Schuldenkrise: Französischer Rettungsplan birgt hohes Risiko

KommentarSchuldenkrise: Französischer Rettungsplan birgt hohes Risiko

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Anne Kunz

Der französische Vorschlag zur Rettung Griechenlands hat viele Tücken – vor allem für die Griechen.

So fangen Gaunerfilme an. Der arme Mann, vom Schicksal gestraft, ist völlig pleite. Da erscheint ein Helfer mit Goldkettchen, bietet einen Kredit an. Zu besten Zinsen. Alles, was er will: einen kleinen Gefallen. Der kleine Mann nimmt an, das Unglück seinen Lauf. Die Moral: Umsonst ist nur der Tod.

Deshalb sollte auch das ebenso verlockende wie komplizierte Angebot der französischen Banken zur Griechenland-Rettung die Hellenen stutzig machen. Worum geht es? 30 Prozent der Anleihen, die bis 2014 fällig werden, soll Griechenland tilgen und den Banken in bar zurückzahlen. Das würden die Hellenen packen, und die Banken hätten einen Teil ihres Geldes zurück.

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Das Problem sind die restlichen 70 Prozent: Die sollen umgewandelt werden in Anleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren. Das sei zwar extrem lang, doch dafür sei die Rückzahlung quasi garantiert, argumentieren die Befürworter. Jetzt kommt ein Teil des Gefallens: Griechenland soll 21 Prozent der ursprünglichen Tilgungssumme an eine Zweckgesellschaft überweisen. Diese investiert das Geld in Schuldtitel mit besten Bonitätsnoten wie Bundes- oder EFSF-Anleihen.

Lange Laufzeit

Im Laufe der 30 Jahre soll der angelegte Betrag kräftig steigen und den Rückzahlungsbetrag der umgetauschten Anleihen decken. Das ist der Fall bei Nullkuponanleihen mit 30-jähriger Laufzeit und einem Kurs unter 30 Euro. Da EFSF-Papiere umgerechnet bei ungefähr 27 Euro notieren, ist das realistisch.

Der andere Teil des Gefallens: Die Verzinsung der ausgegebenen Anleihen wächst nach dem Vorschlag mit dem griechischen Wachstum, läge aber mindestens bei 5,5 Prozent. Wächst die griechische Wirtschaft um 2,5 Prozent, steckten die Banken acht Prozent ein.

Ein gutes Geschäft? Nehmen wir an, die Griechen wurschteln sich weiter durch, und die Wirtschaftskraft wächst in den nächsten 30 Jahren durchschnittlich um 1,5 Prozent. Dann läge der Zins für die Banken bei sieben Prozent. Doch für die Griechen käme das deutlich teurer. Sie müssen für 70 Prozent des ursprünglichen Rückzahlungsbetrags Zinsen zahlen, können aber nur 49 Prozent verwenden, weil der Rest bei der Zweckgesellschaft gelandet ist. Der Zins, den Griechenland effektiv zahlt, liegt nach Berechnungen von Philip Gisdakis von der UniCredit bei jährlich elf Prozent. Das ist über 30 Jahre hinweg reine Abzocke.

Doch auch die Banken sollten vorsichtig sein. Schließlich ist nur der Rückzahlungsbetrag sicher, die Zinszahlung von mindestens 5,5 Prozent ist ausfallgefährdet. Bei einer Zuspitzung der Krise könnte der Kupon um zwei bis drei Prozent gekappt oder Griechenland zahlungsunfähig werden. Im schlimmsten Fall bekämen die Banken dann nur den Gegenwartswert des Investments der Zweckgesellschaft. Das wären derzeit nur 30 Euro pro Anleihe. Ein impliziter Haircut von 70 Prozent. Die Banken holen sich so Risiken in ihre Bücher – anstatt Sicherheiten.

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