Schuldenkrise: Frankreich fällt als Stabilitätsanker aus

Schuldenkrise: Frankreich fällt als Stabilitätsanker aus

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Nicolas Sarkozy

von Gerhard Bläske

Ungelöste Schuldenprobleme, wachsende Arbeitslosigkeit: Frankreich kann der Euro-Zone nicht helfen.

Nur noch zehn Monate, dann dürfen sich die Franzosen einen neuen Präsidenten wählen – und ob der dann erneut Nicolas Sarkozy heißt, ist mehr als ungewiss. In Umfragen liegt der Präsident deutlich hinter potenziellen sozialistischen Gegenkandidaten; selbst die Rechtsextremistin Marine Le Pen könnte ihn im ersten Wahlgang hinter sich lassen.

Vor allem die Wirtschaftslage setzt Sarkozy unter Druck; der gallische Hahn präsentiert sich in diesen Tagen arg gerupft. Frankreich steht heute ökonomisch schlechter da als zu Beginn von Sarkozys Amtszeit 2007. Vor wenigen Tagen wurden überraschend schlechte Zahlen vom Arbeitsmarkt veröffentlicht. Anders als in Deutschland, wo der Arbeitsmarkt brummt, ist die Zahl der Erwerbslosen in Frankreich im Mai um 0,7 Prozentpunkte auf 2,7 Millionen gestiegen, was in etwa dem Niveau des Vorjahres entspricht. Bezieht man die Arbeitsuchenden mit ein, die ein paar Stunden pro Woche beschäftigt sind, ergibt sich ein Anstieg um einen Punkt auf den Rekordwert von 4,1 Millionen. Besonders besorgniserregend ist, dass die mit über 20 Prozent ohnehin hohe Jugendarbeitslosigkeit, aber auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen wieder massiv steigt.

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Zu hohe Löhne für geringe Produktivität

Auch andere Kennzahlen verschlechtern sich. Dass die französische Wirtschaft trotz aller Probleme 2011 um rund 2,1 Prozent wachsen dürfte, liegt überwiegend am noch ordentlichen Konsum. Gleichzeitig jedoch steuert Frankreich 2011 auf einen neuen Rekordfehlbetrag im Außenhandel zu. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate lag das Defizit bei 61 Milliarden Euro, während Deutschland im gleichen Zeitraum einen Überschuss von 155 Milliarden Euro erzielte. Vor allem industrielle Güter und Fahrzeuge aus Frankreich sind im Ausland derzeit kaum gefragt.

Dem arbeitgebernahen Wirtschaftsinstitut COE Rexecode zufolge hat das Land weitere Marktanteile im Außenhandel abgegeben. Mitverantwortlich dafür: Die Löhne sind in den vergangenen Jahren im Vergleich zur Produktivität stark gestiegen, und es gibt zu wenig innovative Produkte. Zudem hat die schon vor Jahren eingeführte Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich die Wettbewerbsfähigkeit des Landes schleichend unterminiert. Doch statt energisch dagegen anzugehen und etwa – wie von liberalen Kräften gefordert – die Länge der Arbeitszeit von den Tarifpartnern aushandeln zu lassen, denkt Paris lieber an protektionistische Maßnahmen, um seine Wirtschaft zu schützen.

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