Schlacht um Kobane: USA bombardieren IS-Stellungen

Schlacht um Kobane: USA bombardieren IS-Stellungen

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Männer beobachten von einem Hügel aus die Luftschläge gegen IS-Kämpfer in Kobane.

US-Flugzeuge bombardieren mehrere Stellungen der IS-Extremisten bei Kobane. Doch hilft das den verzweifelt in der Stadt kämpfenden Kurden?

Zur Unterstützung der erbittert kämpfenden Kurden haben die USA weitere Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nahe der nordsyrischen Stadt Kobane bombardiert. Neun Ziele im Norden und Süden seien am Donnerstag beschossen worden, teilte das Zentralkommando des US-Militärs in Tampa (Florida) am späten Abend mit. Dabei seien unter anderem mehrere von der IS genutzte Gebäude sowie Panzer der Terrormiliz zerstört worden. Ob die Angriffe die Extremisten von einem weiteren Vorrücken in die Stadt abgehalten haben, blieb zunächst unklar.

Trotz erbitterter Gegenwehr und US-Luftangriffen hatten die Dschihadisten zuletzt im Häuserkampf weitere Viertel erobert. Die Regierung in Ankara sprach sich dennoch gegen einen Alleingang mit Bodentruppen gegen die Extremisten im Nachbarland aus.

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Der IS-Sondergesandte der USA, John Allen, betonte bei einem Besuch in Ankara, dass sofortige Schritte nötig seien, um den IS militärisch zu schwächen und diesen daran zu hindern, die Region weiter zu bedrohen. Zudem kündigten die USA intensivere Gespräche beider Länder auf militärischer Ebene an.

Kämpfe um eine syrische Grenzstadt - Warum Kobane so wichtig ist

  • Warum ist Kobane für Kurden so wichtig?

    Die syrischen Kurden haben den Bürgerkrieg im Land zum Aufbau eigener regionaler Machtstrukturen in den mehrheitlich von ihnen bewohnten Gebieten genutzt. Nachdem sich die Truppen des Regimes von Baschar al-Assad 2012 zurückgezogen hatten, übernahmen sie die Kontrolle und gründeten später im Norden des Landes drei „autonome Kantone“. An der türkischen Grenze kontrollierten sie wichtige Enklaven: im Nordwesten um die Stadt Afrin, im Nordosten um die Städte Hasaka und Al-Kamischli sowie im Norden um Kobane. Eine Übernahme Kobanes durch die Terrormiliz IS wäre nicht nur der Verlust einer strategisch wichtigen Versorgungsroute, sondern auch psychologisch eine schwere Niederlage.

  • Wer sind die kurdischen Kämpfer, die sich den Dschihadisten entgegenstellen?

    Die etwa 5000 Milizionäre gehören vor allem den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) an. Sie sind mit der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) verbunden. Volksschutzeinheiten und PYD stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die in der Türkei verboten ist. Im Kampf gegen den IS werden offenbar auch Selbstmordattentäter eingesetzt: Kurdische Aktivisten meldeten am Wochenende, dass eine Kämpferin mit einem Selbstmordanschlag Dutzende Extremisten getötet habe. Experten gehen davon aus, dass PKK-Kämpfer die syrischen Kurden unterstützen. Die kurdischen Milizionäre in Syrien sind nicht zu verwechseln mit den kurdischen Peschmerga-Kämpfern, die im Irak gegen den IS im Einsatz sind.

  • Wie ist die Lage der Zivilisten vor Ort?

    Nach kurdischen Angaben ist die überwiegende Mehrheit der verbliebenen Zivilisten an die türkischen Grenze in Sicherheit gebracht worden. Kobane wurde von den Volksschutzeinheiten zur „Militärzone“ erklärt. Laut türkischer Regierung sind mehr als 185 000 Menschen in die Türkei geflohen.

  • Warum greift die Türkei nicht ein?

