Schuldenkrise: Fliegt Griechenland aus dem Euro?

07. Mai 2011
WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWocheBild vergrößern
WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche
von Malte Fischer

Auf einem Geheimtreffen der Euro-Finanzminister am Freitagabend in Luxemburg soll es um den Austritt Griechenlands aus der Währungsunion gegangen sein. Doch dahinter dürfte etwas anderes stecken, kommentiert WirtschaftsWoche-Chefvolkswirt Malte Fischer.

Das Schöne an Geheimtreffen ist, dass sie meist nicht geheim bleiben. Das gilt auch für das Treffen der Finanzminister aus dem  Euro-Raum, das am Freitag abend in Luxemburg statt gefunden hat. Nachdem „Spiegel Online“ berichtet hatte, dabei ginge es um einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, war an den Märkten die Hölle los. Der Euro sackte ab, die Anleger flüchteten in US-Staatsanleihen.

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Die griechische Regierung beeilte sich, die Meldung in das Reich der Fabeln zu verweisen und beteuerte, Griechenland werde in der Währungsunion bleiben und seinen Verpflichtungen durch die vereinbarten Kredit- und Reformprogramme nachkommen.

Dabei ist längst offenkundig, dass Griechenland bei den Reformen und der Konsolidierung des Staatshaushalts weit hinter den vorgegebenen Zielen hinter her hinkt. Die Widerstände in der Bevölkerung gegen die harten Reformmaßnahmen nehmen zu, der Druck der Straße auf die Regierung von Ministerpräsident Papandreou steigt.

Griechenlands Kreditgeber haben schlechte Karten

Damit droht dem Geschäft der Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Griechenland die Geschäftsgrundlage entzogen zu werden. Der Deal lautet: Griechenland erhält Kredite von den anderen Euro-Ländern und vom IWF und saniert im Gegenzug das Land durch harte Spar- und Reformmaßnahmen. Allmählich aber scheint den  Geldgebern, vor allem dem IWF, die Geduld auszugehen. Der IWF, so heißt es, habe Griechenland gedroht, die für Juni anstehende nächste Kredittranche zurück zu halten, wenn das Land seine Hausaufgaben nicht erfüllt.

Doch Griechenlands Kreditgeber haben schlechte Karten. Athen sitzt in dem Verhandlungspoker am längeren Hebel. Stellt sich die Regierung Papandreou in puncto Reformen stur und halten die Euro-Länder und der IWF die Auszahlung der Kredite tatsächlich zurück, fehlt Athen das Geld, um seine Altschulden zu tilgen. Das Land wäre bankrott, die Gläubiger - zum großen Teil ausländische Banken - müssten auf einen erheblichen Teil ihrer Forderungen verzichten.

Dasselbe wäre der Fall, wenn Griechenland die Währungsunion verließe. Um einen Bank-Run zu verhindern, müsste Athen sofort die Konten seiner Bürger sperren und den Kapitalverkehr mit dem Ausland einschränken. Die wieder eingeführte eigene Währung Drachme würde massiv gegenüber dem Euro abwerten. Die Tilgung der in Euro denominierten Schulden wäre für Griechenland unbezahlbar, Athen würde seinen Schuldendienst einstellen. Auch in diesem Fall verlieren die Gläubiger einen Großteil ihrer Forderungen.

Deutschland muss Währungsunion verlassen

Solange die Euro-Länder und der IWF einen Forderungsverzicht mit Rücksicht auf die Banken ablehnen, sind sie erpressbar. Athen wird das ausnutzen, um weichere Anpassungsauflagen für seine Hilfskredite durch zu drücken. Knicken die Kreditgeber ein, stehen bald auch Irland und Portugal auf der Matte und verlangen weichere Reformauflagen.

Dann aber wird die Währungsunion endgültig zur Transferunion, in der die Steuerzahler aus den soliden Ländern, allen voran die Deutschen, ad infinitum die genesungs- und reformunwilligen Dauerpatienten auf der Intensivstation alimentieren.

Will der gesunde Kern Europas nicht ausbluten, gibt es nur eine Lösung: Er muss sich von den kranken Ländern abspalten und die Währungsunion verlassen. Zwar wäre das für Deutschland nicht kostenlos. Die Forderungen von Banken, Versicherungen und öffentlicher Hand gegenüber den Peripherieländern würden durch die Abwertung der Weichwährungen an Wert verlieren. Doch a la longue dürfte das im Vergleich zur Transferunion die billigere Lösung für die soliden Staaten sein. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. 

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Kommentare | 88Alle Kommentare
  • 07.05.2011, 18:49 UhrBericht eines Buchprüfers

    Die Situation für Griechenland, aber für die gesamte Eurozone, ist einfach sehr akut und es müssen glaubwüridge, nachhaltige und ehrliche Lösungsansätze gefunden werden, alles andere verschleppt die Krise und führt zu einem Punkt, in dem autonomes Handeln der Akteure nicht mehr möglich ist und die gesamte Eurozone unkontrolliert auseinander bricht.

    Doch die deutsche Politik (alle Parteien) scheuen sich davon, es der gesamten deutschen Öffentlichkeit eingestehen zu müssen, dass diese Projekt zum Scheitern verurteilt ist und nur eine sofortige Neustruktierung des Euroraumes oder aber der geordnete Übergang zu nationalen Währungen mit der beibehaltung des Euro als Verrechnungseinheit als Ausweg übrig bleibt. Dies könnte natürlich das gesamte Parteienspektrum in Deutschland völlig verändern. Und das will man nicht und muss vermieden werden. Doch leider verrinnt die Zeit unaufhaltsam, tempus fugit!

  • 07.05.2011, 19:35 UhrSpruance

    Leider sind "Enden mit Schrecken" in der Politik äußerst unbeliebt. Es ist wohl eher damit zu rechnen, daß erst nachdem alle Reserven verpulvert sind, der Wahrheit ins Auge gesehen wird. Der Schrecken wird dann natürlich viel größer ausfallen.

  • 07.05.2011, 20:50 UhrHM

    ich verstehe überhaupt nicht, warum dıe banken eınen solch ungerechfertıgten Schutz genıessen. Wo ıst das Problem wenn sıe dıe Grıechenlandkredıte abwerten muessen, das ıst doch sonst bei Schuldern dıe nicht mehr zahlen koennen. Sie haben ja die Risikozuschlaege kassiert.

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