Sanktionen gegen den Iran: Embargo ohne Ölkrise

KommentarSanktionen gegen den Iran: Embargo ohne Ölkrise

von Hans Jakob Ginsburg

Die Krise um die iranische Nuklearpolitik eskaliert. Mit dem Brüsseler Ölembargo gegen Teheran haben die EU-Diplomaten mit den USA gleichgezogen: Europa fällt als Exportziel für die Iraner aus, und neben allen möglichen militärischen Folgen der Krise droht dem viertgrößten Ölproduzenten der Welt jetzt der wirtschaftliche Kollaps.

Fragt sich nur, was der Ausfall des iranischen Öls für die Weltwirtschaften und die Embargostaaten selber bedeutet. Fünf Prozent der globalen Rohölförderung findet im Iran statt. Als im vorigen Jahr der Bürgerkrieg in Libyen die dortige Ölproduktion lahmlegte, schossen die Preise an den Börsen in London und New York und an den Tankstellen weltweit in die Höhe. Libyen produziert auch in normalen Zeiten nur knapp 40 Prozent der iranischen Fördermenge. Können wir uns das Embargo leisten?

Die Drohung ist geblieben, doch die Angst hat sich gelegt

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Die Fachleute sagen ja. Die EU-Außenminister wollen das Embargo nicht sofort in Kraft setzen, sondern schrittweise bis zum kommenden Sommer. „Dies dürfte den preissteigernden Effekt auf den Ölpreis eindämmen“, teilen die Rohstoffexperten der Commerzbank heute mit. Der Ölpreis in London stieg unmittelbar nach den ersten Nachrichten aus Brüssel um 0,5 Prozent: ein Klacks im Vergleich zur Entwicklung in den ersten Januartagen, als Teheran die Sperrung der Wasserstraße von Hormuz androhte, falls der Westen seine Sanktionen verschärfen würde.

Die Drohung ist geblieben, aber die Angst hat sich gelegt. Rohöl kostet heute wieder ungefähr so viel wie vor der politischen Eskalation. Die Märkte rechnen nicht mit Krieg am Golf. Und das iranische Erdöl, so heißt es, lässt sich für eine befristete Zeit durch saudische Produktionssteigerungen gut ersetzen. Kommt als Entspannungsfaktor hinzu, dass im Hauptverbrauchsland USA seit Jahren zum ersten Mal wieder mehr eigenes Erdöl gefördert wird (technischer Fortschritt!) und weniger verbraucht (milder Winter!). Mag sein, dass die Herrscher in Teheran feststellen, dass die Welt ganz gut ohne ihre Exporte auskommt.

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