Sankt Petersburg: Selbstmordattentäter soll U-Bahn-Anschlag verübt haben

Sankt Petersburg: Selbstmordattentäter soll U-Bahn-Anschlag verübt haben

, aktualisiert 04. April 2017, 08:43 Uhr
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Der russische Präsident Wladimir Putin legt in St. Petersburg Rosen in der Nähe des Ortes eines Bombenanschlags in der U-Bahn der Stadt ab.

Der Schock in St. Petersburg sitzt tief: Unbekannte deponieren Bomben in der U-Bahn, bei einer Explosion sterben mindestens elf Menschen. Noch ist vieles unklar. War es womöglich doch ein Selbstmordanschlag?

Ein Bombenanschlag in der U-Bahn der russischen Millionenmetropole St. Petersburg mit mindestens elf Toten hat weltweit Entsetzen und Anteilnahme ausgelöst. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte am Montagabend den „barbarischen und feigen Terroranschlag“. UN-Generalsekretär Antonio Guterres drückte den betroffenen Familien sein tiefes Mitgefühl aus. „Die Verantwortlichen dieser schrecklichen Tat müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, teilte sein Sprecher mit.

Zwischen zwei U-Bahnhöfen war am Montag in einem Zug ein Sprengsatz explodiert. Mindestens elf Menschen starben, von den rund 50 Verletzten waren am Dienstag den Angaben zufolge noch mehrere in kritischem Zustand. Eine zweite Bombe wurde rechtzeitig entschärft. Das staatliche Ermittlungskomitee geht von einem Terroranschlag aus.

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Die Suche nach den Tätern läuft weiter auf Hochtouren. Bei einem der Täter soll es sich nach Medienberichten um einen Mann aus Zentralasien handeln. „Es gibt eine Version, nach der die Bombe von einem Selbstmordattentäter getragen wurde“, sagte eine Quelle innerhalb der Sicherheitsbehörden der Agentur Interfax. Nach bisherigen Kenntnisstand soll der Mann 23 Jahre alt sein und radikal-islamistische Verbindungen haben. Zunächst hatte es geheißen, dass der Anschlag nicht von einem Selbstmordattentäter verübt worden sei.

U-Bahnen als Ziel terroristischer Anschläge

  • Januar 1977 in Moskau

    Zwischen zwei Stationen explodiert ein unter einer Sitzbank versteckter Sprengsatz. Für den Mord an sieben Fahrgästen werden drei Armenier 1979 hingerichtet.

  • März 1994 in Baku

    13 Menschen sterben, als in einem voll besetzten Zug eine Zeitbombe explodiert. 50 Menschen werden verletzt. Die Behörden vermuten militante Muslime oder Armenier dahinter.

  • Mai 1994 in Baku (Aserbaidschan)

    Zwischen zwei Stationen explodiert in einem U-Waggon ein Sprengsatz, im Tunnel bricht Feuer aus. Sieben Reisende kommen ums Leben, zehn Menschen werden verletzt.

  • März 1995 in Tokio

    Mitglieder der japanischen Aum-Sekte setzen in mehreren U-Bahn-Waggons das Nervengas Sarin frei. Zwölf Menschen sterben, mehr als 5300 werden zum Teil schwer verletzt.

  • Juli 1995 in Paris

    Algerische Islamisten zünden eine Bombe in einer Untergrundbahn. Acht Menschen werden getötet, mehr als 100 verletzt.

  • Juni 1996 in Moskau

    Auf einer viel befahrenen Linie explodiert unter einem Sitz eine Bombe. Vier Menschen sterben, zwölf weitere Fahrgäste werden verletzt.

  • Februar 2004 in Moskau

    Bei einem vermutlich tschetschenischen Selbstmordanschlag in einem voll besetzten Waggon der U-Bahn werden mindestens 40 Fahrgäste getötet. Nach unterschiedlichen Angaben werden zwischen 100 und 230 Menschen verletzt.

