien ist keine Rede mehr. Aus dem eigentlich fest geplanten Ausbau der wenig leistungsfähigen Erdgaspipeline parallel zu der Ölleitung wird kaum noch etwas werden.

Und damit hat auch das Projekt Nabucco seinen Reiz verloren. RWE und fünf Partner aus Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Türkei planen bislang den Bau einer gigantischen Gaspipeline von Erzurum ins Zentrum Europas.

30 Milliarden Kubikmeter soll Nabucco im Jahr transportieren. Doch erst einmal müsste das Gas die Türkei erreichen. Wie das jetzt noch gehen soll, weiß niemand.

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