Russland und die USA: „Der Pakt mit dem Teufel“

Russland und die USA: „Der Pakt mit dem Teufel“

, aktualisiert 04. Oktober 2016, 14:09 Uhr
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Russland wirft den USA den Pakt mit den Terroristen vor: „Bei uns festigt sich der Eindruck, dass Washington in seinem Streben nach einem Machtwechsel in Syrien einen „Pakt mit dem Teufel“ eingeht“, teilte das Außenministerium in Moskau mit.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Syrien-Diplomatie eskaliert endgültig zum Streit zwischen Russland und den USA. Moskau macht der Obama-Regierung harsche Vorwürfe: Kooperation mit Terroristen. Unter der Auseinandersetzung muss nun Syrien leiden.

MoskauNach dem Scheitern der Gespräche zwischen den USA und Russland rückt eine diplomatische Lösung des syrischen Bürgerkrieges in weite Ferne. Die Führung in Moskau macht den USA harsche Vorwürfe: „Die Entscheidung Washingtons zeigt, dass die Regierung von Barack Obama nicht in der Lage ist, die Schlüsselbedingungen für unsere Zusammenarbeit im Interesse einer Beendigung des Syrien-Konflikts zu erfüllen“, teilte das Außenministerium in Moskau in der Nacht zum Dienstag mit. „Oder sie hatte nie die Absicht.“

Zugleich warf Russland den USA vor, absichtlich zu wenig im Kampf gegen Terroristen in Syrien zu tun. Die USA hätten niemals ernsthaften Druck auf die Fatah-al-Scham-Front (früher: Al-Nusra-Front) gemacht, hieß es. „Bei uns festigt sich der Eindruck, dass Washington in seinem Streben nach einem Machtwechsel in Syrien einen 'Pakt mit dem Teufel' eingeht.“

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Bisherige Waffenruhen hätten die Terroristen zuletzt gestärkt. Sie hätten sich neu aufgestellt und Waffen erhalten, kritisierte das Ministerium. Russland ist einer der engsten Verbündeten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad und unterstützt seine Armee seit einem Jahr mit Luftangriffen.

In der Nacht hatten die USA die direkten Gespräche mit Russland über eine Waffenruhe in Syrien vorübergehend auf Eis gelegt. Russland sei seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen, begründete das Außenministerium in Washington am Montag den Schritt. Die USA hätten sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Die Verhandlungen standen bereits auf der Kippe. Erst am Donnerstag hatten die USA Russland mit dem Abbruch der diplomatischen Zusammenarbeit in Syrien gedroht.

Vor rund zwei Wochen war eine Waffenruhe in Syrien gescheitert. Die Kämpfe flammten wieder auf, nachdem die US-geführte Koalition versehentlich Stellungen der syrischen Armee aus der Luft angegriffen hatte und einige Tage später ein Hilfskonvoi bombardiert worden war. Die USA werfen Russland und der syrischen Führung vor, den Angriff auf die unbewaffneten Helfer angeordnet zu haben. Russland weist die Vorwürfe zurück. Nach der Feuerpause leiteten die syrischen Einheiten eine Großoffensive auf Aleppo ein, die von Russland unterstützt wird.


Verlegt Russland eine Luftabwehreinheit nach Syrien?

Der Konflikt in Syrien war vor rund fünfeinhalb Jahren ausgebrochen. Nach friedlichen Demonstrationen eskalierte er in einen Stellvertreterkrieg mit internationalem Ausmaß. Eine Vielzahl Akteure mit vielen unterschiedlichen Zielen machen eine Lösung besonders schwierig.

Während die diplomatischen Drähte zwischen Moskau und Washington erst einmal gekappt wurden, sollen die militärischen Absprachen laut US-State Department weitergehen, um Zwischenfälle zu vermeiden. Angesichts des gegenseitigen Misstrauens ist die Gefahr tatsächlich hoch – und womöglich ist sie gerade weiter gestiegen.

Einem Medienbericht nach soll Russland nämlich eine Luftabwehreinheit vom Typ S-300 „Antej-2500“ nach Syrien verlegt haben. Diese sind in der Lage, Flugobjekte – darunter vor allem Marschflugkörper – in einem Radius von 250 Kilometer zu vernichten.

Moskau hat diese Information bislang nicht kommentiert. Bekannt ist, dass Russland nach dem Abschuss seines Kampfflugzeugs Su-24 durch einen türkischen Jet nahe der syrisch-türkischen Grenze bereits im vergangenen Herbst eine Luftabwehrdivision des Typs S-400 zum Schutz der eigenen Militärbasis in der Provinz Latakia stationiert hat.

Die Verlegung weiterer Einheiten ist eine Demonstration der Stärke, die klar an die USA gerichtet ist: Weder die IS-Milizen, noch die Al-Nusra-Front, deren Bekämpfung sich offiziell beide Seiten auf die Fahnen geschrieben haben, verfügen über Marschflugkörper.

Der Konflikt in Syrien war vor rund fünfeinhalb Jahren ausgebrochen. Nach friedlichen Demonstrationen eskalierte er in einen Stellvertreterkrieg mit internationalem Ausmaß. Eine Vielzahl Akteure mit vielen unterschiedlichen Zielen machen eine Lösung besonders schwierig.

Quelle:  Handelsblatt Online
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