Russland-Wahl: Für immer Putin?

Russland-Wahl: Für immer Putin?

, aktualisiert 09. Dezember 2017, 16:34 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Alte Bekannte, Quereinsteiger und erbitterte Rivalen: Die Konkurrenz für Kremlchef Putin bei der Wahl im Frühjahr 2018 ist vielfältig – zumindest auf dem Papier. Doch ihre Chancen scheinen nicht besonders hoch.

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Der russische Präsident muss bei der Wahl im kommenden Jahr keine Konkurrenz fürchten.

MoskauIn rund 100 Tagen wird in Russland gewählt. Kremlchef Wladimir Putin muss eigentlich keine Niederlage fürchten. Seine Beliebtheitswerte sind so hoch wie es Politiker in anderen Ländern nur zu träumen wagen. Ein paar Russen wollen dennoch Wahlkampf gegen den Langzeitpräsidenten führen – trotz schwindend geringer Erfolgschancen.

Wladimir Schirinowski

Der Skandalpolitiker ist bekannt fürs Rumpoltern, Pöbeln – und für seine zahlreichen erfolglosen Versuche, in das Amt des Präsidenten gewählt zu werden. Den Namen des Rechtspopulisten fand man bereits fünf Mal auf der Wahlliste. Seinen größten Erfolg hatte der Duma-Abgeordnete 2008 mit rund neun Prozent. „Neben Putin bin ich der einzige echte Kandidat“, sagt Schirinowski dennoch erfolgssicher. Trotz deftiger nationalistischer Parolen gilt der 71-Jährige als verlässlicher Verbündeter des Kremls.

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Grigori Jawlinski

Seit knapp 25 Jahren kämpft er mit seiner linksliberalen Partei Jabloko für eine gerechtere Politik. Dabei hat der 65-Jährige schon etliche Niederlagen einstecken müssen. Zwei Mal kandidierte er erfolglos bereits für das Amt des Kremlchefs; 2012 zerschlug die Wahlkommission seine Ambitionen wegen angeblich gefälschter Unterschriften. Seine Partei flog 2007 aus dem Parlament. Nun will er wieder zur Wahl antreten. Wenn es nach dem Politik-Urgestein gehen soll, muss der Staat die Wirtschaft intelligenter steuern. „Wer sich als Supermacht behaupten will, muss erst mal eine sein“, heißt es auf der Webseite.

Gennadi Sjuganow

Der Kommunistenchef kann wie bei seinen vergangenen vier Wahlversuchen immerhin mit einem Treppchenplatz rechnen. In jüngsten Umfragen kommt der 73-Jährige mit vier Prozent Zustimmung noch auf den dritten Platz. Mehr erwartet er offenbar aber selbst nicht und er führt einen schwachen wie einfallslosen Wahlkampf mit den üblichen Forderungen nach einer Wiederherstellung der Sowjetunion. Seit langem sagt man ihm politische Zahnlosigkeit nach. Für politisch ambitionierte Zöglinge wolle er partout den Platz nicht frei machen, heißt es in Moskau.

Xenia Sobtschak

Für manche kam die Ankündigung der Mode-Ikone aus dem Nichts, andere sehen in ihr ein Polit-Projekt des Kremls. Jung, weiblich, eloquent – kann die liberale Journalistin so politikverdrossene Menschen für die Wahl begeistern? Die 36-Jährige will als unabhängige „Kandidatin gegen alle“ an den Start gehen. Inzwischen pilgert sie mit einem satten Wahlprogramm durch das Land. Sie kritisiert die Festnahme von Demonstranten, das Fehlen von Pluralismus und besonders die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim. Letzteres brachte ihr eine Überprüfung der Staatsanwaltschaft ein. Eine Revolution lehnt sie vehement ab.

Boris Titov

Er ist der Sekt-Lieferant des Kremls, mit seiner Edelmarke Abrau-Durso macht Titow einen Millionenumsatz. Der Oligarch führt die sogenannte Wachstumspartei an und will sich für kleine und mittlere Unternehmen sowie liberale Reformen einsetzen. Der 56-Jährige kennt Putin sehr gut, auf seinen Wunsch hin fungiert er als Ombudsmann für Unternehmerrechte. Die Zeitung „RBK“ geht davon aus, dass Titow als Wirtschaftsschwergewicht vom Kreml nun in den Ring geworfen wurde – auch um die Wahlkampfthemen zu diversifizieren.

Alexej Nawalny

Er reist seit Monaten durch Russland, eröffnet Wahlkampfbüros, mobilisiert junge Menschen – und trotzdem wird der Name des Bloggers nicht auf dem Wahlzettel stehen. Wegen einer Bewährungsstrafe darf der Kremlkritiker nicht als Kandidat antreten. Als ambitionierter Korruptionskämpfer wollte Nawalny die Staatsspitze herausfordern. Experten verweisen jedoch darauf, dass es dem 41-Jährigen an weiteren Inhalten fehlt. Nach zahlreichen von ihm angezettelten Massenprotesten wird er die Wahl wohl nur als Zaungast beobachten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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