_

Russland: Ende einer Hoffnung

von Hansjakob Ginsburg und Christian Schaudwet

Der Krieg in Georgien hat die Abhängigkeit der europäischen Energieversorgung von Russland dramatisch erhöht.

Das von RWE und anderen Quelle: AP
Das von RWE und anderen Konzernen geplante Pipeline-Projekt ist zunächst geplatzt. Quelle: AP
Anzeige

Der Fünftagekrieg im Kaukasus war auch ein Pipelinekrieg, obwohl alle Transportwege für Öl oder Gas unbeschädigt blieben.

Das fing mit einer Pipeline an, die in Westeuropa keiner beachtet hat: Wie die oppositionelle Moskauer Journalistin Julia Latynina herausfand, hat die russische Regierung dem abtrünnigen georgischen Gebiet Südossetien 570 Millionen Dollar spendiert. Mit dem Geld wurden die 70.000 bettelarmen Einwohner der Provinz an das russische Erdgasnetz angeschlossen: einer der Gründe für das unbedachte kriegerische Abenteuer des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili.

Europa muss jetzt eine Hoffnung auf mehr Unabhängigkeit vom russischen Energiegiganten abschreiben. Denn Georgien ist der einzige Durchgangsweg von Öl- und Gaslieferungen aus den Lieferländern rund um das Kaspische Meer, wenn Russland umgangen werden soll und solange der Iran aus politischen Gründen ausfällt. Damit rückt Europas klassische Ölquelle wieder in weite Ferne.

Denn Baku am Kaspischen Meer war schon vor über Hundert Jahren eine Weltmetropole der Ölproduktion. Seit dem Ende der Sowjetunion ist der britische Konzern wieder in der aserbaidschanischen Hauptstadt und fördert Öl und Gas, heute vor allem unter dem Boden des großen Binnenmeers. Chevron aus den USA, StatOil aus Norwegen und viele andere sind gefolgt. Gefördert und exploriert wird auch immer mehr auf der Ostseite des Meeres, in Kasachstan und Turkmenistan.

Projekt Nabucco hat seinen Reiz verloren

Seit zwei Jahren transportiert die neue Pipeline von Baku nach Ceyhan Tag für Tag ungefähr ein Prozent des weltweiten Erdölbedarfs Richtung Mittelmeer.

Größter Anteilseigner nach BP ist der aserbaidschanische Staatskonzern Socar, dem auch die Anlagen im georgischen Schwarzmeerhafen Kulevi gehören. Die russische Armee hat während des Krieges Kulevi angegriffen und den benachbarten Hafen Poti bombardiert. Batumi, der dritte georgische Ölhafen, mehrheitlich im Besitz des Staatskonzerns KazMunayGaz, blieb unversehrt.

Wie Öl und Gas vom Kaspischen Meer den Weltmarkt erreichen sollen - und warum Georgien so wichtig ist (zum Vergrößern der Grafik klicken Sie bitte auf das Lupen-Symbol unten rechts)
Wie Öl und Gas vom Kaspischen Meer den Weltmarkt erreichen sollen - und warum Georgien so wichtig ist (zum Vergrößern der Grafik klicken Sie bitte auf das Lupen-Symbol unten rechts)

Nur zwei Tage war die BTC-Pipeline während des Krieges unterbrochen, aber von sicheren Transportwegen durch Georgien ist keine Rede mehr. Aus dem eigentlich fest geplanten Ausbau der wenig leistungsfähigen Erdgaspipeline parallel zu der Ölleitung wird kaum noch etwas werden.

Und damit hat auch das Projekt Nabucco seinen Reiz verloren. RWE und fünf Partner aus Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Türkei planen bislang den Bau einer gigantischen Gaspipeline von Erzurum ins Zentrum Europas.

30 Milliarden Kubikmeter soll Nabucco im Jahr transportieren. Doch erst einmal müsste das Gas die Türkei erreichen. Wie das jetzt noch gehen soll, weiß niemand.

14 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.07.2009, 20:37 UhrAnonymer Benutzer: Kelm

    @Gordon.

    Lieber Herr Gordon, sie vergessen das die meisten russen die aus russland auswandern deutsche sind, oder mit deutschem ursprung.
    und weshalb einige in die USA auswandern liegt lediglich daran das man in russland nicht so einfach leben kann.
    man muss schon jemand sein um dort zu überleben.
    und ich weiß das halb deutschland unter solchen umständen untergehen würde.
    und genau wegen solchen wie sie kommen wir nicht voran.
    weil fast alle noch russland als einen gegner aus dem zweiten welt krieg sehen.
    wir haben immer versucht unsere verhältnisse mit europa zu verbessern.
    aber solange es die nato gibt die ja schon lange überflüssig ist, werden wir nicht miteinander klarkommen.

  • 24.08.2008, 19:38 UhrAnonymer Benutzer: reinhard

    baumann hat recht. Wir müssen gemeinsame alternatieven mit Russland suchen und zusammen leben, das ist sehr reiche Land, Sie bitten uns selbst Freundschaft, Sie haben noch Nie erste zu jemand eingebrochen. Aber USA-Politiker überall in Welt mischen sich ein, egal wo, gehört es zu NATO-Land oder nict - das ist echte Durst nach Welt-Macht. Mann mus nur umschauen, und ehrlich sein: "Wieviel Feinde in der Welt hat NATO." -Aber Sie machen weiter so, und manche Politiker machen mit, -von solche Führung entsteht Terror, und sie ziehen bevölkerung in Abgrund.

  • 22.08.2008, 13:57 UhrAnonymer Benutzer: Politiker einmal ganz anders!

    "Georgiens Präsident mit den Nerven am Ende! Kaut im TV auf seiner Krawatte herum!"

    Das habe ich gerade bei:

    "das-bewegt-die-welt.de"

    gefunden! Es ist zumindest zu sehen, dass sich da Politiker noch Gedanken und Sorgen machen und nicht nur kalt das Drama von oben verwalten!

Alle Kommentare lesen

Blogs

Bettler im Bellevue
Bettler im Bellevue

Der Fall Wulff zeigt, was passiert, wenn klare Grenzen zwischen Staat und Unternehmen, Politik und Geld verwischen. So...

weitere Fotostrecken