Sanktionen könnten fallen: Im Iran beginnt eine entscheidende Phase

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Sanktionen könnten fallen: Im Iran beginnt eine entscheidende Phase

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Ein Ende der wirtschaftlichen Isolation des Iran gerät in Sicht.

von Hans Jakob Ginsburg

Unter der neuen Regierung gerät ein Ende der wirtschaftlichen Isolation des Iran in Sicht. Doch die Probleme des Landes sind damit noch lange nicht gelöst.

Keine einzige Absage bekam Daniel Bernbeck, Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer (DIIHK), als er vor ein paar Tagen in Teheran die für Wirtschaftsfragen zuständigen Diplomaten aller europäischer Vertretungen zum Frühstück einlud. So etwas wäre vor drei Monaten noch eine triste Zusammenkunft gewesen, bei der es allenfalls um Einzelheiten des internationalen Sanktionsregimes gegen die iranische Nuklearpolitik gegangen wäre. Jetzt aber geht es um neue Chancen: Seit dem Genfer Abkommen zwischen dem Teheraner Regime und den internationalen Mächten Ende November sieht es so aus, als könnte der Iran schon bald wieder als respektables und finanzstarkes Schwellenland in die Weltwirtschaft zurückkehren. Kein EU-Land will da als Handelspartner fehlen, und alle wollen von dem Erfahrungsvorsprung der Deutschen profitieren.

Die deutsche Kammer hat in den Jahren der zunehmenden Sanktionen in Teheran ausgehalten, „und heute“, sagt Bernbeck, „bin ich der einzige Vertreter eines europäischen Wirtschaftsverbandes im Iran“. Deutschland, zusammen mit den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates Kontrahent der Iraner bei den Genfer Verhandlungen, hat offenbar einen Startvorteil, falls der Iran wieder zum normalen Akteur auf der weltwirtschaftlichen Bühne werden sollte.

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Bis dahin ist freilich noch ein weiter Weg. Das Genfer Abkommen mit seinen vertrackten Klauseln ist nur eine auf ein halbes Jahr begrenzte Zwischenlösung. In dieser Zeit soll der Iran seine Nuklearpläne einschränken, die USA im Gegenzug eingefrorene iranische Bankguthaben im Wert von mehreren Milliarden Dollar freigeben.

„Juristisch ist nichts Greifbares passiert, aber die Stimmung hat sich seit Genf radikal geändert“, sagt ein deutscher Geschäftsmann, der in Teheran aufgewachsen ist und seit vielen Jahren deutsche Unternehmen im Iran berät. Konsumgüter wurden auch nach Verschärfung der Sanktionen legal in den Iran exportiert, und die ebenso wichtige wie marode iranische Öl- und Gasindustrie bezog immer noch Ersatzteile aus Deutschland. So etwas allerdings wurde auf Umwegen ins Land geschmuggelt: wahrscheinlich über China, auch wenn die Volksrepublik als Sicherheitsratsmitglied zu den Urhebern der Sanktionen gehörte, und ganz bestimmt über Dubai, obwohl die Vereinigten Arabischen Emirate jetzt über die angeblich wachsende militärische Bedrohung durch den Iran klagen.

Irans Wirtschaft in Zahlen

  • 1,6 Milliarden...

    ...Euro zahlte der Iran für deutsche Importe 2013 - Tendenz: Stark fallend

  • 77,1 Millionen...

    ...Einwohner hat das Land. 44 Prozent sind jünger als 25, acht Prozent Analphabeten.

  • 5039...

    ...Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 2013, ein Rückgang um 30 Prozent in einem Jahr.

  • 66...

    Prozent des Exports 2012 war Öl – wichtigste Abnehmer: China, Indien, Türkei, Südkorea.

  • 16...

    ...Prozent Rückgang bei der Ölproduktion 2012 – aber immer noch 4,2 Prozent der Weltproduktion.

  • 9,4...

    ...Prozent der weltweiten Ölreserven liegen im Iran – und 18 Prozent der Erdgasreserven.

Jedes Geschäft mit dem Iran muss immer noch mit der Schwierigkeit fertig werden, dass keine europäische Bank mitmachen will oder darf. Und die iranischen Banken, samt und sonders staatlich oder Funktionären des Regimes eng verbunden, stehen alle auf den Sanktionslisten der USA und der EU-Kommission. „Die Sanktionsarchitektur bleibt erhalten“, heißt das in der offiziellen Sprache der Bundesregierung.

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