Schluss mit der Korruption: Größte Proteste in Brasilien seit 20 Jahren

Schluss mit der Korruption: Größte Proteste in Brasilien seit 20 Jahren

Landesweit gehen in Brasilien Hunderttausende auf die Straße, um auf Missstände wie Korruption und Misswirtschaft aufmerksam zu machen. Die Demonstrationen verlaufen meist friedlich. In Rio kommt es zu Ausschreitungen.

In Brasilien sind am Montag rund 200.000 Menschen gegen Misswirtschaft und Korruption auf die Straße gegangen. Proteste gab es in vielen Städten, etwa in São Paulo, Rio de Janeiro und Brasília. In der brasilianischen Hauptstadt gelang es Demonstranten, Teile des Dachs des Nationalkongresses zu besetzten. In São Paulo blockierten Demonstranten eine Brücke. Allein in Rio demonstrierten schätzungsweise 100.000 Menschen zunächst friedlich. Vor dem Regionalparlament spielten sich jedoch bürgerkriegsähnliche Szenen ab, als Vermummte versuchten, das Gebäude in Brand zu setzen.
Auslöser der massiven Protestwelle war eine Erhöhung der Fahrpreise für Busse Anfang des Monats. Inzwischen richten sich die Proteste aber auch gegen die Milliarden-Ausgaben für die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016. „Schluss mit der Korruption“ und „Für ein besseres Brasilien“ stand am Montag auf Plakaten. Auch Forderungen nach mehr Geld für Schulen, Universitäten und Hospitäler wurden erhoben.
In Rio war die Gegend um das historische Gebäude des Teatro Municipal praktisch völlig durch die Menschenmassen blockiert. Der Marsch verlief friedlich. Doch Hunderte Randalierer attackierten das Regionalparlament in Rio. Sie warfen Steine auf das Gebäude, rissen Absperrungen um und zündeten Feuer auf der Straße an. Ein Auto ging in Flammen auf. Molotow-Cocktails flogen.

Die wachsende Bedeutung der Brics-Staaten

  • Einleitung

    Zum fünften Mal seit 1999 kommen die Staats- und Regierungschefs der fünf führenden Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (Brics) zu einem Gipfel zusammen - diesmal im südafrikanischen Durban, wo sie seit Dienstag etwa über eine eigene Infrastrukturbank und gemeinsame Währungsreserven verhandeln. Nachfolgend einige Fakten. (Quellen: Reuters; IWF, nationale Statistikämter)

  • Wirtschaftsmacht

    Die fünf Länder stehen für 21 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Die Dynamik ist enorm: Sie haben ihren Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen 15 Jahren verdreifacht.

  • Bevölkerung

    43 Prozent der Weltbevölkerung lebt in den Brics-Staaten. Allein in China und Indien leben jeweils deutlich mehr als eine Milliarde Menschen.

  • Währungsreserven

    Zusammen kommen die Staaten auf die gigantische Summe von 4,4 Billionen Dollar. China sitzt auf den mit Abstand größten Devisenreserven der Welt.

  • Handel

    Der Handel zwischen den Brics-Staaten erreichte 2012 einen Wert von 282 Milliarden Dollar. Bis 2015 dürfte er auf 500 Milliarden Dollar steigen, sagen Experten voraus. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag das Volumen lediglich bei 27,3 Milliarden Dollar.

  • Wohlstandsgefälle

    Obwohl alle Brics-Staaten kräftig wachsen, sind die Unterschiede sehr groß. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug im vergangenen Jahr in China 6.094 Dollar, in Brasilien 12.340 Dollar, in Russland 13.765, in Indien 1592 Dollar und in Südafrika 7.636 Dollar.

Bereits seit zwei Wochen kam es immer wieder zu Demonstrationen, die sich an der schwächelnden Wirtschaft, der steigenden Inflation und der zunehmenden Kriminalität entzündeten. Während die meisten eher den Charakter von Festivals hatten, warfen in Rio einige Demonstranten Steine auf die Polizisten, zündeten ein Auto an und randalierten an öffentlichen Gebäuden. Auch in der Hafenstadt Porto Alegre kam es zu Sachbeschädigungen.
Nach Medienangaben wurden mehrere Polizisten verletzt. Im Inneren des Parlaments verbarrikadierten sich Beamte. Parlamentspräsident Paulo Mello sprach von einem „Akt des Terrorismus“. Einige der Angreifer zündeten Feuer direkt am Gebäude an. In der Umgebung des Parlamentes wurden die Scheiben mehrerer Banken eingeworfen.
In Brasília besetzten Hunderte Demonstranten stundenlang ein Zwischendach des Kongresses. Vor dem von Oscar Niemeyer entworfenen weltbekannten Gebäude warteten starke Polizeieinheiten, griffen aber nicht ein. Der Zugang zum Präsidentenpalast Palácio do Planalto wurde hermetisch abgeriegelt, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.
Auch in Porto Alegre gingen 10.000 Menschen auf die Straße. Dort wurde ein Bus angezündet. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein. In São Paulo nahmen über 60 000 Menschen an einem Marsch teil. Proteste wurden auch aus Salvador, Belém, Recife, Fortaleza und Belo Horizonte gemeldet. In den US-Städten Los Angeles, New York, Chicago und Boston organisierten Hunderte Brasilianer Aktionen, um sich zu solidarisieren.

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Aus der weiten Welt Brasilien erlebt eine Zwischenflaute

Als Brasilien Anfang des Jahrtausends Wachstumsraten von sechs Prozent erzielte, wurde es zu einem der vier wichtigsten Wachstumsmärkte hochgejazzt. 2012 brach das Wachstum ein. Zeit für eine realistischere Bewertung. 

Eine brasilianische Flagge Quelle: REUTERS

Nach einer langen Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs wächst in Brasilien die Unzufriedenheit mit der Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff. Die Staatschefin betonte in einer ersten Reaktion, dass „friedliche Demonstrationen“ legitim seien und auch zur Demokratie gehörten. In Brasilien läuft derzeit der Confederations Cup, die Generalprobe für die Fußball-WM 2014. Auch die Fußball-Events waren Ziel der Proteste. FIFA-Präsident Joseph Blatter hatte noch vor Beginn der massiven Demonstrationen betont, der Fußball sei stärker als die Unzufriedenheit der Menschen.

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