Schuldenkrise: Irischer Blues

Schuldenkrise: Irischer Blues

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Europäische und irische Flagge

von Yvonne Esterházy

Das Rettungspaket steht – ein gedemütigter keltischer Tiger stellt sich auf viele karge Jahre ein. Doch ob die Maßnahmen die Ansteckungsgefahr in der EU wirklich eindämmen konnten, ist zweifelhaft. Von Yvonne Esterházy

Jetzt sind die Finanzmärkte am Zug. Ihr Urteil wird mit Spannung erwartet, wird darüber entscheiden, ob das Ziel, die akute Krise des Euro zu beheben und den Druck von Portugal und Spanien zu nehmen, erreicht wurde oder nicht. Das irische Rettungspaket im Umfang von 85 Milliarden Pfund ist fertig geschnürt, es wurde von den EU-Finanzministern am Wochenende abgesegnet.  Deutschland ist mit Kreditgarantien von 6,1 Milliarden Euro dabei, dazu kommt noch die Haftung für die Anteile der EU und des IWF an dem Hilfspaket. Auch das Nachbarland Großbritannien sowie Schweden und Dänemark beteiligen sich mit bilateralen Bürgschaften an den Hilfsmaßnahmen.

 Damit ist Irland das erste Land, das sich unter den EU-Rettungsschirm flüchtet. Die Finanzminister einigten sich ferner auf Vorschläge für ein neues, dauerhaftes Grundgerüst für die Krisenabwehr, den Europäischen Stabilisierungsmechanismus (ESM), das nach dem Zuklappen des Rettungsschirms im Jahr 2013 gelten und eine private Gläubigerbeteiligung einschließen soll, die allerdings offenbar erst bei drohender Zahlungsunfähigkeit eines Staates eintreten soll.

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Doch schon am Montagmorgen meldeten sich die ersten Skeptiker zu Wort. „Nein, ich glaube nicht, dass die Ansteckungsgefahr wirklich gebannt wurde, allerdings stoppt das Paket den weiteren Fäulnisprozess in Irland“, so Gerard Lyons, Chefvolkswirt der Großbank Standard Chartered Bank in der BBC.  “Zwei Spieler sind raus – zwei weitere sind fällig“ („two down – two to go“)“, brachte es Lyons auf den Punkt. Denn aus der Sicht der Märkte seien nun nach der Rettung Griechenlands und Irlands sowohl Portugal als auch Spanien als nächste im Schussfeld. In der City verweist man in diesem Zusammenhang auf einen umfangreichen Refinanzierungsbedarf der spanischen Banken im April 2011. „Ohne politische Union wird die Währungsunion einfach nicht überleben“, so Volkswirt Lyons.  Im asiatischen Devisenhandel fiel der  Euro am Montag früh gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand seit zwei Monaten - für die Gemeinschaftswährung wurde zeitweise nur 1,3182 Dollar gezahlt - das war so wenig wie seit dem 21. September nicht mehr. Danach allerdings erholte sich der Euro im frühen europäischen Handel.

Während das Thema Irland damit nun aus Sicht der Märkte abgehakt ist, spekulierten die Anleger bereits über das nächste Opfer der Schuldenkrise - Portugal. Nach Agenturberichten aus Brüssel war Portugal auch Thema der Beratungen der Finanzminister. Der portugiesische Ressortchef Fernando Teixeira dos Santos habe jedoch erneut versichert, dass sein Land nicht unter den Euro-Schutzschirm flüchten müsse, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. So allerdings hatte auch die irische Regierung bis vor kurzem argumentiert, bevor sie zähneknirschend vor der Übermacht der Märkte kapitulieren musste.

Irlands Premier Brian Cowen erklärte am Sonntagabend: „das Rettungspaket ist das beste was sich für unser Land erzielen ließ“ und nahm damit die Kritik im eigenen Land vorweg. Den durchschnittlichen Zins für das Hilfspaket bezifferte er mit 5,83 Prozent. Damit musste die irische Regierung für die Maßnahmen – es handelt sich um einen Kreditrahmen von 85 Milliarden Euro - einen teureren Zinssatz akzeptieren als Griechenland. Im Einzelnen wurde beschlossen, dass 50 Milliarden Euro zur Stützung des irischen Staatshaushaltes verwendet werden, die übrigen 35 Milliarden Euro zur Stabilisierung des maroden irischen Bankensystems, dem als Konsequenz der Krise dramatische Änderungen bevorstehen.

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