Saudi-Arabien: Prinzen in Korruptionsermittlungen festgenommen

Saudi-Arabien: Prinzen in Korruptionsermittlungen festgenommen

In Saudi-Arabien wurden bei Korruptionsermittlungen elf Prinzen, vier Minister und mehrere Ex-Minister verhaftet. Darunter ist auch einer der berühmtesten Geschäftsmänner des Landes. Profiteur ist Kronprinz Mohammed.

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Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman.

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed baut seine Macht aus und lässt einem Insider zufolge zahlreiche Prinzen und Spitzenpolitiker im Rahmen von Anti-Korruptionsermittlungen festnehmen. Darunter ist mit Prinz Alwalid bin Talal auch einer der wichtigsten Geschäftsmänner des Landes, wie zwei hochrangige Regierungsvertreter am Sonntag sagten, die nicht genannt werden wollten. König Salman hatte zuvor per Dekret dem Kronprinzen die Leitung des neu geschaffenen Anti-Korruptionsausschusses übertragen und damit dessen Kontrolle über den Sicherheitsapparat des Landes gefestigt. An der Börse wurden die Entwicklungen kritisch beurteilt: Die Kurse gaben nach, die Papiere von Alwalids Kingdom-Holding verloren knapp zehn Prozent.

Die neue Anti-Korruptionsbehörde ist mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet. Sie kann Ermittlungen einleiten, Haftbefehle erlassen sowie Reiseeinschränkungen und das Einfrieren von Vermögenswerten anordnen. Insgesamt wurden nach einem Bericht des Senders Al-Arabija elf Prinzen, vier Minister und mehrere Ex-Minister verhaftet. "Das Heimatland wird nicht existieren, wenn die Korruption nicht mit den Wurzeln beseitigt wird und die Korrupten nicht zur Verantwortung gezogen werden", hieß es im königlichen Dekret.

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Nach Einschätzung von Beobachtern zielen die Maßnahmen auch darauf ab, Opposition gegen Kronprinz Mohammed zu beseitigen, der sich in vielen Punkten gegen ultrakonservative Kräfte in dem Land gestellt hatte. So kündigte er im September an, Frauen das Autofahren zu erlauben. Zudem stellte er ausländischen Touristen die Erlaubnis in Aussicht, das Land zu bereisen. Mohammed gilt auch als Befürworter massiver Privatisierungen. "Die Razzien brechen mit der Tradition des Konsenses innerhalb der regierenden Familie", schrieb James Dorsey von der S.- Rajaratnam-Schule für internationale Studien in Singapur. Zuletzt waren die saudiarabischen Behörden im September gegen Gegner vorgegangen. Dabei wurden etwa 30 Geistliche, Intellektuelle und Aktivisten verhaftet.

Saudi-Arabiens Mohammed bin Salman Der Kronprinz modernisiert mit Tempo

Der saudische Thronfolger Mohammed will für das Land einen „moderaten Islam“. Er setzt Zeichen durch Wirtschaftsreformen und gewährt Frauen mehr Rechte. Sie sollen bald Stadien besuchen dürfen – unter einer Bedingung.

Er hat angekündigt, dass Saudi-Arabien zu einem „moderaten Islam“ zurückkehren wolle. Quelle: Reuters

Unter den nun Festgenommenen ist dem Insider zufolge auch Prinz Miteb bin Abdullah, bis dahin Minister der Nationalgarde, einer Elitetruppe, die sich aus traditionellen Stammesverbänden zusammensetzt. Er war der Lieblingssohn des verstorbenen Königs Abdullah und galt lange als führender Anwärter auf den Thron. Prinz Miteb war der letzte Vertreter des Abdullah-Zweigs der königlichen Familie, der einen höheren Posten in Saudi-Arabiens Machtgefüge innehatte. Er wurde von Chaled bin Ajjaf ersetzt.

Auch Wirtschaftsminister Adel Fakieh wurde den Informationen zufolge festgenommen und durch seinen Stellvertreter Mohammed al-Tuwaidschri ersetzt. Fakieh hatte seit seinem Amtsantritt 2015 unter Kronprinz Mohammed die breit angelegten Wirtschaftsreformen des Landes vorangetrieben. Mit dem Programm sollen ausländische Investoren ins Land gelockt werden. Auch die Privatwirtschaft soll in Schwung gebracht werden. Saudi-Arabien ist der weltweit führende Ölexporteur und das mächtigste Land auf der arabischen Halbinsel. Geplant ist auch die Privatisierung des weltweit größten Ölkonzerns Saudi Aramco, dessen Börsengang der größte aller Zeiten werden könnte. US-Präsident Donald Trump machte sich für New York als einen Platz für den Börsengang stark.

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