  • August 2004 in Moskau

    Eine mutmaßliche Tschetschenin sprengt sich am Eingang einer belebten U-Bahn-Station in die Luft. Elf Menschen sterben, darunter die Attentäterin und ihr Komplize, ein seit langem gesuchter Terrorist aus der nordkaukasischen Teilrepublik Karatschai-Tscherkessien. Rund 50 Menschen werden verletzt. Die Terrorgruppe Islambuli-Brigaden der El Kaida bekennt sich zu der Tat.

  • Juli 2005 in London

    Beim ersten Selbstmordanschlag in Westeuropa zünden vier Muslime mit britischem Pass in drei U-Bahnen und einem Doppeldeckerbus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt. Eine Geheimorganisation Kaida al-Dschihad bekennt sich zu den Anschlägen.

  • März 2010 in Moskau

    In zwei Metro-Zügen sprengen sich Selbstmordattentäterinnen in die Luft. Sie reißen 40 Menschen mit in den Tod. Der Anführer der Islamisten im Nordkaukasus, Doku Umarow, bekennt sich zu den Anschlägen.

  • April 2011

    Bei einem Bombenanschlag in der Metro der weißrussischen Hauptstadt Minsk werden 15 Menschen getötet und etwa 150 verletzt. Die Verdächtigen sollen im Auftrag Oppositioneller gehandelt haben, heißt es zunächst. Der Präsident der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik, Alexander Lukaschenko, sagt später, es gebe keine Hinweise auf die Drahtzieher.

  • März 2016

    Islamistische Terroristen verüben in der belgischen Hauptstadt Brüssel einen Doppelanschlag auf den Flughafen und in der U-Bahn. 32 Menschen werden ermordet, mehr als 320 verletzt. Zudem kommen drei Selbstmordattentäter um.

US-Präsident Donald Trump verurteilte nach Angaben des Weißen Hauses in einem Telefonat mit Putin die Tat und bot volle Unterstützung bei der Jagd nach den Tätern an. Er habe zudem den Opfern und ihren Angehörigen sowie dem russischen Volk sein tiefstes Beileid ausgesprochen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich in einem Kondolenztelegramm an Putin über die Attacke entsetzt gezeigt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte in Berlin: „Mit Entsetzen und Trauer verfolge ich die Nachrichten aus St. Petersburg, wo ein zur Explosion gebrachter Sprengsatz zahlreiche Tote gefordert hat.“

Die Sicherheitsvorkehrungen in St. Petersburg wurden nach dem Anschlag massiv verstärkt. Alle Zugänge zu den U-Bahnen würden zusätzlich bewacht, teilte der Metro-Betreiber mit. Zudem würden Busse und Straßenbahnen stärker überprüft.

Wenige Stunden nach dem Anschlag nahmen die U-Bahnen ihren Betrieb wieder auf. Die Metro der Linie 2, auf der es zu der Explosion kam, werde zunächst jedoch nur einige Stationen anfahren, teilte der U-Bahn-Betreiber der Agentur Interfax zufolge mit. Für weitere Ermittlungen bleibe auch eine zweite U-Bahn-Station gesperrt. Auch in der Hauptstadt Moskau patrouillieren zahlreiche Polizisten an den Flughäfen, Bahnhöfen und in den Metro-Stationen.

Syrien Russland reduziert Truppen

Nach nur zwei Monaten dampfen die ersten russischen Kriegsschiffe wieder von der syrischen Küste ab. Die syrische Armee hat Aleppo wieder unter Kontrolle, es gilt eine Waffenruhe. Steigen damit die Chancen für Frieden?

Der russische Flugzeugträger «Admiral Kusnetzow» im östlichen Mittelmeer gehört zu den ersten Schiffen, die die Region um Syrien verlassen. Quelle: dpa

Präsident Putin, der am Abend rote Rosen am Eingang der Metrostation Technisches Institut ablegte, sei über alle Entwicklungen informiert, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Putin hielt sich zur Zeit des Anschlages in St. Petersburg auf, war aber nicht gefährdet. Die Theorie über einen Selbstmordattentäter kommentierte er nicht.

Die Stadtverwaltung von St. Petersburg rief eine dreitägige Trauer aus. Zahlreiche Menschen stellten vor den Zugängen der U-Bahn-Stationen und in Moskau in der Nähe der Kremlmauer Kerzen auf und legten Blumen für die Opfer nieder.

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