Sarah Palin unterstützt Trump: Zwei Provokateure verbünden sich

Sarah Palin unterstützt Trump: Zwei Provokateure verbünden sich

, aktualisiert 20. Januar 2016, 02:37 Uhr
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Sarah Palin unterstützt nun offen Donald Trump.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Zwei Reality-Show-Stars machen gemeinsame Sache: Tea-Party-Ikone Sarah Palin unterstützt jetzt offen Donald Trump. Eine brisante Zuspitzung der politischen Situation im konservativen Lager vor der wichtigen Wahl in Iowa.

Ames„Ihr werdet sehen, dass unsere Veteranen wieder besser behandelt werden als illegale Immigranten“. Sarah Palin läuft wieder zu großer Form auf. Schlagwort nach Schlagwort, Parole auf Parole, Lob auf Lob. Donald Trump, der Multi-Milliardär, der kein Elite-Mensch ist, der harte Arbeiter, der nur will, dass andere auch Erfolg haben. „Morgen packt der „frühere Präsident“ Barack Obama seine Teleprompter und Selfie-Sticks ein und wird sich auf den Weg zurück nach Chicago machen. (…) Auf dem Weg dorthin wird er den goldglitzernden Trump-Tower überfliegen und er hat ihn erbaut“, ruft sie energetisch in die Runde und zeigt mit dem linken Arm auf einen großen Mann mit herabhängenden Armen, unbeweglich bis auf ein breites Grinsen im Gesicht: Donald Trump.
Am Ende gibt er seine Bewunderung für diese „spektakuläre Person“ zurück: „Vom ersten Tag an wusste ich, wenn ich das mache, dann brauche ich ihre Unterstützung“. Zum laut plärrenden Durchhaltesong „Eye oft the Tiger“ aus dem Boxer-Streifen „Rocky“ verlassen dann beide die Bühne in Ames in Iowa.

Fiasko für Cruz

Die frühere Ikone der ultrakonservativen Tea-Party, Sarah Palin, unterstützt offiziell die Präsidentschaftskandidatur von Donald Trump. Es ist ein wichtiger parteiinterner Sieg für den New Yorker Milliardär und Republikaner Trump, der zuletzt gegen den texanischen Senator Ted Cruz stark in Hintertreffen geraten war. Denn eigentlich ist Cruz der Kandidat der ultra-konservativen Tea-Party, eine bislang einflussreiche Gruppe innerhalb der Republikaner. Ihre und Sarah Palins Unterstützung hatten Cruz 2012 in den Senat gehievt. Bislang hatte Palin beide gelobt und als die fähigsten Kandidaten herausgestellt.

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Doch am Ende kann nur einer um das Weiße Haus kandidieren und Palin setzt auf Trump. Für Cruz dürfte das eine schwere Niederlage sein. Cruz warf Trump vor, zu sehr demokratischen Idealen nachzuhängen und Freund der Clintons zu sein. Trump wiederum stellte öffentlichkeitswirksam die Frage ob Cruz, da in Kanada geboren, trotz amerikanischer Mutter überhaupt Präsident werden könnte. Eine fatale Situation für die Wähler, die Palin nun entschieden hat. Nun können sich die Tea-Party-Anhänger mit Palin von der Vergangenheit verabschieden und ins neue Donald-Land wechseln. Das wiederum ist nicht nur ein Sieg für Trump, sondern auch eine Niederlage für die Tea-Party. Es ist das Eingeständnis, dass Trump jetzt die Ein-Mann-Tea-Party ist, der die republikanischen Wähler zulaufen. Sarah Palin scheint das zu wissen. Sie verlässt rechtzeitig das sinkende Schiff und wechselt zum neuen Liebling.


Von McCains „Running Mate“ zum Reality-Star

Sarah Palin, frühere Gouverneurin von Alaska, wurde schlagartig bekannt, als sie 2008 vom damaligen Präsidentschaftskandidaten John McCain als „Running Mate“, als Kandidatin für die Vizepräsidentschaft erwählt wurde. Die Kandidatur endete erfolglos. Nicht zuletzt, weil nach Ansicht vieler Beobachter die extrem konservativen Ansichten der 1964 geborenen nicht den gewünschten Effekt brachte, nämlich Frauen aus der demokratischen Wählerschaft zu gewinnen und konservative Frauen anzuziehen. Stattdessen fiel sie zunehmend durch Unkenntnis in Sachfragen vor allem in der Wirtschafts- und Außenpolitik auf. Nach dem Wahldebakel und der Niederlage gegen Barack Obama nahm Palin eine unfreiwillige Auszeit von der Politszene und wurde, so wie auch Donald Trump, Star in Reality-TV-Shows.

