Schuldenkrise: Europa erneut im Krisenmodus

Schuldenkrise: Europa erneut im Krisenmodus

Bild vergrößern

Eine griechische und eine europäische Flagge

von Silke Wettach

Es mehren sich Gerüchte, dass der anstehende EU-Gipfel verschoben werden soll. Konzeptionslosigkeit scheint sich in Brüssel breit zu machen. Derweil wird eine Umschuldung Griechenlands immer wahrscheinlicher.

Griechenland hat heute die Gespräche mit EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) über die Auszahlung der nächsten Kredittranche abgeschlossen. Doch der Abschluss der Troika-Mission geht in einer Woche wie dieser völlig unter. Brüssel hat – gemeinsam mit den nationalen Hauptstädten – längst wieder auf Krisenmodus umgeschalten. Es geht längst nicht mehr um die nächste Überweisung für Griechenland. Die Bankenkrise nimmt beängstigende Züge an. Und der politische Druck aus Deutschland, Griechenland umzuschulden, wird immer stärker.

„Die Euro-Krise wird sich in den kommenden sechs bis acht Wochen zuspitzen“ prognostiziert Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Bank Berenberg. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy haben am Sonntag in Berlin angekündigt, bis Ende des Monats ein umfassendes Konzept für die Banken und den Euro vorzulegen. Wie konzeptionslos sie sind, zeigt sich alleine darin, dass der EU-Gipfel verschoben werden soll, der für kommenden Montag und Dienstag fest eingeplant war. In Brüssel kursiert das Gerücht, die 27 Staats- und Regierungschefs sollen eine Woche später zusammenkommen. Bis zum geplanten Termin hat sich wohl niemand zugetraut, vernünftige Lösungsvorschläge vorzulegen.

Anzeige

Das ist, gelinde gesagt, seltsam. Bereits im Sommer warnte IWF-Chefin Christine Lagarde vor der Unterkapitalisierung Europäischer Banken. Damals beriefen sich europäische Politiker auf die Ergebnisse des Stresstest der neuen europäischen Bankenaufsicht Eba. Doch dass die Eba bei ihren Analysen jegliche Korrektur bei Staatsanleihen unberücksichtigt gelassen hatte, haben sie geflissentlich verdrängt. Schon bevor die Eba die Tests überhaupt angewandt hatte, gab es in Berliner Ministerien erhebliche Zweifel an der Aussagekraft der Übung. Aber auch die wurden offenbar verdrängt.

Nun drohen sich zwei Probleme miteinander zu vermischen und zu potenzieren. Die Banken misstrauen einander und gewähren untereinander immer weniger Kredite. Gleichzeitig kommt aus Berlin politisch immer stärker die Ansage, Griechenland umzuschulden, was wiederum die Banken in Mitleidenschaft zieht.  

Die einfachste Variante aus Berliner Sicht wäre eine höhere Beteiligung des Privatsektors als die im Juli vereinbarten 21 Prozent. Doch warum sollte sich der Bankensektor darauf einlassen, einen geschlossenen Deal wieder aufzuschnüren? Die Politik könnte einen allgemeinen und weitaus höheren Schuldenschnitt  Griechenlands als Horrorszenario aufbauen. Die Politik könnte sich allerdings auch ihre Hilfsdienste bei der Stabilisierung der Branche abkaufen lassen mit einer stärkeren Beteiligung im Fall von Griechenland bezahlen lassen.

Der Fall der belgisch-französischen Großbank Dexia zeigt, wie eng das Schicksal von Banken und Ländern verwoben ist. Die Rating-Agentur Moody´s hat am Samstag Belgien mit einer Herabstufung des Ratings gedroht, das derzeit noch das zweithöchste Niveau Aa1 erreicht. Der Grund: Die hohe Verschuldung des Landes. Am heutigen Montag wurde bekannt, dass der belgische Staat den belgischen Teil des Kreditinstituts für vier Milliarden Euro übernehmen wird, was wiederum die Staatskasse belasten wird und an den Fall Irlands erinnert. Irland musste wegen der unbedachten Bankenrettung unter den europäischen Schutzschirm EFSF schlüpfen, wird aber voraussichtlich schon kommendes Jahr wieder an die Kreditmärkte gehen.

Sollte der EU-Gipfel eine Woche später als ursprünglich geplant stattfinden, hätten die Staats- und Regierungschefs den Abschlussbericht der Troika vorliegen, der Auskunft zur Schuldentragfähigkeit geben wird. Kanzlerin Merkel hatte vergangene Woche ausdrücklich auf dieses Dokument verwiesen, als sie auf das Thema Schuldenschnitt angesprochen wurde.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat in einem Zeitungsinterview noch einmal ausdrücklich vor den Ansteckungsgefahren der Krise gewarnt: „Wenn wir Griechenland aufgeben, gibt es die große Gefahr, dass die Krise auf andere Länder übergreift.“

Ehe über einen Schuldenschnitt nachgedacht wird, müssen die Banken in Europa widerstandsfähig gemacht werden. Das könnte sich als sehr viel schwerer erweisen, als sich dies die Politik noch im vergangenen Sommer erhofft hatte.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%