Schädlingsbefall: Wanzenalarm in New York

Schädlingsbefall: Wanzenalarm in New York

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Eine Bettwanze beim Blutsaugen auf menschlicher Haut.

von Andreas Henry

Die US-Metropole erlebt eine "Terrorattacke", die vielen New Yorker nachts den Schlaf raubt.

Eine Armee von Wanzen breitet sich in der Stadt aus. Infizierte Geschäfte müssen schließen und Umsatzeinbussen wegstecken, Hotels und Vermieter fürchten Schadenersatzklagen von gebissenen Opfern. Nur die Kammerjäger können sich freuen. Ihr Geschäft brummt wie nie zuvor.

Niemand weiß genau, warum sie sich plötzlich so rapide in der Stadt vermehren. Doch seit zwei Jahren nimmt die Zahl der berichteten Fälle dramatisch zu. Wanzen – lateinischer Name Cimex Lectularius, für die Amerikaner Bedbugs – krabbeln nachts aus Ritzen, Nischen und Matratzen hervor und machen sich über ihre schlafenden Opfer her, denen sie für rund zehn Minuten Blut abzapfen. Die rund vier Millimeter großen Insekten übertragen zwar keine Krankheiten, doch die oft extrem juckenden Bisswunden und vor allem die Erkenntnis, möglicherweise jede Nacht Opfer dieser Parasiten zu sein, treibt manche New Yorker fast in den Wahnsinn.  

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Bis Ende Juni erhielt die Beschwerde-Hotline 311 der Stadt New York, an die sich Bürger mit allen Problemen wenden können, innerhalb der vergangenen zwölf Monate 31.700 Anrufe, die mit Bedbugs zu tun hatten, 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei einer Umfrage der Gesundheitsbehörde der Stadt gaben 6,7 Prozent der Erwachsenen an, im vergangenen Jahr Bedbug-Probleme erfahren zu haben. An den öffentlichen Schulen der Stadt gab es bereits 2009 426 bestätigte Bedbug-Fälle, zwei mal mehr als ein Jahr zuvor. Über Bedbug-Befall in Wohnungen und Häusern beschwerten sich im Jahr 2009 4084 Mieter, fast vier mal so viele wie drei Jahre zuvor.

Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein. Hauseigentümer melden eine Invasion der ekelhaften Mitbewohner oft nicht, weil sie fürchten, das könne den Wert ihrer Immobilien drastisch reduzieren. Längst tummeln sich die nachtaktiven Viecher nicht mehr nur in schlechten Wohngegenden. Das „New York Magazine“ berichtete vor wenigen Wochen über befallene Wohnungen von reichen New Yorkern auf der Upper East Side, die zehntausende von Dollar ausgeben, um der Pest Herr zu werden.

Mittlerweile sind auch die ersten Fälle von Bedbug-Befall in Geschäftsräumen bekannt geworden. Die Unterwäsche-Kette Victoria´s Secret musste ihren Laden in Midtown schließen und befallene Wäsche entsorgen. Die auf die Bedbug-Jagd spezialiserten Kammerjäger rückten am besonders von Touristen frequentierten Shop von Abercrombie & Fitch am South Street Sea Port ebenso an wie im Hollister-Flagship-Store in Soho und bei einem Baby-Bekleidungsgeschäft in Chelsea. Ein Kino in Brooklyn war befallen, ebenso Bürogebäude in der Nähe von Grand Central und sogar auf der Park Avenue.

Der potenzielle Schaden geht weit über die Kosten für die Ungezieferbekämpfungsmaßnahmen hinaus, die für größere Objekte schnell höhere fünfstellige Beträge erreichen können. Denn die schlechte Nachricht kann sich übers Internet in Windeseile verbreiten und Kunden abschrecken. In dieser Woche berichtet etwa auf www.Bedbugregistry.com ein Gast des Hotel Pennsyslvania auf der 7th Avenue: „Unsere Familie übernachtete vom 15. bis zum 19 Juli in Zimmer 780. Am 22. entdeckten wir merkwürdige Bugs in dem Raum, in dem wir unser Gepäck abgestellt hatten. Ich fing einen und konnte ihn übers Internet als Bedbug identifizieren. Der Kammerjäger bestätigte das.“

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