Sie arbeitete als Kommentatorin für den TV-Sender Fox-News. Als Rednerin erregte sie immer wieder Aufsehen mit kontroversen Äußerungen. So erklärte sie 2014 in einer Rede bei der NRA, der nationalen Lobbyorganisation für Schusswaffen: „Waterboarding ist unsere Art, wie wir Terroristen taufen“. Beim Waterbording wird einem Menschen solange Wasser mit einem nassen Tuch über das Gesicht gegossen, bis er das Gefühl hat, nicht mehr atmen zu können. Die Technik wurde vom CIA in Gefangenenlagern angewandt. Opfer bleiben oft traumatisiert zurück.

„Ich bin sehr geehrt“

Für Donald Trump ist das alles kein Hinderungsgrund. Die Frau, deren Familie in der jüngsten Zeit eher durch handfeste Auseinandersetzungen auf Partys und lokale Skandale als durch politische Aktivitäten aufgefallen war, ist für ihn ein Segen. In kaum zwei Wochen fällt die erste Vorentscheidung über den republikanischen Kandidaten im Bundesstaat Iowa und Trump liegt Kopf an Kopf mit Cruz. Er muss einen Schlag landen. „Ich bin sehr geehrt“, ließ er über ein Statement wissen, „die Empfehlung durch Sarah Palin zu erhalten. Sie ist eine Freundin und eine starke Persönlichkeit, vor der ich großen Respekt habe. Ich bin stolz ihre Unterstützung zu haben.“

Palin, die es wie Trump gerne provokativ liebt und ihre konservative Erdverbundenheit als „Hockey-Mom“ aus dem Blockhaus in Alaska betont, könnte vor der wichtigen Wahl in Iowa, der Signalcharakter zugesprochen wird, Defizite in Trumps Werdegang ausgleichen. In der Vergangenheit hatte er keinen Hehl aus seiner Sympathie für demokratisch-liberale Ansichten zum Beispiel bei Abtreibung und Scheidung geäußert. Außerdem ist er unbestreitbar ein Mitglied der demokratisch geprägten Oberschicht New Yorks. Palin, die Trump am späten Dienstag auf einer Wahlkampfveranstaltung begleitete und auch am Mittwoch mit seiner Team reisen wird, wäre mit ihrer Unterstützung so etwas wie ein konservatives Gütesiegel.

Für die Frau, deren Stern in der republikanischen Partei schon gesunken ist, aber die noch über eine signifikante Anhängerschaft verfügt, könnte es den Wiedereinstieg in Washington bedeuten. Im September 2015 auf dem TV-Sender CNN befragt, ob sie sich vorstellen könnte in einer Trump-Regierung zu arbeiten, antwortete sie „Ich denke viel über das Energieministerium nach, weil das mein Baby ist. Öl, Gas und Mineralien, die Gott in dieser Gegend der Walt abgeladen hat, damit die Menschheit sich daran bedienen kann.“ Sie hält nichts von menschengemachtem Klimawandel und unterstützt vehement den Bau einer gigantischen Ölpipeline von Alaska aus quer durch Nordamerika.
Rivale Ted Cruz zeigte sich am Dienstag in ersten Kommentaren vorsichtig. Was immer sie entscheiden werde, er werde ein Fan von ihr bleiben. Er darf es sich nicht mit der Tea-Party verscherzen, bevor er nicht sicher ist, wie die Basis auf ihre Entscheidung reagiert. Schließlich gibt es noch ein altes Zitat von ihm über Sarah Palin, für das er sich jetzt wahrscheinlich am liebsten auf die Zunge beißen würde: „Sie kann auf Sieger setzen“, sagte er einmal, nachdem sei ihm geholfen hatte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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