Russland: "Kühlen Kopf bewahren"

Russland: "Kühlen Kopf bewahren"

Bild vergrößern

Der Energieminister der Russischen Förderation, Sergej Schmatko

von Henning Krumrey

Der russische Energieminister Sergej Schmatko will die Ölfördermenge nicht ausweiten, auch wenn die Libyen-Krise den Ölpreis weiter treibt.

WirtschaftsWoche: Herr Minister, die Libyen-Krise treibt den Ölpreis. Wird Russland die Produktion steigern, um den Anstieg zu dämpfen?

Schmatko: Dass die Preise steigen, liegt an der Furcht vor einer möglichen Knappheit. Aber das ist nur ein kurzfristiger Eindruck. Ich habe keine Sorge, dass Libyen kein Öl mehr liefern wird. Jetzt müssen alle einen kühlen Kopf bewahren. Wenn unsere Partner mit der Bitte an uns herantreten, langfristige Lieferverträge abzuschließen, sind wir bereit, ihnen entgegenzukommen.

Anzeige

Russland wird sich an einer kurzfristigen Krisenhilfe also nicht beteiligen?

Nein, wir sind an langfristigen Vereinbarungen interessiert. Meine Empfehlung an die europäischen Abnehmer lautet: Schließen Sie langfristige Verträge ab, und sichern Sie sich gegen zu hohe Schwankungen des Ölpreises ab. Mit China haben wir gerade einen Vertrag über die Lieferung von 15 Millionen Tonnen jährlich abgeschlossen, mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Im Gegenzug hat China einen Kredit von 25 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt, mit dem wir unter anderem eine neue Pipeline bauen und neue Vorkommen erschließen.

Ist die aktuelle Ölkrise eine Chance für Russland?

Unseren Marktanteil in Europa zu erhöhen ist eine Frage, die unsere Unternehmen beantworten müssen. Wir wollen langfristige Verträge abschließen, denn wir müssen die Produktion planen, Raffinerien bauen und die Verarbeitung sicherstellen. Es ist sinnvoll, die Verarbeitung nah am Kunden zu organisieren. Deshalb sind wir am Kauf von Raffinerien in Europa – auch in Deutschland – interessiert.

Mit der EU streiten Sie sich derzeit wegen der Gas-Pipeline Nordstream durch die Ostsee. Wie geht es weiter?

Die Pipeline kann 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr transportieren – und die gesamte Menge ist für 20 Jahre bereits verkauft. Nun geht es um die Weiterleitung von Greifswald durch die neuen Anschlussleitungen NEL und OPAL. Wir sollen den Besitz aufgeben, damit Dritte Zugang erhalten. Aber es gibt gar keinen Dritten, der Gas durch die Pipelines leiten könnte.

Was schlagen Sie vor?

Da NEL und OPAL nur neue technische Anschlüsse für die grenzüberschreitende Nordstream-Pipeline sind, könnte man sie anders behandeln als inner- und transeuropäische Netze. Dann müssten wir den Besitz nicht aufgeben – zumindest solange unsere Kredite laufen. Das ließe sich in einem Abkommen zwischen der EU und Russland regeln.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%