San Bernardino: FBI stuft Bluttat als Terrorakt ein

San Bernardino: FBI stuft Bluttat als Terrorakt ein

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Das FBI behandelt den Angriff auf das Sozialzentrum im kalifornischen San Bernardino nun als Terrorakt.

Nach der Bluttat in San Bernardino rätselten die Behörden zunächst über das Motiv. Nun finden sie im Netz Querverbindungen zu Dschihadisten und gehen von einem terroristischen Hintergrund aus. Doch die Familie der Verdächtigen warnt vor voreiligen Schlüssen.

Die US-Bundespolizei FBI geht bei dem Angriff auf ein Sozialzentrum in Kalifornien nun offiziell von einem terroristischen Motiv aus. Das gab ein Sprecher am Freitag bei einer Pressekonferenz bekannt. Anwälte der Familie der mutmaßlichen Täter warnten indes vor voreiligen Schlüssen über Terrorverbindungen. Zuvor war aus Ermittlerkreisen verlautet, die mutmaßliche Attentäterin, die mit ihrem Mann auf einer Betriebsfeier 14 Menschen erschossen haben soll, habe der Terrormiliz Islamischer Staat über das Internet die Gefolgschaft geschworen.

Die aus Pakistan stammende Tashfeen Malik soll mit ihrem 28-jährigen Mann Syed Farook die Feier am Mittwoch schwer bewaffnet gestürmt und um sich geschossen haben. Dabei gab es neben den Toten auch 21 Verletzte. Zudem sollen die Täter Sprengsätze platziert haben, die aber nicht losgingen. Das Paar wurde vier Stunden nach der Tat von der Polizei erschossen.

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Fakten zum Terror im Irak

  • Wer verbirgt sich hinter ISIS/IS?

    Die Terrorgruppe ISIS („Islamischer Staat im Irak und in Syrien“) ist eine im Syrienkrieg stark gewordene Miliz. Die Gruppe steht seit 2010 unter Führung eines ambitionierten irakischen Extremisten, der unter seinem Kriegsnamen Abu Bakr al-Baghdadi bekannt ist. Die USA haben zehn Millionen Dollar auf seinen Kopf ausgesetzt. Ihm ist es in den vergangenen vier Jahren gelungen, aus einer eher losen Dachorganisation eine schlagkräftige militärische Organisation zu formen. Ihr sollen bis zu 10.000 Kämpfer angehören.

    Die Gruppe nannte sich Ende Juni in IS um, da sie die Einschränkung auf den Irak und Syrien aufheben wollte.

  • Was sind die Ziele von ISIS?

    ISIS sind Dschihadisten, Gotteskrieger. Sie kämpfen für eine strikte Auslegung des Islam und wollen ihr eigenes „Kalifat“ schaffen. Ihre fundamentalistischen Ziele verbrämt Isis bisweilen - wenn es in einzelnen Regionen gerade opportun erscheint. „Im Irak gerieren sie sich als Wahrer der sunnitischen Gemeinschaft“, weiß Aimenn al-Tamimi, ein Experte für die militanten Einheiten in Syrien und im Irak. „In Syrien vertreten sie ihre Ideologie und ihr Projekt weit offener.“ In der syrischen Stadt Rakka beispielsweise setzen die Extremisten ihre strikte Auslegung islamischer Gesetze durch. Aktivisten und Bewohner in der Stadt berichten, dass Musik verboten wurde. Christen müssen eine „islamische Steuer“ für ihren eigenen Schutz zahlen.

  • Welche Taktik verfolgt ISIS?

    Ihre Taktik ist eine krude Mischung von brutaler Gewalt und Anbiederung - alles zwischen Abschreckung durch das Köpfen von Feinden und Eiscreme für die Kinder in besetzen Gebieten. Das alles dient der Al-Kaida-Splittergruppe Isis nur zu einem Ziel: den Islamischen Staat im Irak und Syrien zu bilden, den ihr Name verheißt. Die Gruppe, der bis zu 10.000 Kämpfer angehören sollen, hat diese Woche die irakischen Städte Mossul und Tikrit überrannt und den Marsch auf Bagdad angekündigt.

  • Wie weit ist ISIS damit gekommen?

    Zu Jahresbeginn hatte Isis bereits die Stadt Falludscha und Teile der Provinz Anbar westlich von Bagdad unter ihre Kontrolle gebracht. Inzwischen hat ISIS maßgeblichen Einfluss auf ein Gebiet, das von der syrisch-türkischen Grenze im Norden bis zu einem Radius von 65 Kilometern vor der irakischen Hauptstadt reicht. Der einstige Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, den US-Truppen vor ihrem Abzug aus dem Irak 2011 besiegt zu haben meinten, blüht in einer neuen Inkarnation wieder auf. Dabei profitiert Isis von den Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten, die ihre sunnitische Anhängerschaft radikalisieren.

    Bislang drangen ISIS-Kämpfer bis zur Provinz Dijala knapp 60 Kilometer nördlich von Bagdad vor. Rund 50 Kämpfer sollen dort laut Medienberichten bei Gefechten mit der irakischen Armee getötet worden sein. Die Isis habe sich daraufhin zurückgezogen, hieß es. Mittlerweile haben die Kämpfer die Städte Dschalula und Sadija in der Provinz Dijala unter ihre Kontrolle gebracht. Die Städte liegen 125 beziehungsweise 95 Kilometer von Bagdad entfernt.

  • Wie finanziert sich ISIS?

