Russland-Sanktionen: Exporte nach Russland extrem eingebrochen

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Russland-Sanktionen: Exporte nach Russland extrem eingebrochen

Um eine Milliarde Euro ist das deutsche Exportvolumen nach Russland im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken. Es ist der heftigste Einbruch seit 2009, den selbst Experten so nicht erwartet hatten.

Die deutschen Exporte nach Russland brechen wegen der westlichen Sanktionen immer stärker ein. Die Warenausfuhren summierten sich im Januar auf nur noch 1,44 Milliarden Euro - das sind gut eine Milliarde Euro oder 35,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen. Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Oktober 2009, als die weltweite Finanzkrise die Ausfuhren drosselte.

"Damit schlägt die politische Krise infolge des Ukraine-Konflikts nunmehr voll auf die Wirtschaft und die gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen durch", sagte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes.

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Die Sanktionen der EU und USA gegen Russland

  • Banken

    Die EU erschwert den Zugang zu den EU-Finanzmärkten für russische Banken. Gilt für alle Banken mit einem staatlichen Anteil von mindestens 50 Prozent. Sie können auf den EU-Kapitalmärkten keine neuen Wertpapiere oder Aktien von russischen Unternehmen mehr verkaufen.

    In den USA fallen drei weitere Banken im russischen Staatsbesitz unter die Strafmaßnahmen, damit sind es nun fünf von sechs: Die Bank von Moskau, die Russische Landwirtschaftsbank und die VTB Bank kamen hinzu. Ihnen wird der Zugang zu mittel- und langfristiger Dollarfinanzierung für Russland erschwert. Sie dürfen aber weiter in den USA operieren.

  • Waffen

    Die EU verbietet künftige Rüstungslieferungen. Betroffen sind alle Güter, die auf einer entsprechenden Liste der EU stehen. Gilt nicht für bereits unterzeichnete Verträge, also auch nicht für die Lieferung von zwei französischen Hubschrauberträgern im Wert von 1,2 Milliarden Euro an Russland.

    In den USA wurde die United Shipbuilding Corporation (größtes russisches Schiffsbau-Unternehmen) zu den bislang acht auf der Sanktionsliste stehenden Firmen im Verteidigungssektor ergänzt. Die Unternehmen dürfen nicht mehr das US-Finanzsystem nutzen oder mit amerikanischen Bürgern Geschäfte machen.

  • Technologie

    Die EU verbietet den Export von bestimmten Hochtechnologiegütern an das Militär. Gilt beispielsweise für Verschlüsselungssysteme sowie für Hochleistungscomputer.

  • Energie

    Die EU untersagt die Ausfuhr für Spezialtechnik zur Ölförderung. Zielt auf Geräte, die für Ölbohrung und -förderung beispielsweise in der Arktis gebraucht werden.

    Auch in den USA gelten für Unternehmen aus der Ölbranche eingeschränkte Importmöglichkeiten für Technik zur Erschließung von Ölquellen in tiefen Gewässern, vor der arktischen Küste oder in Schiefergestein. Die aktuelle Energieproduktion werde damit aber nicht beeinträchtigt.

Er forderte angesichts des "rekordverdächtigen Rückgangs" verstärkte diplomatische Anstrengungen, damit der Ukraine-Konflikt entschärft werde. "Eine zunehmende wirtschaftliche Entflechtung Russlands von Deutschland und der EU kann nicht in unserem Interesse liegen", sagte Cordes. "Alte Aufträge sind abgearbeitet, neue Handelsgeschäft werden durch die Rubel-Schwäche infolge des niedrigen Ölpreises und durch die Wirtschaftssanktionen erschwert." Russische Unternehmen kämen nur noch schwer an Kredite, deutsche Firmen hielten sich mit Investitionen zurück.

Große Konsequenzen zeigten sich im schwächelnden Russlandgeschäft jetzt beim deutschen Maschinenbau-Unternehmen Vakoma. Wie das Amtsgericht auf Anfrage bestätigte, hat das Unternehmen aus Halle Insolvenz angemeldet. Laut der "Magdeburger Volksstimme" war das Unternehmen vor allem auf den russischen Markt spezialisiert.

Auch Importe sinken deutlich

Der heftige Einbruch des deutschen Russland-Exporte kommt zum Jahresauftakt trotz aller Vorbedingungen überraschend, sagen Experten für 2015 doch einen nicht mehr ganz so starken Rückgang voraus. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet bislang ein Minus von maximal 15 Prozent, nachdem die Ausfuhren 2014 um mehr als 18 Prozent auf 29,3 Milliarden Euro gefallen waren. Deutschland liefert vor allem Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte nach Russland.

Weitere Artikel

Die Europäische Union hatte nach der Krim-Annexion Sanktionen gegen Russland verhängt, die wegen des Kampfes prorussischer Separatisten in der Ostukraine mehrfach verschärft wurden. Russland steckt zudem in der Rezession, während die heimische Währung Rubel kräftig abgewertet hat. Damit gehen enorme Kaufkraftverluste russischer Abnehmer einher, die ebenfalls die Nachfrage nach deutschen Waren drückt.

Deutschen exportiert nicht nur weniger nach Russland, sondern importiert auch weniger aus dem Schwellenland. Die Einfuhren brachen im Januar ebenfalls um gut ein Drittel auf knapp 2,5 Milliarden Euro ein.

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