Schärfere Regeln des EU-Parlaments: Ratingagenturen müssen für Fehler haften

Schärfere Regeln des EU-Parlaments: Ratingagenturen müssen für Fehler haften

Ratingagenturen wie Moody's müssen künftig für grobe Fehlurteile haften. Das EU-Parlament beschloss nach einer Einigung mit den Ländern am Mittwoch schärfere Regeln für die Bonitätsbewerter.

Zu den Regelverschärfungen gehört die Einführung eines zivilen Haftungsprinzips und die Pflicht, Urteile besser zu begründen. Zudem müssen sich die Agenturen künftig an Veröffentlichungskalender halten und dürfen nicht länger zu willkürlichen Zeitpunkten den Daumen senken oder heben. Die Herabstufung vieler Euro-Länder - mehrfach unmittelbar vor wichtigen politischen Treffen - hatte die Krise in den vergangenen drei Jahren immer wieder angeheizt.

Ratingagenturen ABC

  • Wie arbeiten Ratingagenturen?

    Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

  • Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

    Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

  • Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

    Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

  • Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

    Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

  • Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

    Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Vielen Parlamentariern geht die Verordnung nicht weit genug. "Die Marktmacht der 'Großen Drei' vermag sie nicht zu brechen", sagte der Grünenabgeordnete Sven Giegold mit Blick auf Standard & Poor's, Moody's und Fitch. Auch eine Rotationspflicht, um Interessenkonflikten vorzubeugen, wurde fallen gelassen.

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Der Aufbau einer unabhängigen europäischen Ratingagentur hatte es nicht mal in den Gesetzentwurf von Binnenmarktkommissar Michel Barnier geschafft. Das Parlament forderte ihn nun aber auf, die Gründung einer solchen Agentur zu prüfen.

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