    Nach dpa-Informationen erbeuteten ISIS-Kämpfer in Mossul 500 Milliarden irakische Dinar (318 Millionen Euro) in der Zentralbank. Damit wird Isis zur reichsten Terrororganisation vor Al-Kaida. Experten schätzen das Vermögen der Al-Kaida auf 50 Millionen bis 280 Millionen Euro. Auch schweres Kriegsgerät soll ISIS erbeutet haben. Im Netz kursierende Videos zeigen irakische Panzer und Helikopter mit der schwarzen Flagge der Isis bei einer Militärparade in Mossul.

  • Welche Auswirkungen hat der Feldzug von ISIS auf die Bevölkerung?

    Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf Isis Bombenanschläge in Wohngebieten, Massenexekutionen, Folter, Diskriminierung von Frauen und die Zerstörung kirchlichen Eigentums vor. Einige Taten kämen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleich. Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen sind mittlerweile rund eine Million Iraker auf der Flucht. Viele versuchten das als stabil geltende kurdische Autonomiegebiet im Nordirak zu erreichen. Allein in Mossul waren binnen weniger Stunden 500.000 Menschen vor den Extremisten geflohen.

  • Warum ruft der Irak nicht den Notstand aus?

    Ministerpräsident Al-Malikis Versuch, am 12. Juni 2014 den Notstand auszurufen, war am Parlament gescheitert, das eine Abstimmung wegen mangelnder Beteiligung verschob. Seit Monaten zeigt sich Al-Maliki praktisch machtlos gegen den Terror sunnitischer Extremisten im Land. Dieser kostete seit April 2013 Tausenden Menschen das Leben.

  • Bekommt der Irak Unterstützung?

    Der UN-Sicherheitsrat sagte der irakischen Regierung einmütig Unterstützung im Kampf gegen Terrorismus zu. Die Nato und Großbritannien schlossen einen militärischen Eingriff aus. Auch der iranische Präsident Hassan Ruhani hat dem Nachbarland die uneingeschränkte Solidarität im Kampf gegen die Terrorgruppe Isis zugesichert. Sowohl auf regionaler als auch internationaler Ebene werde der Iran alles im Kampf gegen die Terroristen im Irak unternehmen, sagte Ruhani dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki. Mittlerweile prüft die US-Regierung auch militärische Optionen.

Die Ermittler hatten zunächst über das Motiv der Tat gerätselt und auch private Gründe wie einen Streit am Arbeitsplatz für möglich gehalten. Die Tat richtete sich gegen Kollegen Farooks, der selbst beim Gesundheitsamt in San Bernardino angestellt war und an der Feier zunächst teilnahm. Doch FBI-Ermittler David Bowdich machte bei der Pressekonferenz klar, dass die Behörden nun einen terroristischen Hintergrund vermuteten.

FBI-Direktor James Comey ergänzte später, es gebe zwar Anzeichen für eine Radikalisierung der mutmaßlichen Täter, jedoch offenbar keine Indizien für deren Mitgliedschaft bei einer Terrorzelle. Auf dem Radar des FBI seien Farook und Malik auch nicht aufgetaucht. Comey betonte aber, dass die Ermittlungen erst am Anfang stünden, vieles sei noch nicht klar.

Den Facebook-Post mit dem Treueschwur an IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi setzte Malik unter einem Decknamen ab, wie die Nachrichtenagentur AP aus Ermittlerkreisen erfuhr. Ein Facebook-Manager sagte, der Eintrag sei wenige Minuten nach Beginn des Angriffs gemacht worden. Ihr Ehemann Farook soll vor einiger Zeit im Internet Kontakt zu radikalen Islamisten gehabt haben, wie Ermittler ebenfalls preisgaben.

Farook war als Sohn pakistanischer Einwanderer in Chicago geboren und in Südkalifornien aufgewachsen. Sein Bruder Syed Raheel ist ein für seinen Einsatz gegen den globalen Terrorismus dekorierter Veteran der US-Marine.

Terrorgruppe Islamischer Staat wächst "Wir sollten uns auf eine neue Zeit des Terrors gefasst machen"

Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) erfährt einen immer stärkeren Zulauf und führt ein effizientes Regime. Wissenschaftler und Nahost-Experte Walter Posch erklärt, wie man die Terror-Miliz zerschlagen sollte.

Kinder, die mit ihren Familien vor der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geflohen sind, schlafen im Nordirak. „Die Leiden der Kurden und Jesiden werden auch in Jahren noch nicht vorbei sein.“ Quelle: dpa

2014 heiratete Syed Rizwan Farook nach offiziellen Unterlagen die aus Pakistan stammende Malik. Beide waren nach eigenen Angaben Muslime. Malik zog mit ihrer Familie nach pakistanischen Angaben vor 25 Jahren nach Saudi-Arabien. Dort traf sie auch Farook, der sie mit einem Visum für Verlobte ins Land brachte. Sie musste sich dafür persönlichen Interviews stellen und ihre Fingerabdrücke abgeben. Zudem wurde ihr Umfeld genau auf mögliche terroristische Kontakte geprüft.

Die Anwälte von Farooks Familie erklärten, keiner seiner Verwandten habe bei ihm oder bei seiner Frau Anzeichen einer extremistischen Gesinnung wahrgenommen. Die Öffentlichkeit dürfe daher voreiligen Schlüsse ziehen, sagten die Verteidiger Mohammad Abuershaid and David Chesley. Letzterer ergänzte mit Blick auf das mögliche Tatmotiv, Farook sei wegen seines Barts von Kollegen verspottet worden und isoliert gewesen.

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