    Die türkische Regierung hat den Kurden in Kobane Unterstützung zugesagt, zugleich aber klargemacht, dass sie damit in unmittelbarer Zukunft keinen Einsatz von Bodentruppen meint. Zwar hat das Parlament der Regierung ein Mandat für Militäreinsätze in Syrien und im Irak für ein Jahr erteilt. Allerdings verlangt Ankara für einen Einsatz von Bodentruppen eine umfassende internationale Strategie, die auch den Sturz des Assad-Regimes in Damaskus beinhaltet. Zugleich befürchtet Ankara, dass die Kurden an der türkischen Südgrenze die Keimzelle für einen eigenen Kurden-Staat legen könnten, sollte es ihnen gelingen, die Terrormiliz IS zurückzuschlagen.

  • Warum schaffen es die USA und ihre Partner nicht, den IS mit Luftangriffen militärisch lahmzulegen?

    Die IS-Kämpfer passen sich schnell und geschickt an die Luftschläge an. Sie verlassen Ziele, die von den USA ins Visier genommen werden und bringen Waffen und Geiseln an neue Stützpunkte. Zudem mischen sich die Kämpfer unter die Zivilbevölkerung und lassen auch viele ihrer schwarzen Flaggen wieder verschwinden. Weil Angriffe auf die IS-Infrastruktur schwieriger werden, hat sich auch das Tempo der Luftschläge verlangsamt, sagt David Schenker vom Washington Institute for Near East Policy. Die US-Regierung hat mehrfach betont, dass der IS nicht allein aus der Luft besiegt werden kann. Dem unabhängigen US-Instituts CSBA zufolge hat der Kampf bereits zwischen 780 und 930 Millionen Dollar (620 bis 740 Millionen Euro) verschlungen.

EU will systematische Grenzkontrollen

Die EU-Innenminister vereinbarten derweil in Luxemburg, künftig verstärkt gewaltbereite Europäer, die sich etwa der IS-Terrormiliz anschließen wollen, an den Außengrenzen der EU zu stoppen. So sollen bestimmte Reisende - etwa alle Passagiere eines Flugzeugs aus einer kritischen Region - ab sofort wieder systematisch an der Grenze kontrolliert werden. Dabei sollen Zöllner die Pässe elektronisch mit der europaweiten Fahndungsbank SIS sowie der Interpol-Datenbank überprüfen, um potenzielle Terroristen zu entdecken.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte: „Wir wollen nicht, dass aus Europa, aus Deutschland Terror exportiert wird. Und wir wollen erst recht nicht, dass ausgebildete Kämpfer nach Europa und Deutschland zurückkehren und gegebenenfalls hier Anschläge planen.“

Die Türkei, die Panzerverbände in Schuss- und Sichtweite von Kobane an ihrer Südgrenze stationiert hat, ist trotz des drohenden Falls der Stadt nicht bereit, allein gegen die Terroristen vorzugehen. „Dass nur die Türkei ganz alleine eine Bodenoperation unternimmt, ist kein realistischer Ansatz“, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu nach einem Treffen mit dem neuen Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Ankara. Das internationale Bündnis gegen den IS müsse sich auf eine gemeinsame Strategie einigen.

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Cavusoglu betonte, Teil der internationalen Strategie gegen den IS müsse der Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad sein. Solange das Assad-Regime an der Macht sei, würden Blutvergießen und Massaker in Syrien andauern. Bei Protesten von Kurden in der Türkei gegen die abwartende Haltung der Regierung starben seit Dienstag nach neuen Angaben mindestens 24 Menschen.

Die Militärchefs der Koalition zum Kampf gegen IS wollen bei einem Treffen auf höchster Ebene am kommenden Montag und Dienstag über ihre Strategie im Irak und in Syrien diskutieren. Sollten die IS-Dschihadisten Kobane erobern, hätten sie einen durchgängigen Grenzstreifen zur Türkei unter ihrer Kontrolle.

Bei einem Luftangriff der syrischen Luftwaffe in der Nähe der Hauptstadt Damaskus starben derweil am Donnerstag nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 25 Menschen. Zahlreiche weitere seien schwer verletzt worden. Die Kampfjets der Luftwaffe von Machthaber Baschar al-Assad hätten bei mehreren Angriffen ein von Rebellen kontrolliertes Gebiet bombardiert.

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