Schuldenkrise: Euro-Länder hoffen auf China

Schuldenkrise: Euro-Länder hoffen auf China

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Italien bittet die Chinesen Medienberichten zufolge um eine Finanzspritze

Italien ruft China um Hilfe – und wieder wird die Volksrepublik als Retter der Euro-Zone gehandelt. Ein gewagtes Spiel, schließlich ist Chinas Hilfe nie selbstlos.

In der Euro-Krise gerät jetzt das hochverschuldete Italien zunehmend unter Druck – und hofft aus Hilfe aus China. Finanzminister Giulio Tremonti traf sich bereits mit Beamten aus Peking; dabei bat er die Chinesen Medienberichten zufolge um eine Finanzspritze. Nach Informationen aus politischen Kreisen gehörten zur chinesischen Delegation der Chef der China Investment Corp. (CIC) sowie die für Investitionen und Rentenmärkte zuständigen Regierungsvertreter.

Schon meiden viele Investoren Italien. Bei der Aufnahme neuer Schulden in dieser Woche musste das Land darum die höchsten Zinsen seit Bestehen des Euro akzeptieren. Für die am Markt aufgenommenen vier Milliarden Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren zahlt Italien Zinsen von 5,6 Prozent. Zum Vergleich: Der Zins (die Rendite) für deutsche Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit – die üblicherweise deutlich teurer sind - liegt derzeit unter zwei Prozent.

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Italien ächzt unter einem Schuldenberg von rund 1,9 Billionen Euro. Ein Sprecher des Finanzministeriums in Rom bestätigte zwar die Gespräche mit China, wollte jedoch nichts zum Inhalt sagen. Die "Financial Times" und das "Wall Street Journal" berichteten übereinstimmend, dass Italien die Chinesen gebeten habe, seine Staatsanleihen in großem Stil zu kaufen. Die Nachricht machte den Finanzmärkten kurzfristig Hoffnung auf eine Eindämmung der Schuldenkrise: Die Meldung sorgte auch an der Wall Street kurz vor Handelsschluss für Gewinne bei den wichtigsten Indizes. Auch die japanische Börse gewann. Der Euro legte deutlich zu.

Finanzprofis hegen jedoch Zweifel an den Erfolgsaussichten - vor allem weil in der Vergangenheit bereits mehrfach Berichte über ein Eingreifen Chinas in der Schuldenkrise kursierten. "Es ist nicht das erste Mal, dass der Markt auf eine Rettung durch China hofft", sagte Marktanalyst Jeremy Batstone-Carr von Charles Stanley.

China hatte bereits im April signalisiert, verstärkt Schulden der unter Druck geratenen Euro-Länder aufkaufen zu wollen. Genaue Zahlen sind zwar nicht bekannt, die Volksrepublik gab aber an, Milliarden in Euro-Staatsanleihen investiert zu haben. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums verwies an die für Finanzen zuständigen Stellen. Allerdings sagte sie, Peking werde mit den europäischen Ländern kooperieren, die Finanzkrise zu bewältigen. "Europa wird weiterhin einer von Chinas wichtigsten Investitionsmärkten sein. Wir werden weiterhin die finanzielle und wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie die Zusammenarbeit bei Investitionen ausweiten, um gemeinsam die Finanzkrise anzugehen." Peking hoffe, die Länder der Euro-Zone würden "effektive Maßnahmen zur Sicherung der chinesischen Investitionen unternehmen". Chinesische Politiker haben wiederholt Hilfe für die gebeutelten Euro-Staaten angekündigt. Mit Wohltätigkeit hat das allerdings nichts zu tun. Der chinesische Staatsfonds CIC wurde 2007 ins Leben gerufen, um einen Teil von Pekings Devisenreserven zu reinvestieren, die sich damals auf 3,2 Billionen Dollar beliefen.

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