Schuldenkrise: Der Euro im Stresstest

Schuldenkrise: Der Euro im Stresstest

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Euro-Münzen in Flammen

von Silke Wettach

Die Schuldenkrise eskaliert, in Griechenland ist eine Wende zum Besseren nicht in Sicht. Der Stresstest der WirtschaftsWoche zeigt: Die Rettung der Euro-Krisenländer konzentriert sich auf einen kleinen Kreis wirtschaftlich starker und zahlungsfähiger Nationen.

Der Zuspruch kam von unerwarteter Seite. Ausgerechnet Altkanzler Gerhard Schröder nahm seine Nachfolgerin Angela Merkel vergangene Woche vor dem Vorwurf in Schutz, Europa mangele es in diesen schwierigen Monaten an Führung. „Es ist ein Unterschied, ob ich eine Union mit 6, 12 oder 27 Mitgliedern führe“, betonte der Sozialdemokrat, der noch nie im Verdacht stand, große Sympathie für Merkel zu hegen.

Schröder, der selbst noch die Union mit 15 Mitgliedstaaten erlebte, weiß es genau. Die Europäische Union ist ein schwerfälliges, von Kompromissen geprägtes und schwer berechenbares Wesen. Dennoch: Als Mitglied des Rats für die Zukunft Europas, einer Initiative des Karstadt-Retters und Milliardärs Nikolas Berggruen, hat der Ex-Kanzler gemeinsam mit Weggefährten wie dem früheren spanischen Ministerpräsidenten Felipe González und Belgiens Alt-Premier Guy Verhofstadt jetzt in Brüssel ein Manifest veröffentlich. Fazit: „Europa ist die einzige Lösung.“

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Flammende Plädoyers

Solche Sätze sind in diesen Tagen interessanterweise vor allem von Politikern zu hören, die sich von ihren Ämtern zurückgezogen haben. Europas aktuelle Führungsspitze ist zu beschäftigt, um flammende Plädoyers für die Gemeinschaft zu halten. Denn seit die Unterhändler der Troika, bestehend aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF), Anfang des Monats die Verhandlungen mit Griechenland überraschend unterbrochen haben, ist die Zukunft des Landes ungewisser den je.

Damit gerät – wieder einmal – die gesamte Euro-Zone ins Trudeln. Die Griechen aus dem Währungsclub auszuschließen, wie das in Berlin mittlerweile manche aus Ärger über den griechischen Dauer-Schlendrian fordern, wird in Brüssel nicht als Option gesehen. „Ein Austritt aus der Euro-Zone würde noch mehr Probleme schaffen“, sagt EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy. Ihn treibt vor allem die Sorge um das politische Prestigeprojekt Euro um. Denn sollte ein Land aus der Währungsunion austreten, wird in Brüssel ein Dominoeffekt gefürchtet, der sofort Spekulationen über weitere Austritte anfeuern und letztlich die Gemeinschaftswährung sprengen würde.

Euro behalten kommt billiger

Neben politischen Schäden gäbe es aber auch materielle. „Natürlich kostet es Geld, ihn zu behalten“, sagt Nobelpreisträger Joseph Stiglitz über den Euro. „Aber es kostet noch mehr Geld, wenn er auseinanderfällt.“

Ökonomen der Schweizer Bank UBS beziffern die Rettung Griechenlands, Portugals und Irlands in einer aktuellen Studie auf einmalig rund 1000 Euro pro Einwohner der Euro-Zone. Würde Deutschland dagegen aus der Gemeinschaftswährung ausscheren, kämen auf die Bundesbürger im Schnitt 8000 Euro im ersten Jahr zu und 4500 Euro in den Folgejahren. 

Die Analysten gehen bei einer Rückkehr zur D-Mark von einem Zusammenbruch des Außenhandels und einer Pleitewelle bei deutschen Unternehmen aus. Auch wenn solche Szenarien von vielen Annahmen abhängen, stehen die Analysten von UBS mit ihrer Einschätzung nicht alleine. „Die Kosten der Unterstützung schwacher Mitgliedstaaten sind auch und gerade aus Sicht Deutschlands geringer als die Kosten der Desintegration“, sagt auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann.

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