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Schuldenkrise: Großbritannien am Abgrund

von Yvonne Esterházy

Die britische Wirtschaft lahmt, die Aussicht auf eine politische Blockade nach den Wahlen lässt die Währung abstürzen. Die Krise auf der Insel schadet auch der deutschen Wirtschaft.

Gordon Brown Quelle: dpa
Gordon Brown Quelle: dpa

Das Gespräch war nur kurz. Um Punkt zehn Uhr vormittags bestieg der britische Premierminister Gordon Brown am vergangenen Dienstag in London seinen grünen Jaguar und ließ sich zum Buckingham Palace fahren. Zehn Minuten zuvor war Königin Elizabeth II mit dem Hubschrauber bei strahlender Frühlingssonne dort gelandet. Sie erwartete den Labour-Politiker bereits, als dessen Dienstwagen durch das schmiedeeiserne Tor in den Palasthof rollte. In einem 20-minütigen Gespräch bat Brown die 83-jährige Monarchin um die Erlaubnis zur Auflösung des britischen Parlaments. Die alte Dame folgte den Regeln der (ungeschriebenen) Verfassung und stimmte ohne Umschweife zu. Damit ist der Weg frei für Wahlen am 6. Mai.

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Es ist ein Urnengang mit hoher Brisanz, der erstmals seit 13 Jahren wieder die Konservativen an die Macht bringen könnte. Das kommende Kabinett steht vor einem Berg von Problemen. Großbritannien, die (noch) sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt, liegt am Boden. Die Haushaltslage hat griechische Verhältnisse erreicht, das britische Pfund verkommt zur Weichwährung. Und in der Bevölkerung steigt die Wut angesichts der düsteren Perspektiven am Arbeitsmarkt.

Traumatische Ereignisse im kollektiven Unterbewusstsein

Die Briten werden in diesen Tagen auf unliebsame Weise an die Siebzigerjahre erinnert, ein Kapitel der jüngeren Geschichte, das sie eigentlich vergessen wollen. Es ist eine Epoche des wirtschaftlichen Niedergangs. Während Gordon Brown mit der Queen parliert, bereitet nur wenige Kilometer vom Palast entfernt die Gewerkschaft der Bahn- und Signalarbeiter eine Urabstimmung über einen Streik bei der Bahnnetzgesellschaft Network Rail vor, der Großbritannien ins Chaos stürzen soll.

Vor Ostern hatten bereits das Kabinenpersonal von British Airways und Angestellte des öffentlichen Dienstes gestreikt, in den nächsten Wochen drohen Streiks bei der Londoner U-Bahn und bei British Gas. Plötzlich macht das geflügelte Wort vom „Frühling der Unzufriedenheit“ die Runde und weckt Assoziationen an die militanten Arbeitskämpfe während des berüchtigten „Winters der Unzufriedenheit“ 1978/79, der dem damaligen Labour-Premier James Callaghan zum Verhängnis wurde – und Margaret Thatcher den Weg an die Macht ebnete.

Es gibt im kollektiven Unterbewusstsein jeder Wirtschaftsnation traumatische Ereignisse, die das Denken und Handeln späterer Generationen prägen. Für Großbritannien waren es dieser Winter der Unzufriedenheit und die vorangegangene Währungskrise von 1976, als der damalige Labour-Premier Harold Wilson den Internationalen Währungsfonds (IWF) um eine Milliardenspritze für das Pfund bitten musste. Noch heute gilt der Büßergang nach Washington als ein politischer Tiefpunkt für die ehemalige Weltmacht.

20 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 06.10.2011, 10:07 UhrAnonymer Benutzer: Andre

    ja das is sowas von voll meine meinung aldaaa Graet brittan is sooo am ARSCH xD

  • 21.04.2010, 16:39 UhrAnonymer Benutzer: Emigrant

    Die Häme in manchen Kommentaren ist nicht angebracht. ich reise regelmässig 3-4 jährlich nach UK und mir ist einiges sehr positiv aufgefallen.

    Die briten sind generell weniger staatsgläubig und mehr entrepreneur als die Deutschen. Der Dienstleistungssektor profitiert davon. Wirtschaftliches Denken wird schon an den Schulen gefördert davon kann ja wohl in D keine Rede sein. Der Staat setzt, davon bin ich überzeugt, Einsparungen im public office nach der Wahl konsequent um. Die Währung ist unabhänig und national und kann somit individuell auf die beduerfnisse v. UK reagieren. Steht wohl deutlich in Kontrast zur Euro Währung(PiiGS). Und dann ist English nun mal Wirtschaftssprache Nr. 1 - auch ein Vorteil - gerade für investoren.

    Die bevölkerung ist jung und Zuwanderung nach wie vor stark. Old Europe hat da deutliche Defizite.

    Deswegen habe ich zu günstigen Wechselkursen einen Grossteil meines Kapitals in £ angelegt. ich spekuliere auf ein besser als erwartetes comeback der britischen Volkswirtschaft. Wäre nicht das erste Mal das ich in UK gut verdient habe.

  • 19.04.2010, 15:13 UhrAnonymer Benutzer: Profit

    Wenn man z.b. Maschinenfabriken in U.K. besichtigt, wähnt man sich in einem "Dritte-Welt-Land", nicht nur weil man dort keine "weißen" Engländer mehr sieht. Die ingenieur-Leistungen und die Produktqualität sind oft unzureichend. Der Maschinenpark ist meist total veraltet. Die englischen Talente sind alle in die bankenwelt Londons abgetaucht. Dann kamen englische Private-Equity-Fonds der banken nach Deutschland, hatten überhaupt kein technisches Wissen, und erzählten etwas von Kostenvorteilen z.b. in U.K. und wollten verlagern (Ost-Europa, China). in U.K. wurde viel heiße Luft erzeugt. Der ballon ist geplatzt.

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